Wilhelm Ruhnke ist ein "echter Glücksfall" für das Archiv

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Wilhelm Ruhnke – im Bild an einem noch funktionierenden alten Federhammer der Archivsammlung – und Bernardine Holthaus haben beide ein Faible für alte Werkzeuge und Geräte.

Schalksmühle - Für seine ehrenamtliche Arbeit im Dienst lebendiger Heimatgeschichte braucht es handwerkliches Geschick, technisches Know-how und viel Liebe zu altem Gerät. Ob es um die Funktionsweise einer alten Doppelständer-Kurbelpresse oder die eines Federhammers geht: Wilhelm Ruhnke kennt sich aus.

Seit sechs Jahren gehört Ruhnke zum Archivkreis des Vereins für Geschichte und Heimatpflege. 

Das älteste Zeugnis, das das Archiv-Team um Bernardine Holthaus archiviert hat, ist ein Wellenrandhufeisen aus dem 9. bis 13. Jahrhundert. Gegenüber späteren Hufeisen schwerer Kaltblüter, die gleichfalls zur Sammlung gehören, wirkt das mittelalterliche Exponat erstaunlich klein. „Die Pferde waren damals auch kleiner“, erklärt Bernardine Holthaus. 

„Ich weiß ja: Er hegt und pflegt sie“ 

Mit Wilhelm Ruhnke teilt die Ansprechpartnerin des Archivkreises die Liebe zu frühen Zeugnissen der Arbeitswelt. Ihre eigene Hobel- und Werkzeugsammlung hat sie mehrfach im Bauernhaus Wippekühl ausgestellt. Inzwischen hat sie ihre Sammlungen dem Vereinsarchiv und Wilhelm Ruhnke übergeben. „Ich weiß ja: Er hegt und pflegt sie“, lobt sie den technisch und handwerklich versierten Schalksmühler. 

Viel Zeit für ehrenamtliche Tätigkeit 

Wer die Räume des Vereinsarchivs im Feuerwehrgerätehaus an der Volmestraße betritt, wo die sorgsam aufbereiteten Werkzeuge, Maschinen und Geräte von der Arbeitswelt früherer Zeiten erzählen, stolpert gleichsam über ihre Hobel in unterschiedlichen Größen – bis hin zur langen Raubank. Viel Zeit investiert Wilhelm Ruhnke in seine ehrenamtliche Tätigkeit. 

Manche Stunde verbringt er in seiner Werkstatt in der heimischen Garage, um alte Werkzeuge und Geräte, die dem Verein zum Archivieren übergeben worden sind, aufzuarbeiten und herzurichten. Die meisten der alten Exponate, die ihm unter die Hände kommen, kann er selbst bedienen. „Wilhelm Ruhnke ist ein echter Glücksfall für den Verein“, sagt Bernardine Holthaus, die den heimatgeschichtlich interessierten Schalksmühler – in der Klagebach geboren und in landwirtschaftlicher Umgebung groß geworden – ins Team holte. 

Arbeit in einer Gesenkschmiede

Als gelernter Stahlformenbauer, der die Meisterprüfung zum Werkzeugmacher abgelegt und lange Jahre in einer Gesenkschmiede gearbeitet hat, bringt er beste Voraussetzungen für das Bestimmen, Aufarbeiten und Archivieren der alten Werkzeuge mit. „Heute würde man sagen: Werkzeugmacher Formenbau“, beschreibt er selbst seinen Werdegang. „Ich habe noch gelernt, Formen mit Hammer und Meißel auszuarbeiten.“ 

Bevor er zur Archivgruppe kam, schloss er sich bereits dem plattdeutschen Arbeitskreis des Vereins für Geschichte und Heimatpflege an. Bernardine Holthaus kannte er durch die Feuerwehr. Innerhalb der siebenköpfigen Archivgruppe ist Wilhelm Ruhnke der Einzige, der aus einem technischen und handwerklichen Beruf kommt. Auch im Bauernhaus Wippekühl ist er zeitweise aktiv. 

Mit einem Riesenspaß dabei 

Ihm selbst macht die Hege und Pflege der alten Gerätschaften Riesenspaß. „Wenn man da nicht voll dahintersteht, hat es keinen Sinn“, sagt er. „Das muss man mit Liebe und Sachkunde machen. Es muss immer noch zu sehen sein, dass es ein altes Teil ist, um das es sich handelt.“ Wenn er beim Entfernen von Rost, Einfetten und Polieren das Zeichen D.R.P. (Deutsches Reichpatentamt) entdeckt, weiß er, dass er ein Exponat aus der Zeit vor 1947 in Händen hält.

Besondere Sorgfalt verwendet er darauf, die Firmenmarken kenntlich zu machen. Wie Wilhelm Ruhnke erzählt, ist die Archivsammlung in den vergangenen Jahren beträchtlich angewachsen. „Viel ist dazugekommen.“ Das meiste stammt aus der Region. Die reich bestückten Regale – darunter extra schmale Regale für Schalter – sind ein wahres Eldorado für Liebhaber alter Werkzeuge und Geräte. 

„Es gibt ganz wenige Sachen, zu denen ich nichts sagen könnte“, verrät der Schalksmühler. In der Vitrine im Rathaus stellt der Verein regelmäßig einen Teil seiner Schätze aus. Momentan ist dort die Ausstellung mit dem Titel „Badespaß vor 80 Jahren“ zu sehen.

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