Eine giftig-heitere Geschichte

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Ein kongeniales Duo, das den Premierenabend trägt: Simone Thewes in der Rolle der Abby Brewster und Marianne Gundlach als deren Schwester Martha.

SCHALKSMÜHLE ▪ Eine „Mordsgaudi“ nannt der unvergessliche Helmut Qualtinger in angewandter Doppelsinnigkeit die Komödie „Arsen und Spitzenhäubchen.“ Die Theaterwerkstatt Schalksmühle feierte im PZ Löh Premiere mit Ingrid Kämpers Inszenierung der schwarzen Komödie. Eine weidlich gelungene Premiere, wie das Publikum mit lang anhaltendem Beifall am Ende erkennen ließ.

Das Stück weist gute Länge auf, Publikum und Akteure waren am Ende – auch eingedenk tropischer Temperaturen im Raume – schlicht geschafft.

Ein liebevoll erstelltes wie klar strukturiertes Bühnenbild samt erforderlicher Requisiten eröffnete dem Publikum einen Blick in die Vergangenheit und den Akteuren des Stückes eine gediegene Spielfläche mit angelegten Laufwegen. Alles bereit für die giftig-heitere Geschichte über die Schwestern Abby und Martha Brewster, die der guten alten Zeit verpflichtet und dem Mord tief verbunden sind. In diesem Hause hat alles Tradition, ist längst ritualisiert. Selbstverständlich auch das Töten, Tod und respeltvoller Abschied nach erzwungenem Abgang.

Kongeniales Duo: Simone Thewes in der Rolle der Abby Brewster und Marianne Gundlach als deren Schwester Martha. Andreas Stach brachte den gestörten Neffen Teddy mit zunehmender Spieldauer als Mime und Trompeter von Jericho auf köstliche Weise nahe. Markus Schwarz’ aufwändiges, bisweilen mitreißendes Spiel gab einen glaubhaften Mortimer. Uwe Baumann hatte es noch ein wenig schwerer, sich als Jonathan Brewster in den Fußstapfen der Frankenstein-Legende Boris Karloff zu bewegen. Seine Maske, sofern dem Publikum zugewandt, wirkte bereits ohne Worte. Baumann unterlief bisweilen die eigene Maske und versuchte sie, statt mit ihr, zu spielen. Premierenstress. Da hat es Sven Schneider mit seiner komödiantischen Version des Jonathan-Freundes Dr. Einstein weit leichter, auf Linie zu bleiben.

Die Kämper-Inszenierung von Arsen und Spitzenhäubchen bleibt trotz exzellenten Bühnenbildes, überzeugender Maske, stimmiger Kostümierung am Premierenabend ein wenig auf halber Strecke hängen. Ingrid Kämper verzichtete weitestgehend auf Anpassung zeitlicher Bezüge, enthält sich und damit ihre Akteure jeglicher Form der Anbiederung ans Publikum, zwingt hin zum Text. Verbündete sich derlei Form des Purismus auf der Bühne mit frecher Idee, dann lebten Stück und Publikum auf. ▪ usc

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