Corona-Fazit der Seniorenhäuser

Erster Impftermin in Seniorenheimen nur mit kleinen Macken

Schalksmühle, Reeswinkel, Muhle, Mischnick, Gräff, Corona, Impfungen
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In den heimischen Senioreneinrichtungen zieht man nach dem ersten Impftag jeweils ein positives Fazit. Schalksmühle, Reeswinkel, Muhle, Mischnick, Gräff, Corona, Impfungen

Die ersten Impfterminen sind in den Seniorenheimen in Schalksmühle erledigt. Und es lief gut - mit ein paar kleinen Macken.

Schalksmühle – Mit einer zeitlichen Distanz blicken die Verantwortlichen im Seniorenpark Reeswinkel und im Seniorenhaus Muhle auf den ersten Impftermin in ihrer Einrichtung zurück. Die Manöverkritik fällt trotz kleinerer Macken durchaus positiv aus.

„Mit Abstand betrachtet, ist der Tag ordentlich gelaufen. Zusammen mit den Teams aus den Arztpraxen Lehmkühler und Lüsenbrink hat alles gut funktioniert“, resümiert Steffen Mischnick, Leiter des Seniorenparks. Auch Hendrik Gräff, verantwortlich für das Haus in Muhle, hat den Impftag als zufriedenstellend empfunden. „Es hat absolut alles geklappt. Es ist stressfreier und besser gelaufen, als gedacht. Wir sind froh, dass wir den ersten Tag hinter uns haben. Er hat für etwas Entspannung gesorgt.“

Aufklärungsbögen nicht pünktlich

Einen kleinen Kritikpunkt haben die beiden Einrichtungsleiter im direkten Bezug auf den Impftermin. Die Aufklärungsbögen der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) kamen in beiden Häuser kistenweise erst Tage nach den Impfungen an. „Direkt mit Retoure-Schein“, wie Hendrik Gräff scherzhaft anmerkt. Diese Verspätung sei für ihn aber „Kleinkram“, schließlich hätten die Verantwortlichen viel zu organisieren. Dieser Punkt sei einer in einer Menge kleiner Fehler, meint Steffen Mischnick. Vor allem im Logistikbereich.

Obwohl bereits im Sommer bekannt war, dass es Impfstoffe geben wird, hätte man die Bögen vorher auf eigene Kosten ausdrucken müssen. Doch wirklich verärgert ist auch er nicht. „Der Prozess ist so hoch komplex, dass es so schon optimal läuft. Trotz der Fehler bin ich froh, dass etwas passiert.“

Die generelle Frage, ob die Impfstrategie der Bundesregierung funktioniert, möchte er nicht beantworten. Seiner Meinung nach ist es ethisch angebracht, dass die Risikogruppen zu erst geschützt werden. „Man sollte mehr Respekt vor den Entscheidungsträgern und vor der Sache an sich haben.“

Man muss bedenken, was für Aufgaben sie zu stemmen haben. Das ist eine immense logistische Herausforderung. 

Hendrik Gräff, Leiter Seniorenhaus Muhle

Im Nachhinein sei es immer einfach zu meckern. Das dürfe man auch. Aber es müssen auch Fehler erlaubt sein, betont der Einrichtungsleiter in Reeswinkel. „Die Verantwortlichen dürfen nicht durch Ängste gelähmt werden.“ Auch Hendrik Gräff möchte den Entscheidern den Rücken frei halten. „Man muss bedenken, was für Aufgaben sie zu stemmen haben. Das ist eine immense logistische Herausforderung. Ich bin der Letzte, der meckert. Es lastet ein hoher Druck auf ihnen. Zaubern kann niemand. Es braucht schon einen gewissen Vorlauf. Das ist schon richtig so.“

Die Befürchtungen, dass der Impfstoff der Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer, der in beiden Häusern verimpft wurde, gravierende Nebenwirkungen auslöse, können die Verantwortlichen zerstreuen. „Bis auf leichte Schmerzen wie bei einem Muskelkater im Arm hat es nichts gegeben“, so Steffen Mischnick. „Das ist aber nicht der Rede wert. Es gab keine Krankenscheine bei den Mitarbeitern.

Kein Verständnis fürs Nicht-Impfen

Ein Bewohner habe ihm gesagt, dass er froh sei, die Impfung gemacht zu haben. Er habe kein Verständnis fürs Nicht-Impfen. Der Tag an sich ist im Seniorenpark schon kein Thema mehr. „Es ist mittlerweile wieder Alltag eingekehrt. Niemand bereut die Impfung“, sagt der Leiter. Auch in Muhle ist man wieder zum Alltagsgeschäft übergegangen, so Hendrik Gräff. Auch dort haben die Geimpften lediglich leichte Schmerzen im Arm verspürt. „Aber so harmlos wie bei einer normalen Grippeimpfung. Ich kann nur jedem Mut machen. Man braucht davor keine Angst haben.“ Er habe vom Impfteam der Praxis Lehmkühler erfahren, dass es hilfreich sei, eine trockene Nadel für den Pieks zu verwenden. „Die Damen haben nicht die Spritze benutzt, mit der sie den Impfstoff aus der Ampulle entnommen haben. Die Armschmerzen seien laut der Expertinnen hauptsächlich eine Reaktion der Haut.“

Am täglichen Ablauf mit Corona habe sich durch die Impfung aber nichts geändert, sagt der Verantwortliche im Seniorenhaus. „Die Masken bleiben auf.“ Man achte weiter streng im Haus darauf, das Infektionsrisiko zu reduzieren. Wir sind weiter wachsam“, sagt Steffen Mischnick dazu. Schließlich erhalte man erst mit der zweiten Impfung den vollen Schutz und damit ein Stück weit Normalität. Diese würden sich vor allem seine Mitarbeiter wünschen, weiß der Hausleiter. Ein Angestellter sagte zu ihm, dass ihn die FFP2-Maske stark nerve und dass er deshalb auf eine Lockerung für Geimpfte hoffe. Doch diese seien aus Sicht von Steffen Mischnick erst möglich, wenn nachgewiesen ist, dass diese das Virus nicht mehr übertragen.

Noch nicht alle Kollegen geimpft

Die Wünsche in den Senioreneinrichtungen für die kommenden Monate sind einheitlich. Hendrik Gräff: „Wir warten darauf, dass endlich auch die ambulanten Kollegen geimpft werden. Zudem sind weitere Impfstoffe und Informationen zum Umgang etwa mit neuen Bewohner wichtig.“ Die Hoffnungen in diesen Punkten sind groß. „Ich möchte nicht schwarz sehen, dass auch Otto-Normal im zweiten Quartal seine Impfung bekommt.

Steffen Mischnick sieht dies ähnlich: „Wir fragen uns, wie wir die Mitarbeiter, die aus medizinischen Gründen noch nicht geimpft werden konnten, das jetzt nachholen können. Das gleiche gilt für neue Bewohner. Da würden wir uns über Lösungen freuen. Zwar sei der Druck im Haus nun etwas geringer, aber dennoch hofft er, dass die Impfbereitschaft in Deutschland so groß ist, dass man Mitte des Jahres wieder normalere Verhältnisse hat.

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