Amphetamin per Post in Schalksmühle

Amphetamin per Post - Betreibt der Mann Drogenhandel?

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Schalksmühle/Lüdenscheid - Der Online-Handel boomt bekanntlich. Dass dies auch für den Handel mit verbotenen Betäubungsmitteln gilt, machte ein Strafverfahren im Amtsgericht Lüdenscheid deutlich.

Der Online-Handel boomt bekanntlich. Dass dies auch für den Handel mit verbotenen Betäubungsmitteln gilt, machte ein Strafverfahren im Amtsgericht Lüdenscheid deutlich. Ausgangspunkt war ein Brief, der in einem Postverteilungszentrum an der deutsch-niederländischen Grenze sichergestellt wurde. 

Er enthielt 50 Gramm Amphetamin und war an einen 35-jährigen Schalksmühler adressiert. Im Laufe des Ermittlungsverfahrens wurde seine Wohnung durchsucht. Die Beamten fanden verschiedene Kleinmengen an Marihuana, die sich auf gut 20 Gramm summierten. Dazu kamen 4,3 Gramm Amphetamin und typisches Zubehör für den Handel mit Betäubungsmitteln: Feinwaage und Druckverschlusstütchen. 

Briefsendungen werden nachst über die Grenze gebracht

Dazu kam der Verdacht, dass der 35-Jährige auch die Sendung mit den 50 Gramm Amphetamin bestellt hatte – möglicherweise über das Darknet. Dass dieser Vertriebsweg finstere und leibhaftige Drogenhändler an Bahnhöfen oder sonst wo abzulösen beginnt, machten im Amtsgericht die Erläuterungen von Polizeibeamten aus Dienststellen an der niederländischen Grenze deutlich. 

Die Briefsendungen werden offenbar nachts aus dem Nachbarland über die Grenze gebracht und in Briefkästen der Deutschen Post eingeworfen. Als Absender trügen die Luftpolstertaschen im Format DIN A5 zumeist die Adressen von wirklichen oder erfundenen Firmenadressen im Grenzgebiet, weshalb sie bei Problemen bei der Zustellung auch in dortige Dienststellen der Post zurückkämen. 

Jährlich 3000 Briefe

Verschickt würde mittlerweile so ziemlich alles, erklärte ein Zeuge: Marihuana, Ecstasy, Amphetamin, Heroin, Kokain. Etwa 3000 nicht zustellbare Briefe würden zwischen dem Kreis Borken und Nordhorn jährlich untersucht und ebenso viele Strafverfahren eingeleitet. „In der Zustellkette muss ein Fehler sein – sonst laufen die Sendungen durch“, erklärte er. 

Diese Auskunft deutete die tatsächlichen Dimensionen dieser Vertriebsart an. Denn die im Jahr 2017 abgefangenen 3000 Sendungen sind offenbar nur die Spitze eines Eisberges. Die Verfassung schütze diesen Vertriebsweg vor behördlichem Interesse, deutete ein weiterer Zeuge an. „Das Postgeheimnis bleibt hoch angesiedelt. Ich weiß auch nicht, was man da machen kann“, zeigte er sich etwas ratlos. 

3600 Euro Strafe

Den Besitz von Betäubungsmitteln gab der 35-jährige Schalksmühler zu. Mit dem Amphetamin-Brief wollte er jedoch nichts zu tun haben. Richter Andreas Lyra glaubte ihm nicht: „Es spricht sehr viel dafür, dass Sie mit dieser Bestellung zu tun hatten“, erklärte er dem Angeklagten in der Urteilsbegründung und sprach ihn hinsichtlich dieses Briefes dennoch frei. Zu den Umständen dieser Briefsendung gebe es „nur eine sehr starke Vermutung, und das reicht nicht aus“. 

Teuer wurden allerdings die Drogen in der Schalksmühler Wohnung des Angeklagten: Die Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 45 Euro summierte sich auf einen Betrag von 3600 Euro.

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