Corona

Grundschulunterricht auf Distanz: Schulleiter appelliert an Eltern

Digitale Lernplattform an Grundschule Spormecke im Einsatz
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Digitales Klassenzimmer: Seit Anfang der Woche arbeitet die Mäuseklasse 2a der Grundschule Spormecke wie alle anderen Klassen auch mit einer digitalen Lernplattform. Der Zugriff ist von überall möglich.

Seit Anfang der Woche müssen die Schulen in NRW wieder Unterricht auf Distanz anbieten. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklären Ralf Gensmann, Leiter der Grundschule Spormecke, und Lehrkraft Rebecca Wareham, dass viele kleine Schritte nötig waren, um an ihrer Schule digitale Klassenzimmer einzurichten. Zudem räumen sie mit falschen Erwartungen auf.

Schalksmühle - Über einen direkten Link auf der Internetseite der Schule gelangen Lehrer, Schüler und Eltern zur neuen Lernplattform, die seit Anfang der Woche an der Spormecke von allen genutzt wird. Den Weg dazu vorbereitet hat die IT-kundige Lehrerin Rebecca Wareham bereits Anfang 2020. „Konkret arbeiten wir seit wenigen Wochen mit dem Programm. Doch der gesamte Prozess hat viel früher begonnen. Bereits beim ersten Lockdown haben wir uns gefragt, welche Möglichkeiten des digitalen Arbeiten wir haben. Deshalb haben wir uns einen Überblick verschafft, welche Lernplattform für uns die Beste ist. Seitdem haben wir viel Zeit investiert. Uns war nicht klar, ob sich das lohnt. Nun sind wir froh, dass wir die Zeit investiert haben. Wir profitieren jetzt davon, da wir schneller auf die aktuelle Situation reagieren konnten.“

Schulleiter dankt für Engagement

Zusammen mit anderen Kollegen hat sich die Lehrerin vorab in das Programm eingearbeitet. „Wenn man sich mit einem Instrument neu beschäftigt, dann müssen verschiedene Einstellungen besprochen und vorgenommen werden. Deshalb gingen die ersten Zugänge bereits vor Weihnachten raus.“ Für dieses Engagement ist Schulleiter Ralf Gensmann seinen Kollegen dankbar. „Ohne sie hätte ich das nicht geschafft.“

Klickt man auf den Link auf der Spormecke-Homepage, wird man zu einem bekannten Suchmaschinen-Anbieter weitergeleitet. Die Grundschule hat sich entschieden, das Tool Google-Education beziehungsweise -Classroom zu nutzen. Diese kostenlose Plattform sei speziell auf Schulen und ihre Bedürfnisse zugeschnitten, erklärt Rebecca Wareham. Dort habe man unterschiedliche Möglichkeiten, das digitale Klassenzimmer mit Leben und Unterricht zu füllen.

Distanzunterricht heißt nicht, dass die Schüler sechs Stunden vor dem Rechner sitzen.

Ralf Gensmann, Leiter der Grundschule Spormecke

Es können Aufgaben eingestellt und von den Schülern per Upload der Ergebnisse auf einem Foto oder durch Texteingabe beantwortet werden. Die Lehrer können sofort Einsicht nehmen und korrigieren. Zudem lasse sich dort Datenschutz-konform arbeiten, betont die Lehrkraft. „Es besteht auch die Möglichkeit, eine Notensammlung einzurichten. Das nutzen wir aber noch nicht.“ Auch ein kleines Quiz oder anderes Material kann hochgeladen werden. „Es gibt viele Optionen, die für uns interessant sind.“ Eine wichtige Eigenschaft der Lernplattform sei es, die Kommunikation zwischen Lehrern, Schülern und Eltern zu vereinfachen. Genutzt werden können dafür E-Mails, Video-Calls über Google Meet oder auch die Chat-Funktion. „Die Kommunikation wird schulweit vereinheitlicht.“

Zwar laufe der Unterricht auf Distanz erst wenige Tage. Doch Schulleiter Ralf Gensmann bekam bereits jetzt über die Pflegschaftsvorsitzenden ein erstes Feedback der Eltern. „Die Lernplattform kommt gut an. Es gibt gute Rückmeldungen.“ Ausruhen wird er sich auf diesen Vorschusslorbeeren jedoch nicht. In der nächsten Woche werde er mit der Schulpflegschaft per Videokonferenz an möglichen Knackpunkten nachjustieren. Er ist sich sicher, dass Probleme auftreten und auch in Zukunft immer mal wieder vorkommen werden. Deshalb möchte er eng mit Lehrer, Eltern und Schülern zusammenarbeiten.

Was kann Distanzunterricht überhaupt leisten?

In diesem Zusammenhang ist es ihm aber auch ein Anliegen, darüber aufklären, was Distanzunterricht überhaupt leisten kann. Der Schulleiter sieht bei manchen Eltern eine falsche Erwartungshaltung. Einige Wünsche, etwa von berufstätigen Eltern, die nicht die Möglichkeit haben, Homeschooling mit ihren Kindern zu machen, entsprächen nicht der Realität. „Unterricht auf Distanz heißt, dass die Kinder Material zum Lernen an die Hand bekommen. Distanzunterricht heißt nicht, dass die Schüler sechs Stunden vor dem Rechner sitzen. Es gibt Video-Chats. Die Frage ist, ob wir das regelmäßig machen können. Es wird kein Hybrid-Unterricht geben. Es wird immer eine Mischung sein. Wir sind immer noch in der Findungsphase über das, was alles möglich ist“, betont der Schulleiter.

Die Schule arbeitet mit dem Schulamt der Gemeinde weiter an dem Fundament, damit digitaler Unterricht für die Schüler an der Spormecke funktioniert. In der kommenden Wochen sollen laut Ralf Gensmann die im Rahmen eines Soforthilfeprogramms des Bundes angeschafften Endgräte an die bedürftigen Schüler ausgegeben werden. Gestern erhielten bereits die Lehrkräfte jeweils ein Exemplar. „Wir haben schon jetzt riesige Schritte in Richtung Digitalisierung gemacht.“

Trotz dieser Unterstützung müsse das Kollegium der Grundschule weiterhin flexibel sein. Zwar könnten über die Plattform auch Leistungen, etwa in Form eines Gedichtvortrags oder einer Präsentation eines Lernplakates in Video-Chat, abgefragt werden. Doch auf das Papier werde man weiterhin nicht verzichten können. „Es gibt auch Eltern, die den digitalen Weg nicht wollen oder zuhause nicht die technischen Möglichkeiten dazu haben. Da müssen wir uns etwas anderes überlegen.“

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