Erfahrung zeigt: Prognosen sind oft sehr präzise

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Keine „zweite Wahl“: Im Anschluss an den Urnengang bat Dorothea Sieper – vom Meinungsforschungsinstitut „infratest“ – an der Grundschule Löh noch einmal anonym abzustimmen. Die Ergebnisse waren die ARD-Hochrechungen. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Punkt 18 Uhr. Stille im Sitzungssaal des Rathauses. Die ersten Wahlergebnisse laufen im Ticker der öffentlich-rechtlichen Sender.

„Ja!“ Ein Freudenruf durchbricht die Stille. Der SPD-Vorsitzende Ralf Engels ballt eine Faust. Die Sozial- und Christdemokraten liegen bis auf einige Nachkommastellen gleichauf. Die Grünen vier Prozent mehr als die FDP. Engels: „Das Ende von schwarz-gelb.“

Die Erststimmen-Ergebnisse: Die CDU fällt auf 35,3 Prozent (42,8 Prozent 2005); die SPD steigt auf 39,9 Prozent (2005 37,4); die Grünen verbessern sich auf 8,5 Prozent (2005 4,9); die FDP bleibt lokal stabil mit 9,5 Prozent (2005 9,6) und deutlich überm Landesschnitt; die Linken machen einen Sprung auf 5,2 Prozent (2005 0,5).

Zweitstimmen: Die CDU fällt auf 31,2 Prozent; die SPD fällt auf 36,7 Prozent; Grüne steigen auf 10,1 Prozent; die FDP steigt auf 9,7 Prozent; die Linke steigt auf 5,1 Prozent.

Die Wahlbeteiligung beträgt 60,7 Prozent, 5205 gültige Wählerstimmen wurden abgegeben.

Das die Hochrechnungen im Ticker laufen, verdanken die Sender Wahlforschern wie denen der „Forschungsgruppe Wahlen“ (ZDF) und Infratest (ARD). Während im Rathaus analysiert und diskutiert wird, arbeitet Raven Musialik an der Realschule daran, dass die Ergebnisse immer mehr präzisiert werden. Per Mobiltelefon übermittelt er die Auszählungsergebnisse des ersten Wahlbezirks. „Es gibt zwei Methoden, an die Zahlen zu kommen: Entweder wir warten auf die Ergebnisse einzelner zufällig ausgewählter Stimmbezirke oder wir sind den Tag über vor Ort und befragen die Leute“, erklärt Musialik, der im Auftrag der „Forschungsgruppe Wahlen“ erste Variante durchführt und die Zahlen übermittelt.

In sieben Zeitblöcken, über den ganzen Tag verteilt, sollen Wähler an der Grundschule Löh auf Infratest-Zetteln vier Kreuzchen machen: Erststimme, Zweitstimme, Alter und Geschlecht. Für die Verarbeitung ist Dorothea Sieper verantwortlich. Im Anschluss an die anonyme Abstimmung, die sie im Anschluss an den regulären Wahlgang durchführt bietet sie die Wähler erneut ihre Stimme abzugeben.

„Das reicht, um ein Ergebnis zu erzielen, das vom Endergebnis meist nur noch in den Nachkommastellen abweicht“, weiß die Mitarbeiterin des Meinungsforschungsinstitutes „infratest“.

Das bestätigte sich in den regelmäßig aktualisierten Hochrechnungen und Ergebnissen bei der Präsentation im Rathaus so präzise, dass genug Zeit für Debatten über Handball- und Fußballergebnisse blieb. ▪ mc/bomi

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