Einmaliges Klangerlebnis aus Schalksmühe

1,75 Meter hoch sind die Schallwandler, die der Schalksmühler konstruiert und angefertigt hat.

schalksmühle  - Man kann mit einem kleinen VW zur Arbeit fahren oder mit einem Lamborghini. Der Lamborghini macht sicher mehr Spaß. Und man kann seine Lieblingsmusik mit der Geiz-ist-geil-Stereoanlage und deren winzigen Boxen hören. Oder mit den „Schallwandlern“, die der Schalksmühler Andreas Kotula produziert.

Schallwandler? „Du kennst das unter dem Begriff ‘Lautsprecherboxen’, aber in der Szene gilt ‘Boxen’ als leicht abwertend. Hier spricht man von Schallwandlern“, schmunzelt der 49-jährige.

In der Tat haben diese Schallwandler schon optisch kaum noch Ähnlichkeit mit den Boxen, wie unsereiner sie kennt. Edelste Hölzer sind verarbeitet, der nach hinten abgerundete Korpus aufwändig und perfekt mit Klavierlack behandelt.

Bevor der große Moment kommt und Andreas Kotula seinen Röhrenverstärker einschaltet, den Schallplattenspieler in Gang setzt, erzählt er erst einmal. Er ist hauptberuflich Intensiv-Krankenpfleger und privat ein Musik-Fan. Zudem verfügt er über großes handwerkliches Geschick. Und so kam es, wie es kommen musste: Handelsübliche Boxen waren Andreas Kotula irgendwann nicht mehr gut genug. Er besorgte sich jede Menge Fachliteratur, wurde zum Experten für den Bau von Schallsystemen.

Das Ergebnis seines Könnens steht jetzt vor uns – in einem eigens eingerichteten schalloptimierten, akustisch sterilen Raum mit gemütlicher Couch: Die Frontseite der 1,75 Meter hohen und 50 Zentimeter tiefen Schallwandler ist sechs Zentimeter dick mit einer handpolierten Palisanderholz-Oberfläche. Das Ganze ist vom Fußboden durch Alu-Podeste und Dämmplatten doppelt entkoppelt. Bassabsorber, ein Wandteppich an der Frontwand und ein spezieller Vorhang vor der Rückwand sorgen zusätzlich dafür, dass der Zuhörer keine Vibrationen verspürt. Die Bässe finden sich nicht im Fußboden wieder, sondern im Ohr.

Andreas Kotula schaltet das Licht aus. Nur kleine rote Punkte wandern gemächlich über Seitenwände und die Decke. Der Gast entspannt sich. Und wird dann von einem Klanggewitter voll erwischt. Was nun zu hören ist, ist von einer Detailschärfe und Klangtiefe, wie man sie sonst nur erlebt, wenn man mitten im Orchester sitzt. Feinste Nuancen sind zu vernehmen. Peitschende Trommelwirbel brechen über den Gast herein wie ein schwerer Gewitterregen. Da gibt es kein „vorne die Musik und hier hinten ich“. Überall ist Klang, überall ist Musik. Ein überwältigendes Erlebnis.

Allerdings gibt es eine Berufsgruppe, deren Mitglieder Andreas Kotula in Zukunft fürchten müssen. Das sind die Tontechniker. Genauer gesagt: diejenigen unter ihnen, die schlecht oder schlampig arbeiten. Denn ihre Fehler werden von den Boxen gnadenlos entlarvt. Schlechte Aufnahmen klingen in Andreas Kotulas „Kammer der Wahrheit“ eindimensional, fehlende Tiefe stellt sich als übler Klang-Brei dar. Rod Stewart bei „MTV unplugged“: Feine Stimme, aber das Orchester wirkt, als sei es von einem billigen Tonband eingespielt. Auch stimmliche Defizite offenbaren sich in brutaler Deutlichkeit. Bryan Adams im Duett mit Luciano Pavarotti bei „O sole mio“: Armer Bryan Adams! Pavarottis Gesang fegt wie ein Orkan über Adams’ – jetzt wissen wir es – Stimmchen hinweg.

Doch wir wollen uns ja an der Musik erfreuen und erleben dabei Überraschungen. Die Dire Straits waren schon Referenz, als die ersten CD-Player auf den Markt kamen. Ihre Aufnahmen begeistern auch mit Andreas Kotulas Schallwandlern. Aber wer – außer Frank Farian – hätte jemals gedacht, dass Boney M. absolut professionell und hörenswert abgemischt sind?

Mit technischen Details sei an dieser Stelle nicht gelangweilt. Nur so viel: Das Klangspektrum reicht von 32 Hertz bis 40 Kilohertz, die Nennimpedanz beträgt 3 Ohm. In den Schallwandlern sind zwei Tiefmittel- beziehungsweise Mitteltöner symmetrisch über und unter dem Hochtöner angeordnet und werden parallel betrieben. Man nennt das die D’Apolitto-Anordnung. Kennern sagt das was.

Andreas Kotula verrät auf Nachfrage gern Näheres auch zur Technik und gewährt sicher auch einmal eine Hörprobe. Nicht nur, weil er ein netter Kerl ist, sondern weil er seine Produkte in Zukunft auch gern verkaufen möchte – inklusive Beratung für das richtige Aufstellen in den eigenen vier Wänden.

Was kosten die Edel-Boxen aus der Kotula-Werkstatt denn nun? Der Schalksmühler lächelt: „Wenn du danach fragen musst, kannst du sie dir nicht leisten.“

Deutlich mehr als für den kleinen Arbeitsweg-VW muss man aber auf jeden Fall dafür ausgeben. - Willy Finke

Kontakt: Andreas Kotula, E-Mail: alutok@t-online.de; Mobiltelefon: 01 51 / 52 29 14 01

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