Langer Prozess

Nach Möbelklau: Mama und Papa bleiben zuhause - Ehepaar bekommt doch Bewährung

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Schalksmühle/Hagen - Mama und Papa bleiben zuhause in Schalksmühle – wenn sie nicht wieder Möbel und anderes bestellen und anschließend nicht bezahlen.

Mit dieser Gewissheit konnte ein kleiner Junge das Landgericht Hagen verlassen – nach der Urteilsverkündung der Berufungskammer, die eine Aussetzung der vom Amtsgericht Lüdenscheid verhängten Haftstrafe zur Bewährung enthielt. 

Zuvor hatte die Verlesung der Vorstrafen des Schalksmühler Paares noch einmal deutlich gemacht, warum das Amtsgericht Lüdenscheid die beiden nach Bestellungen im Gesamtwert von rund 2700 Euro wegen gewerbsmäßigen Betruges zu einer vollstreckbaren Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt hatte: Schon 2013 hatte das Paar einen von ihm persönlich betreuten Rentner gründlich über den Tisch gezogen und Waren auf dessen Adresse und Rechnung bestellt. Mehrfach handelte es sich dabei um Spielzeug.

Rentner übers Ohr gehauen

Die Angeklagte hatte offenbar auch Besorgungsgänge für den Rentner zu persönlichen Einkäufen mit dessen Geld genutzt. Der Angeklagte hatte sich das Auto des Seniors regelmäßig „ausgeliehen“. Schon damals hatte sich das Paar durch eine Wiedergutmachung des Schadens für eine Bewährungsstrafe empfohlen, die an die Erben des 2014 verstorbenen Rentners gegangen sein muss. Auch bei der jüngsten Anklage hatte das Paar die Möbel nachträglich bezahlt. 

Um dies zu überprüfen, hatte die Berufungskammer einen zweiten Verhandlungstermin anberaumt. „Es ist bewiesen, dass der Schaden beglichen ist“, erklärte Verteidiger Frank Peter Rüggeberg. Es gebe eine Konsolidierung im Einkaufsverhalten des Paares: „Seit 2017 ist nichts mehr vorgefallen.“ Er kritisierte, „dass es den Leuten sehr leicht gemacht wird, entsprechende Schäden zu verursachen“. 

Richter gibt energische Ermahnung

Auch der Oberstaatsanwalt würdigte in seinem Plädoyer die Schadenwiedergutmachung und beantragte ebenfalls eine Aussetzung der Haftstrafen zur Bewährung, die entsprechend von den Richtern beschlossen wurde. Der Vorsitzende Richter Marcus Teich gab den Angeklagten aber noch eine energische Ermahnung in Sache „Bewährung“ mit auf den Weg. Der kleine Sohn der beiden Angeklagten, der als wenig thematisiertes Argument mit im Raum war, konnte aufatmen. Als hätte er es geahnt, war er in der zweiten entscheidenden Sitzung erheblich ruhiger als zum Auftakt der Verhandlung.

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