Ärzte-Paar in Afrika: Engagement aus Berufung

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Die Leitungsgruppe des Gesprächskreises freute sich, das Ehepaar Helmut (rechts) und Rosemarie Seckelmann (2. von links) für einen Vortrag über das Leben in Tansania gewinnen zu können. Sie boten auch landestypische Armbänder zum Verkauf an.

SCHALKSMÜHLE - Annehmlichkeiten wie einen Supermarkt kennt das Ärzte-Ehepaar Dr. Carsten Seckelmann und Dr. Sandra Wening-Seckelmann von seinem Hilfseinsatz im Mbesa Missions Hospital, einem Buschkrankenhaus in Tansania, nicht. Dennoch sehen der Internist und die Kinderärztin, die mit ihren drei Kindern seit knapp drei Jahren im abgelegenen Süden Tansanias an der Grenze zu Mosambik leben, genau dort ihren Platz.

„Sie wollen wieder zurück nach Tansania“, sagten Helmut und Rosemarie Seckelmann aus Altena-Grünewiese, die Eltern von Carsten Seckelmann, die im Rahmen des Offenen Gesprächskreises der Evangelischen Kirchengemeinde Schalksmühle-Dahlerbrück über das „Leben in Tansania außerhalb der Touristen-Hochburgen – Wie eine Missionsstation hilft“ berichteten.

Nach einem halbjährigen Deutschlandaufenthalt, den ihr Hilfseinsatz im Dienst des Forums Wiedenest (Bergneustadt) vorsieht, will die Ärztefamilie nach Mbesa zurückkehren. 350 000 Menschen sind auf das dortige Missionskrankenhaus angewiesen. Eine Fülle von Eindrücken und Bildern brachten Helmut und Rosemarie Seckelmann zum Vortrag im Gemeindezentrum der Kreuzkirche von zwei Tansania-Besuchen bei ihren Kindern mit.

Sowohl in das Alltagsleben der Familie sowie in die Arbeitsbedingungen im Krankenhaus, das sich aufgrund seines kleinen Ärzteteams nicht den Luxus der Spezialisierung leisten kann, erhielten die Besucher der gut besuchten Vortragsveranstaltung Einblick. „Der Internist nimmt chirurgische Eingriffe vor, die Kinderärztin entbindet“, erklärte Helmut Seckelmann. Nebenbei erfuhren die Zuhörer Wissenswertes über Land und Leute. Vieles, wie die extreme Armut der Menschen und der Umgang mit Kindern – etwa nach Zwillingsgeburten – machten die Zuhörer betroffen. „Kinder haben keinen hohen Stellenwert. Kinder können verhungern oder sind übrig.“

Für wenig Geld brächten die Ärzte in Mbesa den Menschen spürbare Hilfe. „Eine Geburt kostet 2,50 Euro, ein Kaiserschnitt 25 Euro, eine Lungenentzündung lässt sich für 1,50 Euro behandeln.“ Ultraschallgel wird – hierzulande undenkbar – in gut verschließbaren Currysaucen-Flaschen aufbewahrt, wie auf einem Bild zu sehen war. Gebrochene Beine werden mit Steinen als Gewichte ruhig gestellt. „Die einheimischen Mitarbeiter werden bezahlt. Die Deutschen werden von Spenden finanziert“, erklärte das Ehepaar.

Auch Sandra und Carsten Seckelmann leben in Tansania von Spenden. „Man muss eine Berufung haben“, machten Helmut und Rosemarie Seckelmann am Ende ihres Vortrags klar. Wer sich nur aus Abenteuerlust auf ein Leben im Busch einlasse, halte das nicht aus. In Briefauszügen kam Carsten Seckelmann selbst zu Wort. „Wir kommen immer wieder an Grenzen“, war da zu hören.

Es gäbe viele Gelegenheiten, in denen man sich falsch verhalten könne, und es herrsche eine Unsicherheit, wie mit Korruption, Vernachlässigung von Kindern oder Dummheit umzugehen sei. „Trotzdem glauben wir, am richtigen Platz zu sein. Wir sind gern hier“, schreibt Carsten Seckelmann. Zugunsten des Krankenhauses, das allen Kranken – unabhängig von Religion, Einkommen oder Stammeszugehörigkeit – Hilfe gewährt, spendeten die Besucher am Ende des Vortrages. -von Monika Salzmann

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