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Scheue Waldbewohner jetzt öfter zu sehen

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Von: Frank Laudien

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Den Jägern fallen immer mehr Waschbären in der heimischen Region auf.
Den Jägern fallen immer mehr Waschbären in der heimischen Region auf. © Foto: DPA

Wer öfters durch den Wald spaziert, dem läuft mit etwas Glück auch mal ein Reh über den Weg.

Seit einiger Zeit benötigen Spaziergänger aber anscheinend kaum noch Glück, um die scheuen Waldbewohner zu Gesicht zu bekommen. Nicht nur die Bambis, sondern auch Waschbären und Marder sind keine Raritäten mehr. Immer öfter können die sogar im eigenen Garten beobachtet werden.

Warum das so ist, und welche Tiere für die Menschen zu einem Problem werden können, weiß der 1. Vorsitzende des Hegerings Schalksmühle-Hülscheid, Dirk Vedder. „Der Wald hat sich enorm verändert“, erklärt der Jäger mit Blick auf die vielen Lichtungen, die durch die Borkenkäferplage entstanden sind. „Wir haben es hier in erster Linie mit Rehwild, Wildschweinen, Füchsen und invasiven Arten, wie Waschbären, zu tun. Das sind alles Naturfolger. Die begnügen sich mit dem, was sie vorfinden.“ Der Hirsch als Rotwild würde sich hier nicht wohlfühlen. Das sei ein Naturflüchter, der absolute Ruhe brauche.

Die scheuen Tiere halten sich nicht gerne auf den freien Flächen auf. „Wild braucht Deckung“, weiß Dirk Vedder. „Wenn der Weg zur Wiese jetzt durch die Kahlschläge führt, suchen die sich einen anderen Weg oder einen anderen Einstand.“ Die Tiere ziehen sich also in die Bereiche zurück, die ihnen jetzt noch Schutz bieten. Es sind nicht unbedingt mehr Tiere, als noch vor einigen Jahren, sie haben sich lediglich auf engerem Raum versammelt.

Das macht es auch für die Waidmänner nicht einfacher, denn die Bejagung in den dicht bewaldeten Gebieten ist schon eine Herausforderung, zumal es viele befriedete Gebiete gibt. „Die gehören zwar zu den Jagdgebieten. Jagen kann man dort aber nicht, weil es zu gefährlich ist. Es ist zu nah an der Zivilisation.“ Und das führt auch vermehrt zu Ärgernissen: „Die Tiere passen sich als Naturfolger den Menschen an. Die gehen dahin, wo sie etwas zu essen finden. Wenn ein Reh mal festgestellt hat, dass es ganz wunderbare Gärten gibt, in denen leckere Blumen wachsen, dann kommen die nachts gerne zu Besuch.“ Und über diese Besuche gab es in letzter Zeit vermehrte Beschwerden.

Während ein Reh im Blumenbeet teilweise noch als nettes Ereignis gesehen wird, gibt es andere Tiere, die wesentlich unbeliebter sind. Dazu gehört der Waschbär. In Schalksmühle sind sie bereits zu echten Problembären geworden. „Wir haben eine stark steigende Population, und es gibt immer mehr Beschwerden“, zeigt sich das Hegering-Oberhaupt besorgt. „Waschbären suchen den Menschen förmlich, genau wie der Marder. Dachböden oder Scheunen werden genutzt, um darin zu wohnen und die Jungen aufzuziehen. Darüber wird man kaum Herr.“ Nicht nur in Wohngegenden sorgt der Marder für Unruhe, sondern auch in der Natur, wo er Jungtiere gefährdet und Vogelnester plündert.

Die Bejagung ist in Wohngebieten auch eine Herausforderung. Zur Waffe greifen kann man hier natürlich nicht. Deshalb werden Fallen aufgestellt. Ohne entsprechende Ausbildung ist aber auch das nicht möglich. „Da haben wir gerade noch Nachholbedarf“, sagt Dirk Vedder. Viele seiner Kollegen ließen sich nun nachträglich als „Fallensteller“ ausbilden. Das sei nötig, weil auch diese Art der Jagd stark reglementiert sei. Niemand möchte schließlich seine Katze oder andere Tiere in der Falle wiederfinden.

Rehe sind dagegen ein kleineres Problem. Dennoch können die Jäger die vorgegebenen Abschussquoten momentan kaum erfüllen. „Es gibt gewisse Bestände, die man in jedem Revier haben sollte“, erklärt Dirk Vedder. „Rehe haben den Ruf, dass sie Jungpflanzen verbeißen. Der Rehbock ‚fegt‘ sie auch. Er markiert seinen Einstand, zerstört also die Pflanzen. Um den Waldaufbau zu beschleunigen, sind wir angehalten, mehr zu schießen. Da stehen wir nicht drauf und finden das auch nicht gerade passend, aber es sind, auch von Seiten des Forstes, unsere Vorgaben.“ Die veränderte Waldstruktur mache es auch nicht gerade einfacher, und in den nächsten Jahren, da ist sich der Jäger sicher, wird es noch schwieriger, denn „die alten Fichtenbestände, in denen man noch gut etwas sehen konnte, gibt es dann erstmal nicht mehr. Was heute noch braun aussieht, wird in zwei Jahren komplett grün sein. Das ist eine Oase für die Tiere. Und schlecht für die Jäger.“ Die müssen sich, genau wie das Rehwild, an die neuen Umstände anpassen und lernen, damit umzugehen. Das wird allerdings nicht einfach, denn Dirk Vedder weiß: „Die Tiere lernen schnell dazu. Sehr schnell.“

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