Langer Prozess im Landgericht

Erstes Urteil im Kupferprozess: Bestechung und Betrug in 93 Fällen - Strafe für 50-Jährigen

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Im Kupferprozess ist nach monatelanger Verhandlung das erste Urteil gefallen.

Das erste Urteil im Kupferprozess ist gesprochen: Die 1. große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts verurteilte den 50-jährigen Angeklagten wegen besonders schwerer Bestechlichkeit und Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug in 93 Fällen.

Hagen/Schalksmühle - 18 Monate auf Bewährung. Das ist das erste Urteil im Kupferprozess, das beim letzten Prozesstag gefallen ist. Der 50-jährige Angeklagte erhielt dieses Urteil.

Im November 2015 waren die Manipulationen aufgeflogen – die 94. Tat war lediglich als Versuch angeklagt. In seiner Ennepetaler Firma war er für die Probenentnahmen aus den angelieferten Metallabfällen zuständig. Nach Aufdeckung der Taten legte er ein umfassendes Geständnis gegenüber seiner Firma ab und kündigte seinerseits. Im Strafprozess wiederholte er dieses Geständnis und belastete damit seinen 66-jährigen Mitangeklagten aus Nachrodt-Wiblingwerde schwer.

150 Euro für jede Lieferung

Der Mitarbeiter des Schalksmühler Recyclingunternehmens habe ihm 150 Euro für jede Lieferung gezahlt. Im Gegenzug nahm der 50-Jährige die mitgelieferten Probeeimer entgegen, die darüber hinwegtäuschten, dass der für den Wert des angelieferten Messingstaubs entscheidende Kupfergehalt erheblich geringer war, als vertraglich vereinbart.

Den dadurch verursachten Schaden für das Ennepetaler Unternehmen bezifferten die Richter defensiv auf etwa 640 000 Euro. Der Vorsitzende Richter Andreas Behrens wies in seiner Urteilsbegründung darauf hin, dass zwischen den Firmen zunächst eine Entschädigungssumme in doppelter Höhe vereinbart worden war.

Der tatsächliche Schaden könnte allerdings noch weit höher sein und bei mehr als zwei Millionen liegen, die das Ennepetaler Unternehmen zwischen 2011 und 2015 an die Schalksmühler für letztlich nicht geliefertes Kupfer bezahlte. Der Angeklagte sei mit erheblicher krimineller Energie vorgegangen und habe das Vertrauensverhältnis zu seiner Firma jahrelang missbraucht. Er habe zwar nach eigener Rechnung „nur“ gut 14 000 Euro sukzessive als Bestechungsgeld entgegengenommen. Er hätte aber mit großen Schäden für sein Unternehmen rechnen müssen. Andererseits sei die Kammer „durchaus beeindruckt von dem frühen und klaren Geständnis des Angeklagten“. Die Richter hatten keinerlei Zweifel, dass der 50-Jährige solche Straftaten nicht mehr begehen werde. „Diese Strafe konnte mit gutem Gewissen zur Bewährung ausgesetzt werden.“

Der Fall

Ein 66-jähriger Angeklagter aus Nachrodt-Wiblingwerde soll als Angestellter eines Schalksmühler Unternehmens zwischen 2011 und 2015 daran mitgewirkt haben, einen Recycling-Betrieb in Ennepetal um mehr als 600 000 Euro zu betrügen. Aus Schalksmühle mitgebrachte Proben sollen einen höheren Kupfergehalt der Messing-Schleifstäube vorgegaukelt haben. Um diese Manipulationen zu verschleiern, soll der Nachrodter seinen heute 50-jährigen Mitangeklagten bei 94 Lieferungen mit jeweils 150 Euro bestochen haben. Das Strafverfahren gegen den ursprünglich ebenfalls angeklagten Inhaber des Schalksmühler Unternehmens wurde abgetrennt, weil ein Arzt ihm Verhandlungsunfähigkeit attestiert hat. t

Da das geschädigte Ennepetaler Unternehmen auf Schadensersatzforderungen gegenüber seinem ehemaligen Mitarbeiter ausdrücklich verzichtet hatte, verzichtete auch die Wirtschaftsstrafkammer auf den Versuch, die Einziehung von 14 100 Euro anzuordnen. In seiner alten und neuen Heimat Sachsen lebt der Angeklagte mittlerweile am Rande des Existenzminimums. Schulden waren auch der Grund für seine Mitwirkung an den Betrugstaten gewesen. Sein letztes Wort nutzte der 50-Jährige für ein abschließendes Zeichen von Reue: „Ich bin froh, dass jetzt alles vorbei ist, und ich möchte mich bei den Geschädigten noch einmal für die große Dummheit entschuldigen.“

Der Prozess ist noch lange nicht zuende

Mit dem Urteil in einem Prozess, der mit drei Angeklagten begann, ist der Kupferprozess noch lange nicht zuende: Er wird fortgesetzt mit dem letzten verbliebenen Angeklagten – jenem Nachrodter, der bestreitet, dem Angeklagten in den Jahren 2011 bis 2015 insgesamt rund 14 000 Euro übergeben zu haben. Die Richter tragen dem Rechnung mit einer schier unendlichen Beweisaufnahme: Die geplanten Verhandlungstermine gehen bis in den Dezember.

Nur noch einmal muss der jetzt verurteilte Angeklagte die lange Reise aus dem Vogt- ins Sauerland antreten: Weil sein Strafverfahren nunmehr endgültig abgeschlossen ist, wird er noch einmal als Zeuge vernommen.

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