Hinrichtung bei Schalksmühle

„Ehrenmord" an der A45: Prozess hat begonnen

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Der Onkel des Opfers, Hussain K. (rechts) verbirgt auf der Anklagebank im Landgericht in Hagen sein Gesicht.

HAGEN/SCHALKSMÜHLE - Es war eine regelrechte Hinrichtung: Mit einem Kopfschuss wurde die 20-jährige Iptehal A. in den frühen Morgenstunden des 31. August 2008 auf dem Rastplatz „Sterbecker Siepen“ an der A45 getötet. Jetzt hat der Prozess begonnen.

Von Thomas Krumm

Im Januar 2010 wurde der Cousin der jungen Frau wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt. Doch die Fahndung lief weiter und hatte Erfolg: Seit Freitag müssen sich der Onkel und der Bruder des Opfers vor der 2. Jugendkammer des Hagener Landgerichts wegen Mordes verantworten.

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Cousin soll Frau getötet haben

Einer von beiden soll den tödlichen Schuss abgegeben haben. Der 51-Jährige und sein 20-jähriger Neffe sitzen nicht allein auf der Anklagebank: Ein weiterer Onkel des Opfers soll den späteren Tatort an der A45 ausgewählt haben. Die Mutter der 20-Jährigen soll an der Planung des Mordes beteiligt gewesen sein und die 20-Jährige aus dem Frauenhaus gelockt haben, in das sich die junge Frau aus Angst vor ihrer Familie geflüchtet hatte.

Staatsanwalt Klaus Knierim trug bei der Verlesung der Anklageschrift mögliche Motive für den mutmaßlichen „Ehrenmord“ vor: Der westliche Lebenswandel der 20-Jährigen habe nicht den Vorstellungen ihrer aus Syrien und dem Libanon stammenden Familie entsprochen. Zu den von ihr gewünschten Freiheiten gehörte die eigene Entscheidung über einen Lebenspartner und das Leben in einer eigenen Wohnung. Ihre Mutter soll der 20-Jährigen ihr „schamloses und ehrverletzendes Verhalten“ vorgeworfen und sie als „Schlampe“ und „Hure“ beschimpft haben.

Zum Prozessauftakt ließ die Angeklagte über ihren Anwalt erklären, dass sie als Mutter selber unter dem Tod ihrer Tochter leide und die Vorwürfe zurückweise. Zur Aufklärung wolle sie im Laufe des Prozesses aber Angaben zur Sache machen. Auch ihre Mitangeklagten machten gestern noch keine Angaben zu den Vorwürfen. Sie kündigten aber an, sich zu gegebener Zeit zu äußern.

Breiten Raum nahm am Freitag die Verlesung der Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm ein, das entgegen einer anderslautenden Entscheidung des Landgerichts Hagen die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen die Mutter des Opfers und jenen Onkel, der nicht direkt an der Tötung beteiligt gewesen sein soll, anordnete.

So bekamen das Publikum und die zahlreichen Medienvertreter einen ersten Eindruck von den Ermittlungsergebnissen in dieser Mordsache, an deren Ende die Anklage stand. Diese Ergebnisse dürften eine unvoreingenommene Würdigung der Beweismittel nicht beeinträchtigen, trugen die acht Anwälte der Angeklagten vor. Der Prozess, für den 33 Verhandlungstage angesetzt sind, wird am 21. März ab neun Uhr im Hagener Schwurgerichtssaal fortgesetzt.

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