DLRG Schalksmühle sucht Retter für Glör und Ostsee

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Schalksmühle – Während in anderen Kommunen seit Jahrzehnten DLRG-Ortsgruppen existieren, gibt es die in Schalksmühle gerade einmal sechs Jahre. Für deren Vorsitzenden Carsten Hafermas ist das ein Grund, warum die Kursangebote in der Gemeinde noch nicht so gut bekannt sind.

Das betrifft insbesondere eine Kernaufgabe der DLRG: das Rettungsschwimmen. „Es ist schwierig, das Thema Rettungsschwimmen in Schalksmühle zu etablieren“, sagt Hafermas. Dass man auch hier das Rettungsschwimm-Abzeichen machen kann und warum dieses Thema wichtig sei, das alles sei in den Köpfen noch nicht verankert. Dabei stoße ein anderer Teil des Kursangebots sogar auf sehr große Resonanz: die Anfängerschwimmkurse, die die DLRG samstagvormittags in der Schwimmhalle Löh anbietet. Momentan sind 70 Kinder dort angemeldet. „Die Leute kommen auch aus den umliegenden Gemeinden, weil es ein Wochenendtermin ist – der ist für die Eltern sehr günstig“, sagt Hafermas. 

In Sachen Mitgliederzahlen hat sich die Ortsgruppe ebenfalls gut entwickelt. Sie zählt derzeit 180 Mitglieder, 15 davon sind potenzielle Helfer. Von letzteren könnte es aber, wenn es nach Hafermas geht, gerne mehr geben. „Wir rekrutieren unseren eigenen Nachwuchs aus unseren Anfängerkursen“, sagt der Ortsgruppen-Vorsitzende. Der Übergang zu den Rettungsschwimmern gelinge zum Teil. „Wir haben einige hier, die haben vor ein paar Jahren das Seepferdchen bei uns gemacht.“ Ab zwölf Jahren können Kinder danach auch an Rettungsschwimmkursen teilnehmen, mit 15 oder 16 Jahren könnten sie dann als Helfer zur Wasserrettungsdienst an die Ostsee mitfahren. Das sei für die Jugendlichen etwas Abenteuer ohne die Eltern. Bei manchen springe dann der Funke über, sodass sie langfristig dabei bleiben. 

Auch bei Katharina Geck, Öffentlichkeitsbeauftragte der Ortsgruppe und 2. Vorsitzende der DLRG-Jugend in Schalksmühle, war das so: „Dann möchte man jedes Jahr mitfahren und opfert dafür auch gern den Urlaub.“ Gemeinschaft, neue Freundschaften, Teambuilding, das mache die DLRG aus, sagt sie. „Und man lernt Verantwortung zu übernehmen.“ 

Ums „Urlaubmachen“ gehe es beim Dienst an Nord- oder Ostsee nicht, betont Hafermas. Die Versorgung kleinerer Verletzungen oder Quallenverbrennungen gehöre ebenso zu den Aufgaben wie die Beaufsichtigung der Strände und die Rettung von Badenden, die zu ertrinken drohen. „NRW stellt den Großteil der Retter an Nord- und Ostsee. Deswegen ist es wichtig, dass wir das Thema Rettungsschwimmen forcieren“, sagt Hafermas, der dafür wirbt, dass mehr Leute auch in Schalksmühle die Kurse besuchen. 

Leute dazu zu motivieren, gestalte sich allerdings schwierig, sagt Hafermas: „Es gibt die Denke: Ich mache einmal im Leben das Rettungsschwimm-Abzeichen und das gilt dann für immer.“ Das sei mitnichten der Fall. Alle zwei Jahre müssen Rettungsschwimmer ihre Kenntnisse auffrischen, sagt Hafermas. Für das Silber-Abzeichen ist eine aktuelle Bescheinigung für einen Erste-Hilfe-Kurs Voraussetzung. Und natürlich die Teilnahme an einem Rettungsschwimm-Kurs, der 15 Unterrichtseinheiten Theorie umfasst, verteilt auf acht Termine. 

Fessel- und Tragegriffe sowie Abschlepptechniken werden zuerst in der Theorie durchgenommen. „Ich versuche, das nicht nur auf DLRG-Szenarien zu begrenzen“, sagt Hafermas. Auch Grundlegendes wie das richtige Absetzen eines Notrufs gehöre dazu. In den Kursen, die immer montags in den Räumen der Primusschule stattfinden, sitzen nicht nur Jugendliche, sondern auch Vertreter der Elterngeneration, was Carsten Hafermas ausdrücklich begrüßt: „Ich sage: Wenn ihr mit den Kindern an die Ostsee fahrt, geht mit gutem Beispiel voran.“ 

Im Anschluss an die Theorie geht es in der Schwimmhalle Löh praktisch weiter. Bahnenweise trainieren die DLRG-Kursteilnehmer die verschiedenen Transporttechniken im Wasser, ebenso das Herausheben aus dem Becken und das sichere Ablegen. Verschiedene Requisiten sorgen im Training für Abwechslung. „Hier wird auch mal ein Kajak ins Becken reingestellt, oder wir bringen Tauchausrüstung mit.“ Ziel aller Übungen sei, die Helfer fit zu machen für die Badesaison. „Im Winter trainiert man und bildet aus, um es im Sommer anzuwenden.“ Und auch über das Rettungsschwimmen hinaus gebe es im DLRG viele Möglichkeiten zur Fortbildung, zum Beispiel in Form eines Bootsführerscheins, aber auch zum Einsatz von Drohnen. Beides sei nützlich bei den Wasserrettungseinsätzen am Meer. 

Die DLRG-Ortsgruppe Schalksmühle stellt aber nicht nur fern der Heimat einen Wasserrettungsdienst, sondern auch vor Ort an der Glörtalsperre. Da diese in den vergangenen anderthalb Jahren leer war, habe es dort folglich auch keine Wasserrettung gegeben, sagt Hafermas. Davor habe man die DLRG-Ortsgruppen Ennepetal und Schwelm aber beim Dienst unterstützt. Wenn dort in diesem Sommer wieder gebadet werden kann, würde man das wieder aufnehmen. Wenn man so viele Leute zusammenkriege, würden dort acht bis zwölf Leute Dienst tun, sagt Hafermas. 

Eine Besonderheit des Stausees sei, dass die Glör quasi „um die Ecke“ verlaufe. „Es gibt keinen Punkt, von dem aus man alles sehen kann.“ Deswegen mache die DLRG dort auch Kontrollfahrten mit dem Boot. Allgemein würde das Baden an Stauseen unterschätzt. „Das Problem bei Talsperren ist das sehr steil abfallende Ufer.“ Nicht nur an der Glör würden auch bei niedrigem Wasser schon die ersten Sprünge von Felsen ins Wasser wagen, weist Hafermas auf eine weitere Gefahr hin. 

Hafermas weist auch auf ein weiteres Risiko hin, das für die Glör ebenso gilt wie für das Baden am Meer. „Die Leute gehen erhitzt ins Wasser und kühlen sich nicht vorher ab“, erklärt Hafermas. „Sie bekommen dann einen Kälte- oder Immersionsschock.“ Dieser Schockzustand beim Eintauchen ins Wasser kann zu Ohnmacht sowie Herz- und Atemstillstand führen. „Die gehen dann unter.“

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