"Hazel" und ein Allergie-Missverständnis

Hund darf nicht bei Familie bleiben - so verteidigt das Tierheim die Entscheidung

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"Hazels" Probewohnen war schnell wieder beendet: Das Tierheim nahm einer Familie aus dem MK den Hund wieder weg.

Sigrid Schmidt und ihr Mann Cay verstehen die Welt nicht mehr. Sie wollten Hündin „Hazel“ ein neues Zuhause geben. Alles lief gut, doch dann musste die Hündin doch wieder zurück ins Tierheim.

  • Eine Familie aus dem Märkischen Kreis adoptierte einen Hund aus dem Tierheim.
  • Der kam übergangsweise bei der Schwiegermutter unter, weil der Mann allergisch reagierte.
  • An dieser Stelle greift das Tierheim ein - die Geschichte bewegt viele Menschen.

Balve/Schalksmühle - Über diese Entscheidung ist das Ehepaar nicht nur tieftraurig, die Schmidts können sie auch nicht nachvollziehen. 

Ein Familienhund und auf jeden Fall ein Tier aus dem Tierheim sollte es für das Ehepaar, den Schwager und die Schwiegermutter sein, die in der Hönnestadt alle im selben Haus wohnen. 

Einige Male besuchte die Familie Schmidt Hündin „Hazel“ im Tierheim Dornbusch in Schalksmühle, bevor die Mischlingshündin zum Probewohnen über ein Wochenende bei der Familie in Balve einzog. 

Ursprünglich stammt das Tier aus Ungarn und befand sich erst wenige Tage in Deutschland und der Obhut des Tierheims, das der Tierschutzverein Lüdenscheid und Umgebung am Rande von Schalksmühle betreibt. 

Tierheim holt Hund zurück: Allergieprobleme in der Nacht

„Tagsüber lief alles gut. Nachts schlief Hazel bei uns im Schlafzimmer. Mein Mann stellte am nächsten Morgen fest, dass er Allergieprobleme hatte. Er hatte dicke Augen, aber nichts Dramatisches“, berichtet Sigrid Schmidt. Daher habe die Familie beschlossen, der Hund solle vorerst bei der Schwiegermutter in der mittleren Etage übernachten. 

Die Hündin sollte sich im Haus sowieso frei bewegen können und daran gewöhnt werden, von allen Personen – auch über Nacht oder in Abwesenheit des Ehepaares – betreut zu werden und das als völlig normal zu empfinden. So sei es auch mit den Tierheim-Mitarbeitern kommuniziert worden.

Allergie gegen Katzenhaare bekannt - trotzdem greift Tierheim ein

„Als das Tierheim am nächsten Tag mittags anrief, um zu fragen, wie die Nacht war, erzählten wir von der Allergie und das Hazel die nächste Nacht bei meiner Mutter übernachten würde“, sagt Sigrid Schmidt. 

Für die Familie Schmidt sprach nichts dagegen, dass der Hund weiterhin bei der Familie bliebe. „Wir wollten erst einmal weiter gucken, worin die Allergie begründet ist“, erklärt Sigrid Schmidt. 

Eine Katzenallergie des Ehemannes war bekannt, nun vermutete das Paar, es könnte anstatt einer Hundehaar-Allergie vielleicht auch eine Pollen-Allergie sein. Das war über das Wochenende aber nicht zu klären. „Wir dachten, Hazel könnte weiterhin bei uns bleiben. Die Mitarbeiterin sagte, es sei in Ordnung“, berichtet Sigrid Schmidt. 

Daraufhin kauften die Schmidts eine Erstausstattung für die Hündin. „Wir hatten gerade das Auto ausgeräumt, da erhielten wir einen Anruf vom Tierheim, dass das Probewohnen sofort zu beenden sei“, schildert die Balverin. Eine Vermittlung käme nicht mehr in Frage. Grund sei die Allergie. „Hazel“ wurde von einem Tierheim-Mitarbeiter abgeholt. 

Familie Schmidt versteht das Handeln des Tierheims nicht

Familie Schmidt fühlt sich überrollt und versteht das Handeln nicht. „Es hätte sich doch nichts geändert, nur der Schlafplatz“, sagt Sigrid Schmidt. Zudem hatte die Familie in der Vergangenheit bereits zwei Hunde – aus Tierheimen in Dortmund und Bochum – die glücklich bei der Familie alt wurden. 

Nie habe es Probleme mit einer Allergie gegeben. Die Symptome seien im übrigen eine halbe Woche nachdem „Hazel“ abgeholt wurde, immer noch präsent. Draußen und abends sei es sogar stärker als im Haus, weshalb „es sicher keine Allergie auf Hunde ist“, sagt Sigrid Schmidt. 

Im Tierheim Dornbusch in Schalksmühle werden vom Mitarbeiterteam viele Hunde, aber auch Katzen und andere Tiere betreut und möglichst an neue Besitzer vermittelt.

„Wir waren todtraurig. Es war dramatisch für uns. Und an dem Abend war keiner im Tierheim, mit dem wir sprechen konnten. Wir haben sogar angeboten, den Hund abzuholen und eine Unterschrift zu leisten, dass wir den Hund auf keinen Fall zurückbringen“, sagt die Balverin. 

Doch das habe alles nichts gebracht. Im Nachhinein denkt sie nun, hätten sie besser nichts über die Allergieprobleme gesagt und ihr Mann sich erst testen lassen. Letztendlich bereut Sigrid Schmidt es, mit offenen Karten gespielt zu haben. 

Tierheim greift ein: Thema Hund ist "erst einmal durch"

„Nachdem unser letzter Hund im hohen Alter gestorben ist, haben wir erst einmal sechs Jahre gewartet, bis wir uns einen neuen Hund zulegen wollten. Wir mussten erst darüber hinweg kommen. Und jetzt das. Hazel hat super zu uns gepasst. Es ist gerade sehr schwer für uns. Das Thema Hund ist erst einmal durch“, sagt sie. Und auch für „Hazel“ tue es ihr leid. Die Hündin müsse das ganze Prozedere jetzt noch einmal mitmachen. 

Sigrid Schmidt ärgert sich vor allem darüber, dass ihr Mann keine Chance bekommen habe, die Allergie testen zu lassen, bevor sie den Hund wieder abgeben mussten, und auch, dass nicht mit ihnen über die Entscheidung gesprochen wurde. „Diesen Umgang finde ich schade“, sagt die Balverin. 

Tierheim äußert sich: Schlimme Erfahrung mit Allergie

„Wir haben mit Allergien schlimme Erfahrungen gemacht. Hunde wurden nach drei Monaten wieder zurückgebracht, weil es nicht mehr ging. Daher hat das Tierheim entschieden, die Hündin sofort zurückzuholen“, sagt Thomas Höllmann, Vorsitzender des Tierschutzvereins.

Zudem habe man „Hazel“ an das Ehepaar Schmidt vermittelt, nicht an die 80-jährige Schwiegermutter. Denn das würde man auch gar nicht machen. „Und es geht nicht nur um die Nacht. Der Hund verbreitet ja auch tagsüber seine Haare, was zu Allergieproblemen führt“, erklärt Höllmann. Wenn die Allergie nach einem Tag schon so stark auffalle, habe es auch über einen längeren Zeitraum keinen Zweck. 

Dem stimmt auch die Tierheimleiterin Anna-Lena Pieper zu: „Es ist für beide Seiten einfacher, sich so früh wie möglich wieder zu trennen. Sowohl für das Tier als auch für den Menschen ist es viel schlimmer, wenn erst man nach sechs Wochen merkt, dass es nicht geht. Dann hat das Tier sich schon an die Menschen gewöhnt“, erklärt sie. Um genau dies zu verhindern und zu testen, seien die Probetage und -nacht schließlich da und ein Tier werde nicht sofort vermittelt. 

Tierheim äußert Verständnis für Familie

Sie selbst habe mit dem Paar an dem Wochenende nicht persönlich sprechen können, da sie nicht im Tierheim vor Ort war. Ihre Stellvertreterin habe nach dem Telefonat mit Familie Schmidt mit Pieper Rücksprache gehalten. Die Tierheim-Verantwortlichen hätten sich dann aufgrund der Allergie geschlossen dazu entschieden, das Probewohnen abzubrechen. 

„Ich kann verstehen, dass das Ehepaar traurig, enttäuscht und vielleicht auch sauer ist“, sagt Anna-Lena Pieper. Es sei verständlich, dass die Familie schnell ihr Herz an den Hund verloren habe. 

Sie findet es allerdings nicht schön, dass „das Thema so ausartet“, dass für die anderen Tiere eine Vermittlung problematischer werden könnte. „Das macht es den Tierheimhunden noch schwieriger“, sagt sie. 

Noch befinde sich Hündin „Hazel“ im Tierheim Dornbusch. Das werde sich aber wahrscheinlich bald ändern, sagt die Leiterin zuversichtlich.

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