Windkraft am Worthberg stößt auf viel Gegenwehr

Windpark am Worthberg: Hitzige Diskussion über Pläne

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Das Thema Windkraft trifft in Schalksmühle und Halver einen empfindlichen Nerv bei den Bürgern.

Schalksmühle/Halver - Der Energieversorger EnBW plant einen Windpark auf dem Worthberg. Vertreter des Karlsruher Unternehmens waren am Montag im Sitzungssaal des Rathauses zu Gast und stellten Details zu dem Vorhaben vor. Dabei stießen sie auf den Gegenwind zahlreicher Anwohner an der zu Halver und engagierter Windkraftgegner.

Bereits seit zweieinhalb Jahren beschäftig sich EnBW damit, Windkrafträder auf dem Worthberg zu errichten. So gab es im November 2017 eine erste Standortbegehung in dem Waldstück. 2018 traf man sich mit dem Landratsamt des Märkischen Kreises zu einem Auftaktgespräch und im Februar 2018 starteten die ersten Umweltuntersuchungen. Im Juni begann das Vorentscheidsverfahren und seit Oktober bis ins neue Jahr fanden Windmessungen und Untersuchungen zur optischen Wirkung statt. 

Am Montag wurde das Projekt offiziell dem Gemeinderat und der Öffentlichkeit vorgestellt. Dass das Thema bei vielen Bürgern einen empfindlichen Nerv trifft, zeigte sich daran, dass sich ungewohnt viele Zuhörer im Ratsaal einfanden und deshalb für zusätzliche Bestuhlung gesorgt werden musste. 

Was genau plant das Unternehmen am Worthberg? 

Krititsche Zuhörer: Das Interesse der Bürger am Thema Windpark war groß.

EnBW möchte zwischen Wippekühl und Halverscheid drei Windenergieanlagen errichten. Ursprünglich waren drei baugleiche Windräder vom Typ Vestas V150 mit einer Nabenhöhe von 166 Metern vorgesehen, berichteten die drei anwesenden EnBW-Vertreter aus Süddeutschland. Doch die Ergebnisse der optischen Wirkung dieser Anlagen haben dazu geführt, dass man nun nur noch ein solches Rad und zwei kleinere (Vestas V136, Nabenhöhe 132 Meter) bauen möchte. Es soll „keine optisch bedrängende Wirkung für die Anwohner entstehen“. Der Netzanschluss soll, so hieß es weiter, über das Umspannwerk Schalksmühle passieren und für die Zuwegung sollen vorhandene Forstwege im Hälvertal genutzt werden, um die Vegetation zu schonen. 

Zu welchen Ergebnissen sind die Untersuchungen von EnBW gekommen? 

Das Unternehmen betonte ausdrücklich, dass man sich mit den geplanten Anlagen an die gesetzlich festgelegten Grenzwerte halte. In vorab simulierten Schallmessungen habe man den „Worst Case“, also die höchsten zu erwartenden Messwerte, dargestellt. Der Grenzwert im vorgesehenen Baugebiet – einem Dorf- und Mischgebiet – liegt laut EnBW nachts unter Volllast im Abstand von 200 Metern bei 45 dB/A (Schalldruckpegel). Zum Vergleich: Eine Bibliothek weist 30 dB/A und ein Presslufthammer 110 dB/A auf. Wenn die Anlagen errichtet sind, dass sollen sowohl weitere Messungen erfolgen als auch vorgeschriebene Messsensoren eingebaut werden, die permanent den Schall messen und bei Überschreitungen die Räder abstellen sollen, versicherten die Unternehmensvertreter auf Nachfrage eines anwesenden Bürgers. Neben des Schalls wurden auch die Schattenbildung und sogenannte periodische Lichtreflexionen (Diskoeffekt) auf Wohnhäuser durch die hohen Anlagen in Augenschein genommen. Das Unternehmen möchte sicherstellen, dass ein täglicher Grenzwert von 30 Minuten nicht überschritten wird. Auch hier sollen die geplanten Windkraftanlagen eine sensorgesteuerte Abschaltautomatik erhalten, damit dieser Wert auch eingehalten wird. 

Wie effektiv sind die drei Windkraftanlagen? 

EnBW-Vertreter informierten über die Absichten des Unternehmens am Worthberg.

Genaue Zahlen zur Effektivität nannten die Mitarbeiter des Energieversorgers nicht. Man sagte aber, dass man „keine Anlagen aufstellt, die nicht effektiv sind. Die berechneten Volllaststunden für den Worthberg entsprechen etwa denen an der Nordsee“. In diesem Zusammenhang bietet das Unternehmen zusätzliche Bürgerinformationsveranstaltungen an, bei denen bei Interesses konkretere Zahlen vorgestellt werden sollen. Zudem soll eine Internetseite eingestellt werden, auf der man sich über den aktuellen Stand des Projektes informieren kann. 

Wie sieht der Projektzeitplan aus? 

Nachdem bereits 2017 die Fläche am Worthberg gepachtet wurde, soll zum dritten Quartal dieses Jahres der Genehmigungsantrag gestellt werden. Das Verfahren soll dann bis ins dritte Quartal 2020 laufen. Lieferzeit, Bau und Inbetriebnahme sind ab dem vierten Quartal kommenden Jahres und bis ins Jahr 2021 geplant. 

Was sagten die anwesenden Kritiker? 

Vor allem drei Punkte hatten die Bürger auf dem Herzen – „Sind Vögel und Fledermäuse durch die Windräder gefährdet?“, „Wie sieht es mit Infraschall durch die Anlagen aus?“ und „Gibt es einen möglichen Wertverlust der benachbarten Immobilien?“. Die Vertreter des Unternehmens bemühten sich, Antworten in der hitzig geführten Diskussion zu liefern. Zu einem möglichen Wertverlust lagen ihnen keine Daten vor. Eine Gefährdung der Tiere sei ausgeschlossen, so das Ergebnis des Umweltgutachtens, das Bürger nach Antrag beim Kreis auch einsehen können. Zwar seien viele Vögel vorhanden, sie würden den Wald aber nicht als Jagdgebiet nutzen. Fledermäuse würden zudem nicht auf Höhe der Räder fliegen. Zum Infraschall sagte man, dass alle bisherigen Untersuchungen ergeben hätten, dass zwischen 150 und 300 Meter von den Anlagen entfernt Infraschall nicht mehr messbar und keinen Einfluss auf den Menschen festzustellen sei. Diese Behauptungen bezeichnete eine junge Bürgerin als „fahrlässig“, da es noch keine Langzeitmessungen zu den Folgen gebe. EnBW konterte dieses Argument damit, dass auch Wellen am Strand Infraschall erzeugen würden und diese auch keine Auswirkungen auf den Menschen hätten. Die erneute Nachfrage der Bürgerin nach validen Zahlen blieb letztendlich unbeantwortet im Raum stehen.

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