Schalksmühle

„Ich habe keine großen Ansprüche“

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An seinem Arbeitsplatz im Tattoostudio Farbmühle: Besitzer Frank Schokolowski.

Schalksmühle – Viele Besitzer eines Ladenlokals warten sehnsüchtig darauf, ihre Türen wieder öffnen zu dürfen. Die Friseursalons sind seit dieser Woche wieder für ihre Kunden geöffnet, anders ergeht es den Besitzern eines Tattoostudios.

Seit mittlerweile sechs Wochen ist das Tattoostudio Farbmühle in Schalksmühle nicht mehr geöffnet. Für den Besitzer Frank Schokolowski dennoch kein Grund, um Trübsal zu blasen. „Ich habe keine großen Ansprüche und hätte auch keine Probleme damit, mich eine Woche nur von Ravioli zu ernähren. Alle beschweren sich und sind nur auf das Negative bedacht. Sie prügeln sich ja fast um das Klopapier. Ich habe da einen anderen Ansatz“, erklärt der 52-Jährige, der von seinen Freunden nur „Onkel“ genannt wird. 

Seinen Beruf bezeichnet er vielmehr als Berufung. „Ich mache Urlaub, um arbeiten zu können“, so der großgewachsene Tätowierer, der sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte ein großes Netzwerk aufbaute und auf zahlreichen Conventions im Jahr mit einem eigenen Stand seine Werke präsentiert. Kurz bevor die Corona-Krise Europa erreichte, war Schokolowski auf einer Tattoo-Convention in Finnland. „Wir sind mit dem Schiff zurück und dort waren sämtliche Nationalitäten vertreten. Im Anschluss hatte ich schon einen hartnäckigen Husten. Also ist nicht ausgeschlossen, dass ich das Virus schon hatte.“ Ansonsten halte sich Schokolowski von den Menschen fern. „Ich tue eigentlich das, was ich eh machen würde.“ 

Austausch mit Kunden via Handy

Mit Miniatur-Terrier Dame Elona lebt der Studiobesitzer direkt eine Etage über seinem Arbeitsplatz. „Mir geht es wirklich gut. Reicher leben als jetzt kann ich nicht. Wenn ich etwas Gutes tun kann, gebe ich lieber anderen Leuten etwas ab. Denen mache ich eine Freude und sie danken es mir dann auch auf eine andere Art. Das sind wirklich die schönen Momente im Leben.“ Schokolowski hat mit seinen 52 Jahren schon viel erlebt, er hatte schon Tattoostudios in Hagen und der Schweiz, zudem ist er ausgebildeter Krankenpfleger. 

Der gebürtig aus dem Ruhrgebiet stammende Tätowierer sieht in der Corona-Krise auch etwas Positives: „Die Leute rücken enger zusammen.“ Allerdings sagt er auch: „Die Grippe hat im vergangenen Jahr über 25 000 Leuten in Deutschland das Leben gekostet. Das steht komplett im Hintergrund. Zudem muss das Leben weitergehen. Ich sehe doch, dass sich die Leute auch jetzt schon wieder die Hände geben und gleichzeitig dabei eine Maske tragen. Das Leben da draußen geht einfach weiter und viele merken es nicht.“ 

Großes Verständnis für die Tatsache, dass sein Laden nicht öffnen darf, bringt Schokolowski nicht auf. „Ich erfülle die höchsten Hygienestandards und arbeite eh mit Mundschutz und Handschuhen.“ Zudem häufen sich bei ihm die Terminanfragen. „Die Leute sind dazu bereit, sich tätowieren zu lassen und schreiben mir das auch offen.“ Den Kontakt zu seinen Kunden hält er per Handy und tauscht sich mit ihnen aus. Einen besonderen Termin hatte er mit einer 76-Jährigen, die sich von ihm ein Picasso-Gemälde auf den Unterarm stechen ließ. „Für solche Begegnungen bin ich einfach dankbar, es ist schon etwas sehr Intimes, sich tätowieren zu lassen und sich so zu öffnen. Eine Frau mit einer solchen Lebenserfahrung zu tätowieren, war für mich schon sehr speziell.“ 

Solche Momente bereichern sein Leben. Generell ist seine Kundschaft bunt gemischt und nimmt auch viele Kilometer Fahrt auf sich. „Von Ärzten über Richter habe ich schon alles tätowiert. Nur die Rockerszene ist bei mir nicht mehr so oft vor Ort.“ 

Coronavirus im MK: Zeit zum Renovieren des Studios

Im Juli feiert Schokolowski sein einjähriges Jubiläum am Schalksmühler Standort an der Mühlenstraße. Die Corona-Krise nutzt er auch, um seinen Laden zu renovieren und mit seinen zahlreichen „Schätzen“ aufzuwerten. Von wertvollen Tattoobüchern über eine Schatztruhe bis hin zu Bildern alter Tattookünstler hat Schokolowski viele Erinnerungsstücke gesammelt, die seinen Laden in Zukunft optisch aufwerten sollen. „Mein Ziel ist es, dass mein Studio ein Aushängeschild von Schalksmühle wird. Ich bin bewusst in die Gegend gezogen, weil ich die bergige Landschaft liebe. Ich weiß auch schon jetzt, dass ich irgendwann in den Bergen sterben möchte“, sagt der Tätowierer. 

Zudem nennt Schokolowski zahlreiche Tattoomaschinen sein Eigen und hat dabei auch extra für ihn angefertigte Modelle im Repertoire. „Ich arbeite nur mit hochwertigem Material und deswegen verlange ich auch dementsprechend einen Preis. Ich kann die Leute, die um Preise feilschen müssen, nicht leiden. Wenn man sich einen neuen Porsche kaufen möchte, zahlt man auch den Neuwagenpreis.“ 

Nach der Auszeit will Frank Schokolowski weiter daran arbeiten, seinen Laden noch bekannter zu machen. Bis dahin will er nach Möglichkeit zur Convention nach Lappland, die im Juli stattfindet, denn: „Ich möchte dort etwas verdienen, wenn ich es hier schon nicht kann.“ Ein weiterer Termin steht eigentlich im Oktober in Berlin auf dem Programm – doch in Zeiten des Coronavirus setzt die Planung derlei Termine zurzeit aus.

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