Eine besondere Sammlung

Der Herr der Lüfte - das macht ein Drachenbauer

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Der Hai ist ein besonders robuster Drache in Reinstädlers Sammlung und ist bereits mehr als fünf Jahre alt.

Schalksmühle - Sven Reinstädler ist Drachenflieger aus Leidenschaft und sitzt viele Stunden vor der Nähmaschine, um seine Ideen zu verwirklichen. Auch seine große Liebe lernte er über das Hobby kennen.

Sven Reinstädler aus Schalksmühle lernte seine Frau Jessica auf einem Drachenfest kennen. „Zwei Jahre hatte ich danach nichts von ihm gehört, aber dann hat er sich gemeldet“, berichtet die Gattin, die im sechsten Monat schwanger ist. Amy (7), Finja (2) und Ben (11 Monate alt) sind bereits mit dem Hobby der Eltern „infiziert“. 

„Ich gebe mein Wissen über das Drachenfliegen gerne weiter und habe auch schon Workshops in Schulen gegeben“, erzählt Reinstädler, der alles von Hand selbst anfertigt. Von der Idee bis zur Anfertigung der Schablonen bis hin zum Nähen vergehen viele Wochen und Arbeitsstunden, die der 41-Jährige investiert. „Für das Einhorn habe ich locker 40 Stunden genäht, damit alles perfekt war“, sagt er mit Blick auf den über fünf Meter hohen und vier Meter breiten Lieblingsdrachen seiner Frau, der zu Vorführungszwecken extra auf der Einfahrt aufgeblasen wurde und von imposanter Erscheinung ist. 

Bereits seit dem zwölften Lebensjahr dreht sich vieles in Reinstädlers Leben um das Drachenfliegen. „Ich fing mit Lenkdrachen an und so nahm alles seinen Lauf. Das ist mein großes Hobby, ich kann damit kein Geld verdienen, aber wir haben uns durch das gemeinsame Hobby einen großen Freundes- und Bekanntenkreis aufgebaut. Man trifft sich auf den einzelnen Drachenfesten und verbringt gerne die Zeit miteinander“, freut sich der gebürtige Paderborner, der seit zwei Jahren mit seiner Frau in Schalksmühle wohnt. 

Beim Drachenbau lebt Reinstädler seine Kreativität aus.

Zuvor wohnten sie auf einem Bauernhof in Herford. „Da konnte ich die Drachen gut lagern und hatte viel Platz. Jetzt sind die Drachen unten in unserem Keller, hier haben wir auch viel Stauraum.“ 

Gründung des Teams „The Kiteflyer“ 

Zur besseren Vernetzung gründete Reinstädler mit seiner Frau das Team „The Kiteflyer“. „Wir sind mittlerweile zehn Leute und versuchen uns, so oft es geht auf Drachenfesten zu treffen, aber auch privat haben wir regen Kontakt. Und wenn einer Hilfe braucht oder sein Drache kaputt ist, stehe ich auch parat“, freut sich die Frohnatur über die gute Kameradschaft. 

Im vergangenen Jahr organisierte Reinstädler mit seinem Team sogar ein eigenes Drachenfest. „Wir haben in Attendorn wirklich tolle Tage auf die Beine gestellt. Das war auch eine Menge Arbeit, aber wir werden versuchen, dass schnellstmöglich zu wiederholen und befinden uns auch wieder in Verhandlungen mit einem Betreiber eines Segelflugplatzes“. Bei seinem aktuellen Projekt investiert der Hobbytüftler erneut eine Menge Arbeitszeit. Für den Freizeitpark Schloss Beck baut Reinstädler das Maskottchen Becki, ein Schlossgespenst, als fünf Meter großen Drachen. 

Das Einhorn ist der Lieblingsdrache von Jessica Ritter-Reinstädler.

Um seine Schablonen auszulegen, darf der Drachenflieger in die Turnhalle am Löh. „Dafür werde ich zwei, drei Stunden brauchen. Und mit der Näherei kann ich immer erst anfangen, wenn unsere Kinder im Bett sind“, erklärt Reinstädler, dessen Nähmaschine derzeit bei seinem Vater in Reparatur ist. „Die ist aus Guss gefertigt und wirklich schon alt, aber ich komme sehr gut damit klar. Ich habe für die Zwischenzeit aber eine Ersatzmaschine, damit ich vorankomme.“ 

Bis zu 300 Euro Materialkosten 

Das Hobby ist nicht nur zeit- sondern durchaus auch kostenintensiv. Für das Maskottchen Becki gab Reinstädler im Vorfeld an Materialkosten (Stoff) 250 bis 300 Euro aus. Dennoch würde die Familie das Drachenfliegen niemals an den Nagel hängen. „Drachen fliegen zu lassen ist einfach eine tolle Angelegenheit. Zudem sind die Kinder an der frischen Luft und hängen nicht vor der Konsole rum“, sagt Reinstädler, dessen beste Ideen zumeist in der Nacht kommen. „Wenn mir dann eine gute Idee für einen neuen Drachen kommt, stehe ich auf und fange an zu zeichnen. Das übernimmt am Tag normalerweise meine Frau.“ 

Eine weitere wichtige Aufgabe für den Drachenflieger, der mehr als 40 Exemplare sein Eigen nennen darf, ist die ehrenamtliche Verwaltung der Drachenhalterhaftpflichtversicherung in Deutschland. Das kommt sehr sperrig daher, aber Reinstädler erklärt es in einfachen Worten: „Die Drachen dürfen ohne Sondergenehmigung höchstens 100 Meter steigen, da sie sonst in den Luftraumverkehr eingreifen und eventuell eine Behinderung darstellen. Wenn etwas passiert, werde ich kontaktiert und muss meine Expertise dazu abgeben. Bislang war das Gott sei Dank noch nicht der Fall und alles ist glatt gelaufen.“ 

Hilfsorganisation gegen Kinderarmut 

Für dieses Jahr hat Reinstädler noch ein ganz besonderes Ziel. Er möchte zum Drachenfest ins französische Berck-sur-Mer, dem Mekka des Drachenfliegens. „Da sind Leute aus der ganzen Welt und präsentieren ihre Drachen, das ist schon ein ganz besonderes Fest. Ich habe mich dafür angemeldet, allerdings liegt es an den Verantwortlichen, ob du eine Zu- oder Absage erhältst.“ 

Auf den Drachenfesten ist Reinstädler nicht nur unter Gleichgesinnten, sondern setzt sich zudem noch für den guten Zweck ein. „Eddy hilft“ ist eine Hilfsorganisation, die sich gegen Kinderarmut einsetzt und auf den Festen Spenden in Form von Spielsachen, alten Drachen und auch Geld annimmt. „Wir sind sehr aktiv dabei. Auch unsere Kinder sind fleißig und unsere Älteste gibt bereitwillig viele Spielsachen ab, damit wir viele Spenden zusammen bekommen“, erklärt Reinstädler.

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