Demenz: Im Augenblick leben

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Miriam Manns (stehend) arbeitete lange in der Altenpflege und berichtet nun als freie Referentin über das Thema Demenz. Im Seniorenhaus Muhle informierte sie Angehörige der Bewohner über die Krankheit.

Muhle - „Es gibt keine OP, keine Chemo und keine Bestrahlung“, erklärte Miriam Manns, die am Donnerstag beim Angehörigenabend im Seniorenhaus Muhle über Demenz, Symptome, Ursachen, Vorbeugung und Therapiemöglichkeiten sprach.

Von Monika Salzmann

Für Betroffene wie Angehörige ist die Diagnose Demenz mit Ängsten verbunden. Menschen, die an Demenz erkrankt sind, leiden unter Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen und Orientierungslosigkeit. Sie erkennen oft ihre nächsten Angehörigen nicht mehr und verändern sich in ihrer Persönlichkeit.

„Trotz Demenz gut leben“ lautete das Thema ihres Referats. „Ich war selbst pflegende Angehörige eines an Demenz erkrankten Vaters“, erklärte sie vorab. Viele Jahre in der Altenpflege tätig und heute als freie Referentin unterwegs, wusste sie um die Nöte von Betroffenen und Angehörigen.

Über die Begriffserklärung – Demenz kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Weg vom Geist“ oder „Fehlen des Verstandes“ – führte die Dortmunderin ihre zahlreich erschienenen Zuhörer an ihr Thema heran.

„1,4 Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen.“ Bis 2030, so die Prognose, werde sich die Zahl der Erkrankten verdoppeln.

Manns ging auch auf Auguste Deter, die erste benannte (Alzheimer)Erkrankte, die von sich selbst sagte: „Ich habe mich verloren“, und auf den Psychiater Alois Alzheimer, der der Krankheit den Namen gab, ein.

Die durch die hirnorganische Krankheit Alzheimer ausgelöste Demenz mache 60 Prozent der Erkrankungen aus. Auch Schlaganfälle, das Korsakow-Syndrom, Stoffwechselerkrankungen und andere Faktoren kämen als Ursachen der Krankheit in Betracht. Risikofaktoren, erklärte Miriam Manns, seien vorrangig hohe Cholesterinwerte, Übergewicht, Rauchen, Alkohol/Drogen und Kontakt mit Umweltgiften, vor allem Aluminium.

„Der Mensch steht im Mittelpunkt“

Sie ging auch auf die Symptome und die Diagnostik der Demenz, unter anderem durch den sogenannten Mini-Mental-Status-Test zur Feststellung kognitiver Defizite, ein und berichtete von Therapiemöglichkeiten und Maßnahmen zur Vorbeugung durch eine gesunde Lebensführung und Bewegung.

Breiten Raum nahm das Thema Kommunikation mit Dementen in ihren Ausführungen ein. „Zeigen Sie sich einem Dementen immer von vorn und halten Sie Augenkontakt“, lautete ihr Rat. Mit Gesten zu sprechen, die der Demente erkennen kann, beim Gespräch mit einem Erkrankten eine entspannte Körperhaltung einzunehmen, Stirnrunzeln und abrupte Bewegungen zu vermeiden, empfahl sie Pflegepersonal und pflegenden Angehörigen.

Bei Konflikten sei es besser, zu flüstern als zu schreien. „Diskutieren Sie nicht! Sie ziehen immer den Kürzeren. Der Demente hat immer recht.“ Demenz heiße im Augenblick leben, daher gelte es, schöne Dinge miteinander zu erleben. „Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht seine Demenz.“

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