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„Dickes Paket“: Viele Projekte hat dieser Bürgermeister im MK vor der Brust

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Von: Thomas Machatzke

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Bürgermeister in einer Sitzung
Jörg Schönenberg mahnt zur Geduld: Die Gemeinde Schalksmühle hat sich viel vorgenommen, aber es wird alles auf einmal gehen. © Thomas Machatzke

Verkehrsentwicklungsplan, Klimaschutzkonzept, Sportentwicklungsplan, Hochwasserschutz und vieles mehr: Die Gemeinde Schalksmühle hat sich viel vorgenommen. Bürgermeister Jörg Schönenberg mahnt zur Geduld.

Schalksmühle – Wenn Bürgermeister Jörg Schönenberg dieser Tage in die Zukunft schaut, dann sieht er einen großen Berg vor sich. Ein „Riesenprojektpaket“ nennt Schönenberg diesen Berg, „für eine kleine Gemeinde ein ganz schön dickes Paket“.

Der Bürgermeister geht deshalb nun in die Offensive, es geht ihm um Transparenz und Verständnis. „Wir brauchen eine Priorisierung, denn jedes einzelne Projekt bindet nicht nur finanzielle, sondern auch personelle Ressourcen. Es wird nicht alles gleichzeitig gehen“, sagt Schönenberg und will sehr deutlich erklären, wann man welche Aufgaben zu lösen gedenkt. Mit einem klaren Ziel: Er will Frustration beim Bürger, aber auch in der Verwaltung und der Politik keine Chance geben.

„Wir haben da zum Beispiel...“, sagt Schönenberg. Er sagt diesen Satz nicht nur einmal. Eine Anapher, Schönenberg wählt das rhetorische Mittel ganz bewusst, um deutlich zu machen, wie vielfältig die Aufgaben und wie viele es in Summe sind.

„Dickes Paket“: Viele Projekte hat dieser Bürgermeister im MK vor der Brust

Neue Wohngebiete, neue Gewerbegebiete, die Komplettsanierung der Sporthalle Löh, die bessere Belüftung in den Schulen, den Ausbau der Spormecke zur Ganztagsschule, die Sanierung der Asenbach, den Umbau der Kita Dahlerbrück, eine Erneuerung der sanitären Anlagen in der Kita Wansbeckplatz, den Breitbandausbau, den Straßenbau, die Arbeiten an der Feuerwehrstation Winkeln, den neuen Aufzug im Ortskern als Überbleibsel aus dem Regionale-Projekt von 2013, die Kreuzkirche als Dritter-Ort-Projekt aus dem Regionale-Projekt 2025, Digitalpakt, digitale Endgeräte für und Digitalisierung in den Schulen, die Umsatzsteuernovelle, die alle Fachbereiche im Rathaus im Jahr 2023 beschäftigen wird, das Pflegenetzwerk mit dem Ansatz einer ganzheitlichen Beratung zwischen Schalksmühle und Meinerzhagen, Leerstände im Ortskern und auch in alten Industriegebäuden, der Verkauf des Hotels zur Post – und auch so etwas Profanes wie die Bestellung eines neuen Löschfahrzeugs für die Feuerwehr Hülscheid. „Darauf wartet man eineinhalb Jahre“, sagt Schönenberg, der aus seiner großen Affinität zur Feuerwehr nie ein Geheimnis gemacht hat, „wenn wir das Fahrzeug 2023 haben wollen, muss das auch im Jahr 2022 auf den Weg gebracht werden“.

All das bindet Manpower, aber es kommen dieser Tage eben noch andere, sehr ambitionierte Aufgaben dazu. Die Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes zum Beispiel, die nicht nur die Arbeitskraft des neuen Klimaschutzmanagers Hadi Flegel bindet. Es geht um Windenergie und neue Fotovoltaikanlagen in der Gemeinde, aber auch um eine ganz große Herausforderung: die Wiederaufforstung und Neubepflanzung des Waldes. In Konkurrenz zum Klimaschutzkonzept tritt beim Werben um Aufmerksamkeit der von einem Dortmunder Büro ausgearbeitete Verkehrsentwicklungsplan.

Gäbe es keine anderen Themen, dieser Plan ließe trotzdem keinen Raum für Langeweile. Den neuen Kreisverkehr in Heedfeld, aber auch die Barrierefreiheit für den öffentlichen Personennahverkehr hat sich die Gemeinde als erste Aufgaben vorgenommen, aber auch die Schulwege- und Radwege-Problematik. Gerade bei den Radwegen ist die Ungeduld in der Bürgerschaft inzwischen groß, weil sich ihrer Meinung nach fürs Radeln zu wenig tut. Neben Klimaschutzkonzept und Verkehrsentwicklungsplan gibt es auch noch die vom Gemeindesportverband gemeinsam mit dem Landesportbund NRW vorangetriebene Sportentwicklungsplanung. Ein hochinteressantes Projekt mit Modellcharakter für andere benachbarte Kommunen, dessen Ergebnisse, so Schönenberg, zum Jahresende auf dem Tisch liegen sollen. Daraus dürfen dann auch Arbeitsaufträge abgeleitet werden. Vielleicht für den Umbau des Jahnplatzes zu einem Ort für den Sport und die Jugend? Gut möglich, dass dies einer der Punkte sein könnte.

„Und auf all diese Projekte kommen dann noch das Hochwasser mit all seinen Folgen und die Corona-Pandemie obendrauf“, sagt Schönenberg und verweist zum Beispiel darauf, dass das Thema Rufbereitschaft fürs arg geprüfte Ordnungsamt diskutiert werden muss. Beim Hochwasser geht es darum, die Schäden nach einem Sanierungskonzept abzuarbeiten. Aber wenn in Kürze der Märkische Kreis eine Starkregenkarte zur Verfügung stellen wird, dann geht es auch für die Volmegemeinde Schalksmühle um Nachbesserungen bei der „Gefahrenabwehr“, wie Schönenberg es nennt. Ob Herbecke, Klagebach oder Flaßkamp – die Wassermassen haben die Gemeinde an Stellen mit einer unglaublichen Wucht überrascht, mit der so nicht zu rechnen war. Hier wird es um Möglichkeiten zur Prävention gehen müssen. „Und das wird dann auch sicherlich mehr Geld kosten als die Maßnahmen in der Vergangenheit“, sagt Schönenberg.

Kurzum: Es gibt viel zu tun, aber wo soll man anfangen? Egal, wo man beginnt: Es wird immer diejenigen geben, die ihr Projekt für subjektiv wichtiger halten werden. „Es geht um die Erwartungshaltung des Einzelnen: Wir wollen nicht mit stetigen Enttäuschungen leben, weil das eigene Projekt noch nicht dran ist“, sagt Schönenberg, „aber es wird Verständnis dafür brauchen, dass nicht zehn Dinge parallel in Angriff genommen werden können. Ich will damit nicht irgendwelche Kritik unterbinden, aber es geht mir einfach darum, dies offen anzusprechen. Und ich bin da auch selbstkritisch: Ich habe immer ja gesagt, wenn Leute immer mehr gefordert haben. Vielleicht hätte ich auch mal sagen müssen: Bitte nicht noch einen Plan!“

Nun indes gibt es den großen Berg, vor dem Bürgermeister Jörg Schönenberg und die Gemeinde stehen. Beim Stellenplan der Gemeinde soll noch ein wenig an ein paar Stellschrauben gedreht werden.

Mit der Politik ist man da im Gespräch, aber Wunderdinge sind nicht zu erwarten. Und so werden Bürger, Politik und Verwaltung bei allem Enthusiasmus für so manche interessante Idee, für so manchen guten Ansatz vor allem eines brauchen in den kommenden Wochen und Monaten, vielleicht gar Jahren: Geduld!

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