Erleben statt nur Festhalten

+
Zu Beginn seiner Predigt hielt sich der Berliner Theologe und Kabarettist Torsten Hebel sein Handy vors Gesicht. Es sei schade, dass vieles nur noch festgehalten würde, ohne es selbst zu erleben.

Schalksmühle -  Am Sonntag durfte die Freie evangelische Gemeinde (FeG) den Gastprediger Torsten Hebel aus Berlin gleich zu zwei Gottesdiensten begrüßen. Der Kabarettist und Theologe sorgte zunächst beim Brunch-Gottesdienst für einen kurzweiligen Vormittag, bevor er am Abend auch den Jugend-Gottesdienst mitgestaltete.

Von Jan Lehmann

Martin Rahn moderierte am Vormittag den Brunch-Gottesdienst und kündigte zu Beginn an, dass die zahlreich erschienenen Gäste drei Punkte garantiert erwarten würden: „Wie schon angekündigt, erlebt ihr heute nicht nur ein leckeres Buffet, sondern auch klasse Gospel-Chor-Musik von ‘Living Gospel’ und eine tiefgreifende Predigt von Torsten Hebel.“

Der rund 40-köpfige Chor „Living Gospel“ – das erste Mal nicht angeführt von Hans Werner Scharnowski, sondern von Bassist Jan Primke – sang Lieder wie „One World“, „All the time“ und ein Gospel-Medley.

Torsten Hebel ist nicht nur Theologe und Kabarettist, sondern auch Initiator des sozialkulturellen Kinder- und Jugendprojektes „blu:boks“. Mithilfe eines Filmes zeigte Hebel, was die Ziele von „blu:boks“ sind: „Wir helfen Jugendlichen, die aus nicht leichten Verhältnissen kommen, an sich selbst zu glauben. Wir geben ihnen ein sinnvolles Hobby, damit sie mit Kunst und Kultur konstruktiv in ihrem Leben Selbstständigkeit finden und so ein Teil der Gesellschaft werden. Die Kinder erfahren bei uns, dass sie wertvoll sind und dass sie geliebt werden“, erklärte Hebel.

Zu Beginn der Predigt hielt sich Hebel kurz sein Handy vor das Gesicht und sagte, wie schade es doch sei, „dass vieles nur noch festgehalten wird, ohne es selbst zu erleben.“ Man solle das Erlebte lieber bewusst betrachten und nicht die Augen verschließen.

Mit einem Auszug aus dem Buch Moses beleuchtete er mit viel Humor die Person Mose, sein Handeln, die Geschichte um den brennenden Dornbusch und Moses Hirtenstab, der kurzzeitig zu einer Schlange und dann zum „Stab Gottes“ geworden sei. Dabei bezog sich Hebel auch auf Situationen aus dem realen Leben wie: „Du gehörst zu RTL II, aber nicht hierher!“ und erklärte auch die jüdischen Hintergründe nachvollziehbar.

Zum Abschluss seiner Predigt gab er den Zuhörern mit auf den Weg, dass man ganz oft wie Mose dazu berufen sein könne, aus den eigenen Schwächen Stärken zu entwickeln. Man könne aus Erfahrungen mit Problemen, mit denen man selbst zu kämpfen hatte, anderen am besten helfen. „Niemand kann so gut die Probleme nachvollziehen, wie du, der genau das schon mal durchgemacht hat“, sagte Hebel. Auch er habe ohne Vater keine durchgängig problemlose Kindheit gehabt, daher könne er sehr gut einige Kinder verstehen, die Hilfe bei „blu:boks“ suchen.

Im Jugendgottesdienst am Abend lautete das Motto „Back to the Roots“. Hier beschäftigte sich Torsten Hebel mit Auszügen aus dem Matthäus-Evangelium und erklärte: „Der Glauben ist nicht dafür da, sich selbst zu profilieren, sondern die Liebe Gottes weiterzugeben!“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare