Fall von Missbrauch in der FeG Schalksmühle Mitte der 90er-Jahre

FeG Schalksmühle arbeitet Missbrauch auf - ehemaliger Pastor nutzte Position aus

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Schalksmühle - Ein ehemaliger Pastor der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) Schalksmühle hat seine Macht Mitte der 90er-Jahre missbraucht. Sexualisierte Übergriffe an vier jungen, erwachsenen Männern werden ihm vorgeworfen. Die Gemeinde befindet sich mehr als 20 Jahre später in der Aufarbeitung.

24 Jahre ist es her, dass der damalige Pastor seine Position in der FeG ausgenutzt hat. In den Jahren 1995 und 1996 begann er einen Machtmissbrauch in Form sexualisierte Übergriffe an vier jungen, erwachsenen Männern. 

Die Taten sind inzwischen verjährt. Ein externer Gutachter hilft seit 2017 dabei, die Geschehnisse aufzuklären. Unter seiner Leitung erfolgt eine umfangreiche Aufarbeitung. In diesem Prozess sind die Betroffenen, die Leitung der Ortsgemeinde und die Leitung des Bundes Frei evangelischer Gemeinden Deutschland eingebunden. Außerdem spielt die Transparenz dabei eine wichtige Rolle. 

Es herrschte eine große Betroffenheit

In einem Forum am vergangenen Samstag wurde der Missbrauch angesprochen. Alle Gemeindemitglieder, Freunde und Gäste konnten daran teilnehmen, Pastor Sebastian Göpfert lud öffentlich in einem Gottesdienst dazu ein. „Es waren etwa 80 Personen beim Forum“, sagt Göpfert. Die Atmosphäre sei ruhig gewesen. „Es herrschte eine tiefe Betroffenheit“, schildert Göpfert. Viele Anwesenden hätten ihr Mitgefühl geäußert.

Ein Zwischenbericht der bisherigen Ergebnisse, die in Zusammenarbeit mit Werner Meyer-Deters als externem Gutachter und dem Vertreter der Betroffenen erarbeitet wurden, stellte die Gemeinde am Samstag vor. Es sei wichtig, das Ganze offen anzusprechen, sagt Göpfert. „Wir haben den Betroffen gegenüber bekannt, dass wir sehen, was passiert ist. Und wir bitten um Vergebung.“ 

Gemeinde entwickelt Schutzkonzept

„Der Gutachter erhielt vollständige Akteneinsicht, sodass Fehler im bisherigen Umgang mit den Vorfällen identifiziert und seitens der Verantwortlichen erkannt wurden“, heißt es in einer Pressemitteilung der FeG. Dabei umso wichtiger: „Die Aufarbeitung geschieht nun transparent“, sagt Göpfert. 

Der ehemalige Pastor und Täter konnte im Rahmen der Aufarbeitung mit seinem damaligen Handeln konfrontiert werden. Rückgängig machen kann man die Vorfälle nicht, doch die FeG Schalksmühle wird in Folge der Aufarbeitung unter anderem ein Schutzkonzept entwickeln, in dem zum Beispiel Werte und Verhaltensregeln für Mitarbeiter erarbeitet werden. 

Außerdem soll eine Atmosphäre entstehen, „in der Menschen Vertrauen haben, ihre Not anderen anzuvertrauen“, sagt Göpfert. Menschen jeden Alters sollen vor Missbrauch geschützt werden. Das Konzept der Gemeinde soll aber auch einen Rahmen zur Stärkung der Personen schaffen. „Wir wollen nicht nur etwas verhindern, sondern auch das Menschenfördernde stärken.“ 

Vereinbarung mit dem Märkischen Kreis

Im November 2015 schloss die FeG mit dem Märkischen Kreis eine Vereinbarung. Diese regelt, wann ein Mitarbeiter ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen muss, in dem Verstöße und Verfahren vermerkt sind. Zugrunde liegt dem die Initiative gegen Gewalt und Missbrauch „Schützen und Begleiten“, die 2010 vom Bund Frei evangelischer Gemeinden Deutschland ins Leben gerufen wurde. Die Aufarbeitung mit dem externen Gutachter ist noch nicht abgeschlossen. Die FeG Schalksmühle nimmt sich weiterhin der Vorfälle vor 24 Jahren an.

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