Coronavirus in Schalksmühle

Fast jeder Bewohner und Mitarbeiter in Seniorenheimen im MK geimpft

Das Team von Ärztin Margret Lehmkühler verabreichte im Seniorenhaus Muhle die dritte Impfung – auch an die Mitarbeiter der Einrichtung.
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Das Team von Ärztin Margret Lehmkühler verabreichte im Seniorenhaus Muhle die dritte Impfung – auch an die Mitarbeiter der Einrichtung.

Zum dritten Mal werden die Bewohner der Schalksmühler Seniorenheime in diesen Tagen gegen das Coronavirus geimpft. Dafür müssen sie sich nicht zum Impfzentrum oder in die Arztpraxis bemühen, sondern erhalten den Pieks direkt vor Ort.

Schalksmühle – „Wir haben in der vergangenen Woche mit der dritten Impfung begonnen“, sagt Steffen Mischnick, Leiter des Seniorenparks Reeswinkel. „Das ist nicht wie im Januar eine große konzentrierte Aktion, sondern der Hausarzt impft seine eigenen Patienten. Zwei Praxen haben bereits angefangen damit.“

Beim Besuch in der Einrichtung hatten die Mediziner einige Impfdosen mehr im Gepäck, damit auch einige Mitarbeiter eine Auffrischung bekommen konnten. Wer seine zweite Spritze vor mindestens sechs Monaten erhalten hat, darf seinen Oberarm zum dritten Mal freilegen.

Auch im Seniorenhaus Muhle gab es schon den dritten Piekser. „Am Mittwoch hatten wir die dritte Impfung“, sagt Heimleiter Hendrik Gräff. „Wie beim letzten Mal macht das im Wesentlichen Margret Lehmkühler. Einige Ärzte möchten ihre Patienten bei uns auch selbst impfen.“ Die Mitarbeiter im Seniorenhaus können sich ihre dritte Impfung ebenfalls schon abholen. „Das werde ich auch machen“, verrät der Heimleiter.

Regeln für Besucher

Besucher müssen sich im Seniorenpark Reeswinkel als geimpft, genesen oder getestet ausweisen können. „Wenn kein Nachweis vorliegt, testen wir nach wie vor auch selber“, erklärt der Heimleiter. Ein Mund-Nasen-Schutz muss von allen getragen werden, die lediglich getestet werden. Geimpfte müssen sich nur auf ihrem Weg durch das Gebäude maskieren. Bewohner ohne vollständigen Impfschutz gibt es nicht, bis auf eine Ausnahme. „Eine Person ist aus medizinischen Gründen nicht geimpft.“ Besondere Maßnahmen seien in diesem Fall jedoch nicht nötig. Sie befände sich in einem häuslichen Umfeld und könne von der Herdenimmunität profitieren. Zudem stellen sich die Angehörigen darauf ein, und „die Mitarbeiter tragen mindestens einen Mund-Nase-Schutz und sind auch so gut wie durchgeimpft“.

Eine Impfpflicht gäbe es auch in seiner Einrichtung nicht, unterstreicht Steffen Mischnick. Vielmehr sei viel Energie aufgewendet worden, um die Mitarbeiter zu überzeugen. „Von denen, die sich im Januar nicht impfen ließen, haben sich fast alle nachimpfen lassen.“ Grund für die anfangs zögerliche Einwilligung sei in der Regel Angst vor den neuen Mitteln gewesen. Für Ungeimpfte sei eine FFP2-Maskenpflicht verpflichtend und eine erhöhte, tägliche Testfrequenz.

„Bei uns im Seniorenhaus Muhle gilt die 3G-Regel, am liebsten aber 2G“, teilt Hendrik Gräff mit. Besucher dürfen auch mit einem aktuellen Test, der vor Ort gemacht werden kann, die Einrichtung betreten. Die Gemeinschaftsbereiche werden von den Besuchern noch freigehalten. „Wir versuchen, sie im Wesentlichen nach draußen oder in die Zimmer zu verlagern und auf den Abstand zu achten. Wir sind da noch ein bisschen vorsichtig.“ Auch im Seniorenhaus Muhle wird das Impfen nicht zur Pflicht gemacht. Muss es auch nicht, denn dort sind ebenfalls fast alle Mitarbeiter schon durchgeimpft. Für die anderen gilt die Tragepflicht von FFP2-Masken, wenn sie mit Bewohnern Kontakt haben.

Aktivitäten

Sorgen, dass im kommenden Monat weniger Besucher in die Seniorenheime kommen, weil dann die Tests aus eigener Tasche bezahlt werden müssen, gibt es in beiden Einrichtungen nicht. „Das gilt auch nicht für uns. Wir befinden uns im Rahmen einer Einrichtungstestung und nicht einer Bürgertestung. Die ist in dem Rahmen weiterhin kostenfrei, aber auch nur für den Besuch hier gültig und nicht zertifiziert“, sagt Steffen Mischnick.

Coronafälle unter den Bewohnern gab es bisher nicht im Seniorenpark Reeswinkel. Zwar mussten Mitarbeiter nach Kontakten zu positiv getesteten im privaten Umfeld in Quarantäne, das hatte jedoch keine Auswirkungen auf die Senioren.

Auf die gewohnten Aktivitäten müssen die Bewohner auch nicht mehr in dem Maß verzichten wie noch im vergangenen Jahr. Interne Events gibt es nach wie vor, auch wenn auf externe Besuche, etwa von Gesangsvereinen, noch verzichtet werden muss. Grillfeste mit Angehörigen werden genauso durchgeführt, wie auch einige Ausflüge. Als Nächstes steht ein Besuch zum Waffelessen im Café Breddermann auf dem Programm.

So ähnlich sieht es auch im Seniorenhaus Muhle aus. Veranstaltungen mit Angehörigen, Gottesdienste, Grill- und Musikabende dürfen wieder stattfinden. „Das geht schon deutlich wieder in die Normalität zurück“, zeigt Hendrik Gräff die Tendenz auf. Vorsichtig sei man dennoch, denn „es gab schon Rückfälle in Pflegeeinrichtungen, wo auch Geimpfte nochmal erkrankt sind, auch wenn ich nichts von schweren Verläufen gehört habe“. Die Angst, schutzlos dem Virus ausgeliefert zu sein, gäbe es nicht mehr. Infektionen in der Einrichtung wolle man trotzdem absolut vermeiden.

Finanzierung

Der Umgang der Behörden und der Politik mit der Pandemie im Bereich der Seniorenheime wird von beiden Heimleitern recht positiv bewertet. Bei der Finanzierung von Tests und Schutzmaterialien sei man den Einrichtungen entgegengekommen, und auch die Hilfestellung bei der Umsetzung von Maßnahmen bietet keinen Grund zur Beschwerde.

Trotzdem ist der Wunsch nach der gewohnten Normalität bei Betreibern und Bewohnern der Heime groß. „Irgendwann muss man sich fragen, was noch angemessen ist. Ohne etwas verharmlosen zu wollen“, meint Steffen Mischnick. „Ich persönlich finde, so lange wir noch keinen Impfstoff für Kinder haben, sind die Maßnahmen noch zu vertreten. Danach muss man vielleicht noch einmal darüber nachdenken.“

Hendrik Gräff moniert, dass „es immer noch relativ viele sich ändernde Corono-Verordnungen gibt. Man wird irgendwann auch müde, die ganzen Verordnungen umzusetzen und zu verstehen, was sich jetzt schon wieder geändert hat. Aber an mancher Stelle geht es wohl auch nicht anders.“

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