„Die Mächtigen im Land wollen unsere Hilfe nicht“

+
Iris Wiese (l.) und Andrea Putz werden mit notarieller Unterstützung den Verein Medigom auflösen.

SCHALKSMÜHLE ▪ Mit dem Beschluss, den Verein „Medigom – Freunde der Tschernobyl-Opfer“ aufzulösen, endet ein wichtiges Kapitel der Schalksmühler Vereinsgeschichte. Elf Mitglieder trafen sich am Donnerstag im Gasthaus Zum Nöckel zur außerordentlichen Mitgliederversammlung, um diesen Beschluss einstimmig zu fassen.

Vorausgegangen war nach dem Tode der Vorsitzenden Angelika Fratz im Dezember 2009 die intensive Suche nach einer neuen Vereinsführung. Iris Wiese, bislang 2. Vorsitzende, erklärte am Donnerstag, dass sich niemand in der Lage sah, dieses Amt mit dem erforderlichen Einsatz auszuüben, wie es Angelika Fratz getan habe. „Das ist ein Fulltime-Job. Angelika hatte ein Händchen für die oft schwierigen Verhandlungen mit den Weißrussen. Sie war der Motor des Vereins, hat sich und uns immer wieder neu motiviert“, sagte Wiese.

Die Aktiven des Vereins haben seit einigen Jahren mit immer größeren Schwierigkeiten in Weißrussland zu kämpfen. „Wir haben damals auf eine Öffnung des Landes gehofft. Die ist nicht eingetreten. Die Mächtigen im Land wollen unsere Hilfe nicht und uns sind die Hände gebunden. Wir sind traurig, weil wir wissen, das weiter Hilfe benötigt wird“, erklärte die 2. Vorsitzende.

Dem Beschluss zur Auflösung des Vereins waren die Regularien vorausgegangen. Kassenberichte der Schatzmeisterin Andrea Putz, Kassenprüfungen, Vorstandsentlastung bis zum Stichtag 10. Februar – alles wurde ordnungsgemäß abgehandelt. Das Vereinsvermögen von rund 53 000 Euro wird satzungsgemäß der Landeskirche Hannover für deren Arbeitsgemeinschaft „Hilfe für Kinder in Gomel“ übertragen.

Schließlich wählte die Versammlung Iris Wiese und Andrea Putz zu Liquidatoren. Sie werden mit notarieller Unterstützung den am 27. März 1995 gegründeten Verein Medigom (Medizinische Hilfe für Gomel) auflösen. Zweck des zu Spitzenzeiten 75 Mitglieder zählenden Vereins war der Aufbau und die Unterstützung eines Infektionskrankenhauses für die Region Gomel nach der Tschernobyl-Katastrophe. Drei Häuser mit guter Ausstattung und 250 Betten wurden fertig, im August 2001 war Einweihung. Der Verein hat in gut 16 Jahren mit zahlreichen Hilfstransporten Material im Wert von rund einer Million Euro nach Gomel gebracht. Der Wille und das Geld, ein viertes Haus mit einem Labor einzurichten, war vorhanden, aber die Hilfe wurde immer mehr abgeblockt.

Der Vorstand dankte allen Sponsoren und Unterstützern, die sich für Medigom engagiert haben. Die 35 verbliebenen Mitglieder werden schriftlich über den Auflösungsbeschluss informiert. ▪ bomi

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare