„Fast alle Kinder freuen sich auf die Schule“

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Dr. Birgit Ebbert führte viele Beispiele dafür an, was Vorschulkinder wissen sollten. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ „Was ein Mensch in seiner Kindheit aus der Luft in sein Blut genommen, bleibt unausscheidbar!“ Dieses Zitat von Stefan Zweig war am Mittwoch Bestandteil und zentrale Aussage des Lesevortrages „100 Dinge, die ein Vorschulkind können sollte“ im Familienzentrum am Wansbeckplatz.

Der Hagener Diplom-Pädagogin und Autorin Dr. Birgit Ebbert, die ein Buch mit dem gleichen Titel im Verlag „Gräfe und Unzer“ veröffentlichte, ist es wichtig zu zeigen, dass das Lernen und die Lernbereitschaft für ein Kind nicht erst in der Grundschule, sondern bereits im Kindergarten beginnen. Bestimmte Fähigkeiten, die ein Kind in dieser frühen Phase noch nicht gelernt und verinnerlicht hat, könnten ihm später in der Schule massive Lernprobleme bereiten. „Fast alle Vorschulkinder freuen sich auf die Schule, doch die anfängliche Euphorie lässt oft schon im Laufe des ersten Schuljahres spürbar nach“, erklärte die Referentin. Nach Abschluss der Grundschule würden nur noch rund die Hälfte aller Kinder gerne zur Schule gehen. „Das liegt natürlich auch am Misserfolg mancher Schüler, der zu Frust und Problemen führt“, betonte Birgit Ebbert. Auslöser, ein Buch zum Thema zu schreiben, sei für sie ein dramatischer Vorfall mit einer Grundschülerin gewesen, deren Verzweiflung an ihren Lernproblemen so groß war, dass sie sich auf einen Zebrastreifen legte und nicht mehr leben wollte. Wenn Kinder bestimmte Fähigkeiten bereits im Kindergarten erlernen, könne ihnen dies ihre Schullaufbahn wesentlich erleichtern und dazu führen, dass viele Probleme gar nicht erst entstehen. Wichtige Themengebiete, die am Mittwoch angesprochen wurden, waren unter anderem Fähigkeiten im Bereich „Sprache und Wortschatz“ sowie „Zahlen- und Mengenverständnis“. „Grundsätzlich sollten Vorschulkinder Zahlen und Buchstaben unterscheiden können“, so die Referentin. „Wenn sie bereits den Drang haben, einzelne Buchstaben und Zahlen konkret zu lernen, sollte man sie in diesem Vorhaben unterstützen.“ Wissen, das bei der Einschulung schon vorhanden ist und nicht mehr ausführlich vermittelt werden muss, sei immer von Vorteil. Auch soziale und emotionale Kompetenzen, die das Kind bereits bei der Einschulung verinnerlicht hat und die das Miteinander mit anderen Kindern fördern, könnten den Schulalltag leichter und unbeschwerter machen. Hier seien natürlich vor allem die Eltern gefordert, ein Regelbewusstsein zu schaffen und sich nicht, wie in vielen Fällen üblich, im Alltag von den eigenen Kindern terrorisieren zu lassen. Der respektvollen Umgang mit anderen Menschen, zu allererst mit den Eltern, sollte dem Kind schon früh vermittelt werden. Zur Stärkung der Persönlichkeit des Kindes gehöre es zudem, ihm nicht alle schwierigen Aufgaben im Leben abzunehmen. „Wenn ein kleineres Kind zum Beispiel alles daransetzt, ein Spielzeug zu erreichen, und die Eltern nehmen ihm die Anstrengung ab und geben es ihm, verliert es oft die Lust daran“, erklärte die Referentin. Das Erfolgserlebnis, selbst zum Spielzeug gekrabbelt zu sein und es durch eigene Anstrengung bekommen zu haben, bleibe aus, und das Objekt werde uninteressant. Auch Kinder im Vorschulalter seien in der Lage, Herausforderungen zu bewältigen, um ans Ziel zu kommen. Viele Verrichtungen des Alltags, so Birgit Ebbert, können Kinder ohne Hilfe der Eltern selbst erledigen. „Wenn ein Vater seinem Kind, wie ich es schon erlebt habe, den Schulranzen hinterher schleppt, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Den kann das Kind problemlos auch allein tragen.“ Zahlreiche weitere Tipps und Denkanstöße, zum Beispiel zur Stärkung der Konzentration und Aufmerksamkeit der Kinder, der Vorstellungsfähigkeit und des Abstraktionsvermögens rundeten den Vortrag ab, bei dem im Anschluss noch genügend Zeit zum Gespräch und zur Diskussion blieb. Das Buch „100 Dinge, die ein Vorschulkind können sollte“ von Dr. Birgit Ebbert ist im Verlag „Gräfe und Unzer“ erschienen und zum Preis von 14,99 Euro erhältlich. ▪ Björn Othlinghaus

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