Kurioser Raub vor Gericht

Kuriose Umstände: Mitfahrgelegenheit endet mit Raub

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Schalksmühle/Lüdenscheid - Geriet ein 25-jähriger ehemaliger Schalksmühler aus Versehen in eine dubiose Raub-Geschichte? Oder war er Mittäter bei einer räuberischen Erpressung, nach der die beiden Opfer um einige Gegenstände ärmer waren? Das Urteil ist eindeutig.

Das Schöffengericht um den Hagener Amtsrichter Michael Brass fällte ein eindeutiges Urteil: Es schickte den Angeklagten wegen gemeinsamer schwerer räuberischer Erpressung für zwei Jahre und fünf Monate ins Gefängnis. Es gebe „keine vernünftigen Zweifel, dass der Angeklagte die Tat begangen hat“, leitete der Vorsitzende seine Urteilsbegründung ein. 

Aus Sicht des Gerichts stellten sich die Ereignisse so dar: In der Nacht auf den 24. Dezember 2015 freute sich ein Brüderpaar über eine nächtliche Mitfahrgelegenheit von Hagen-Mitte nach Vorhalle. Dass der Fahrer des Autos stattdessen auf der Bundesstraße 54 in Richtung Schalksmühle fuhr, hätte die beiden stutzig machen müssen. Ebenso die Auskunft des Beifahrers, dass man über die Autobahn nach Vorhalle fahren wolle. 

Der Fahrer zieht eine Waffe

Auf einem Parkplatz am Rande der B 54 soll der Fahrer dann eine Schusswaffe gezogen und die beiden Mitfahrer durchsucht haben. Bei dem einen fand er ein Smartphone, bei dem anderen ein gewöhnliches Tastenhandy und 16 Euro. Anschließend fuhr er wieder in Richtung Hagen-Zentrum und warf die beiden Mitfahrer in der Nähe des Volmeabstiegs aus dem Auto. 

Bis heute konnte der namentlich bekannte Fahrer nicht festgenommen werden. Identifiziert wurde er über Speichelreste an einer Zigarettenkippe, die auf dem Parkplatz an der B 54 sichergestellt wurde. 

Kippe führt zur DNA

Eine zweite Kippe von diesem Fundort trug die DNA des 25-jährigen Beifahrers, der sich nun im Amtsgericht Hagen verantworten musste. Doch was war seine Rolle? Er hatte das Brüderpaar weder bedroht noch durchsucht. „Weggenommen hat der Beifahrer nichts“, stellte seine Verteidigerin fest. Staatsanwältin und Gericht gingen dennoch davon aus, dass der 25-Jährige in die Raub-Pläne eingeweiht war und dass die beiden Männer einen gemeinsamen Tatplan hatten. 

Die Staatsanwältin nannte mehrere Indizien: Der Beifahrer vermittelte als Übersetzer zwischen dem Fahrer und den Mitfahrern, und er warnte diese zum Abschied davor, sich das Autokennzeichen zu merken. Bei der Identifizierung des Angeklagten und dessen Rolle gab es bis auf die DNA-Spur durchaus Unsicherheiten, die das zweite Raub-Opfer möglicherweise hätte auflösen können. Doch der Bruder des Zeugen war nicht erschienen. Selbst die Staatsanwältin hielt eine Verurteilung des Angeklagten ohne die Aussage des Zeugen für nicht angebracht. 

Rolle des 25-Jährigen nicht ganz geklärt

Das Schöffengericht setzte sich darüber hinweg, verzichtete auf den Zeugen und verurteilte den 25-Jährigen Richter Michael Brass nannte das stärkste Indiz, dass der Angeklagte im Auto gewesen war: Nach dem Diebstahl von Fahrrädern mithilfe eines Anhängers hatte er gemeinsam mit dem Fahrer auf einer Anklagebank in Münster gesessen. Es wäre schon ein merkwürdiger Zufall gewesen, wenn sich die DNA-Spuren der beiden Fahrraddiebe aus purem Zufall auf dem Parkplatz in Hagen versammelt hätten. 

Für die Rechtfertigung einer vollstreckbaren Haftstrafe schien die Rolle des 25-Jährigen bei dem Raub aber sehr unzureichend geklärt. Seine Verteidigerin beantragte einen Freispruch und kündigte eine Berufung an.

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