Fast 900 Schafen grasen derzeit in Winkeln

+
Maik Randolph arbeitet seit 1995 als Schäfer und zieht das ganze Jahr mit seinen fast 900 Schafen und 20 Ziegen durch den Kreis. Noch bis voraussichtlich Dienstag macht die Herde Halt in Winkeln.

Winkeln - Seit Mittwochabend lässt der Iserlohner Schäfer Maik Randolph seine Herde auf den Flächen von Pächter Dieter Coordt in Winkeln grasen. Die große Anzahl der Tiere lässt so manchen Autofahrer und Fußgänger stutzen, wenn sie an den Weiden vorbeikommen. Ein Hingucker sind die Tiere aber nicht nur, wenn sie verteilt auf den großen Wiesen grasen.

Von Alisa Kannapin

In Reih und Glied laufen die rund 900 Schafe und 20 Ziegen hinter Maik Randolph den Hang runter. Gemütlich zockeln die wolligen Vierbeiner hinter ihrem Schäfer her, der in Begleitung seiner beiden Altdeutschen Schäferhunde die Marschroute vorgibt. Am mobilen Zaun macht die Gruppe einen kurzen Stopp. Randolph entfernt das Hindernis – dann gibt es kein Halten mehr. Im Nu verteilen sich die Schafe und Ziegen auf der Wiese in Winkeln und gehen ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: dem Grasen.

Ein Hingucker sind die Tiere aber nicht nur, wenn sie verteilt auf den großen Wiesen grasen, sondern auch dann, wenn sie eng im Pulk stehen. Dann ist nämlich Klauen-Kontrolle angesagt. „Ein Schaf hat vorhin gelahmt, da muss ich mir den Huf mal näher anschauen“, sagt Schäfer Randolph.

Kaum ein Laut ist zu hören, während die Schafe und Ziegen in der Gruppe zusammenstehen. Dass kein Schäfchen ausbüxt, dafür sorgt Schäferhündin Krähe, die immer wieder an der Seite entlang läuft und die Herde in Schach hält.

Etwa einmal im Jahr macht Maik Randolph mit seinen Tieren Halt in Winkeln. Seine Herde besteht aus Rhönschafen, die helle Beine und ein fast schwarzes Gesicht haben, aus Coburger Fuchsschafen mit rotbraunen Beinen und Köpfen, und einem Mix aus beiden Rassen.

Dazu kommen noch 20 Ziegen. „Das sind die eigentlichen Chefs, die Individualisten“, sagt Randolph mit einem Schmunzeln. Die Ziegen hält er zum einen, weil sie schärfer an Büsche wie Schlehen sowie an Pappeln rangehen und damit gut für die Landschaftspflege sind. Und zum anderen, „weil ich sie mag“.

Der 39-jährige Randolph ist seit 1995 Schäfer und baute seine Herde langsam auf. Heute hat er allein rund 600 Mutterschafe. Davon haben circa 15 auch einen Namen. „Manche Leitschafe und die zahmen Tiere meiner Kinder haben Namen bekommen.“

Solange es die Witterung möglich macht, zieht Randolph mit seiner Herde das ganze Jahr über durch den Märkischen Kreis und beweidet die Naturschutzflächen. Wenn die Wiesen abgefressen sind, fragt Randolph bei Bauern in der Region nach, ob die Tiere dort grasen können.

Freitagabend zog der Schäfer mit seiner Herde vom Rodelhang ein Stück weiter Richtung Winkeln um. „Die Tiere haben schneller gefressen als gedacht.“ Noch bis ungefähr Dienstag lässt er die Herde nun dort grasen.

Wenn es schließlich zu kalt wird, geht’s zurück in den Stall, zum Stiftungshof in Iserlohn-Kalthof. Natürlich zu Fuß. Bei fast 900 Schafen ein nicht ganz alltägliches Unterfangen – zumindest für die interessierten Beobachter, denn für Schäfer Randolph und seine Hündinnen Krähe und Rieke ist das längst Routine. Das Gehöft bewirtschaftet Randolph seit 2007 als Pächter.

Und, wie ist das mit fast 900 Schafen im Rücken? „Man fühlt sich ein bisschen wie ein Feldherr“, sagt Maik Randolph und lacht. „Wie ein Feldherr einer friedlichen Armee.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare