Schalksmühle

Prozess zum Tankstellen-Überfall: Pannen und Widersprüche

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Hagen/Schalksmühle - Ist der Mann auf der Anklagebank jener Räuber, der am 7. Oktober 2018 gegen 17 Uhr die Total-Tankstelle in Schalksmühle überfiel? Auf diese Frage gab es am Donnerstag, am ersten Verhandlungstag im Landgericht Hagen, noch keine Antwort. Im Gegenteil: Zeugenberichte legen nahe, dass der 22-Jährige sich zur gleichen Zeit an der Wohnadresse seines Vaters aufhielt.

Der blieb mit dieser Aussage nicht allein: Auch eine Nachbarin bestätigte, dass sie mit dem jungen Mann zum Tatzeitpunkt eine längere Zeit gesprochen habe: „Er hatte gute Laune. Ich kenne ihn auch nicht anders.“ Wegen der Bedeutung ihrer Aussage wurde sie sogar vereidigt. 

Diesen Aussagen steht jene eines Zeugen des Tankstellen-Überfalls entgegen, der den Namen des Angeklagten als Erster ins Spiel gebracht hatte. Er kenne ihn noch aus seiner Schulzeit, soll der Mann kurz nach der Tat geäußert haben. Vernommen wurde der Belastungszeuge noch nicht. 

Panne bei Gericht und bei Ermittlungen

Nach einer Panne beschränkte die 6. Strafkammer des Landgerichts das umfangreiche Zeugen-Programm: Die Richter hatten nämlich vergessen, die beiden Schöffen, die zum ersten Mal in ihrer Amtszeit als Laienrichter tätig wurden, vor Beginn der Verhandlung zu vereidigen. 

Und so begann der Prozess nach zweieinhalb Stunden noch einmal von vorn mit der Verlesung der Anklage, die dem 22-Jährigen einen schweren Raub und eine gefährliche Körperverletzung vorwirft. Der Täter hatte der Kassiererin ein Messer an den Hals gehalten und sie gezwungen, die Kasse zu öffnen. Anschließend war er zu Fuß mit etwa 500 Euro entkommen. Doch war der Täter auch der Angeklagte?

"Ich habe mit der Sache nichts zu tun"

„Ich habe mit der Sache nichts zu tun“, beteuerte der 22-Jährige, der sich am Abend des Überfalls selber bei der Polizei gemeldet hatte. Sein Vater hatte ihn angerufen und ihm berichtet, dass die Polizei nach ihm suche. 

Die Panne bei der Vereidigung der Schöffen war letztlich leichter zu verschmerzen als die gravierenden Ermittlungspannen, die alle beteiligten Juristen zwei Polizeibeamtinnen vorwarfen. Die hatten den Zeugen jeweils ein Bild des Angeklagten plus sieben elektronisch generierte Bilder vorgelegt, die ihm eigentlich hätten ähnlichsehen sollen. Doch davon konnte keine Rede sein: „Es waren mehrere Brillenträger dabei, obwohl der Täter keine Brille getragen hatte“, stellte die Vorsitzende fest. Eine Person war „wild gepierct“, obwohl bei der Täterbeschreibung keine Rede davon gewesen war. 

„Das entwertet das erheblich“, fasste die Vorsitzende Richterin Dr. Bettina Wendlandt ihren Ärger zusammen. Der Staatsanwalt sah die Sache ebenso und bat die Beamtinnen um sorgfältigere Arbeit: „Die Gefahr, dass etwas kaputtgemacht wird, was nicht mehr gutgemacht werden kann, ist sehr groß.“

Der zweite Verhandlungstag ist für den 11. März, 9 Uhr, angesetzt. Dann soll das umfangreiche Zeugenprogramm fortgesetzt werden.

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