Corona in Schalksmühle

Coronavirus: Lüften in Schulen und Kitas will gelernt sein

Primusschule Schalksmühle Corona Lüften Winter
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Das richtige Lüften in gemeindlichen Gebäuden rückt in den Fokus.

Unverzichtbar für den Schutz von Schülern und Kindergartenkindern, aber auch von Erziehern und Lernpersonal, vor einer Corona-Infektion ist das intensive Lüften von Klassen- sowie von Gruppenräumen, sagt das Land NRW. In einigen Einrichtungen zeigen sich erste Probleme, sodass das Thema auch auf dem Tisch der Politik liegt.

Schalksmühle – Ratsherr Lutz Schäfer (SPD) wollte bereits in der letzten Sitzung des Hauptausschusses wissen, welche Lüftungsmöglichkeiten in den betreffenden gemeindlichen Gebäuden vorhanden sind. Eine Antwort bekam er vonseiten der Verwaltung der Gemeinde Schalksmühle.

In der Primusschule würden alle Fenster eine ordentliche Belüftung der Klassen zulassen. Darauf habe man seinerzeit bei der Errichtung des neuen Schulkomplexes geachtet. Auch an der Grundschule Spormecke gäbe es keine Probleme mit der Belüftung der Räume. Die Fenster der Schule werden aktuell und zeitnah repariert. Alles sei in die Wege geleitet, heißt es von offizieller Seite. Solche Erkenntnisse habe man auch aus den beiden Kitas der Gemeinde gewinnen können.

Damit zählt Schalksmühle zu den landesweit 90 Prozent, bei denen keine Einschränkungen aufgrund baulicher Mängel vorliegen. In nur rund zehn Prozent der NRW-Einrichtungen könne nicht ausreichend gelüftet werden, so das Ergebnis einer Erhebung des Landes im Zuge der Corona-Pandemie.

Regelmäßiges Lüften in der Villa Kunterbunt

Die Möglichkeiten, die Räume zu lüften, sind laut Angaben der Gemeindeverwaltung gegeben. Wie eine Nachfrage unserer Zeitung ergibt, sind die Verantwortlichen in den Schalksmühler Einrichtungen längst aktiv geworden. „Wir befinden uns noch in der Erprobungsphase. Derzeit ist das Lüften eine Gratwanderung. Der richtige Weg wird sich mit der Zeit ergeben. Die kalte Jahreszeit kommt ja erst “, sagt Kristina Brüdigam, Leiterin der gemeindlichen Kita Villa Kunterbunt in Dahlerbrück. Zweimal in der Stunde werde in allen Gruppen für zehn Minuten durchgelüftet, um die verbrauchte Luft und damit die Aerosole und mögliche Viren nach außen abzugeben.

„Es gibt zwar Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes oder vom Land, doch in der Praxis sieht es dann doch noch anders aus.“ Bereits jetzt würden die Räume der Villa Kunterbunt durch das Lüften schnell auskühlen. Und der Gesundheitsschutz der Kinder höre nicht bei dem Coronavirus auf, meint die Kita-Leitung.

An der Grundschule Spormecke hat man sich ebenfalls Gedanken gemacht und sich auf Nachfrage aus der Elternschaft durch einen Arzt aus Lüdenscheid beraten lassen, berichtet Schulleiter Ralf Gensmann. Der Fachmann sprach sich für einen guten Luftaustausch in den Klassenräumen aus und thematisierte die Anschaffung von Lüftungsgeräten und CO2-Messgeräten für jede Klasse. „Das ist natürlich eine Frage der Finanzierung. Man kann sich viel wünschen, doch das kostet alles Geld. Da darf die Gemeinde nicht alleine da stehen. Hier ist vor allem der Bund gefordert“, meint der Spormecke-Leiter, der zusätzlich auch den Bedarf weiterer Beratung durch Fachleute und klare Vorgaben seitens des Ministeriums sieht.

„Lüftungskonzept“ erstellt

Als Folge der Beratung hat die Schulleitung zusammen mit der Elternpflegschaft ein „relativ neues Lüftungskonzept“ auf die Beine gestellt. 15 Minuten nach und vor dem Unterricht werden alle Fenster und Türen zum Stoßlüften geöffnet. Das Gleiche passiert in jeder Pause. Während der Unterrichtsstunden werde nach 20 Minuten ebenfalls für frische Luft gesorgt.

Das viele Lüften berge allerdings auch Gefahren, so Ralf Gensmann. Nicht nur, dass die Schüler bereits jetzt mit Jacken im Unterricht sitzen – wobei die schwierige Zeit erst noch komme. Die weit geöffneten Fenster würden auch das Risiko darstellen, dass Kinder aufgrund des fehlenden Fallschutzes herausstürzen oder sich den Kopf stoßen könnten. „Normalerweise lüften wir mit gekippten Fenstern. Nun muss man als Aufsichtsperson genau hinsehen.“ Mit Blick auf diese Gefahren würde sich der Schulleiter Lüftungsgeräte und CO2-Messgeräte in den Klassen wünschen. Bis es dazu allerdings eine Lösung gibt, bleiben viele Fragen offen.

Derzeit sehe man in der Gemeinde keinen Handlungsbedarf, erklärt Bürgermeister Jörg Schönenberg. Man habe die bundesweite Diskussion um technische Ergänzungen in den Klassen- und Gruppenräumen wie Belüftungsgeräte oder CO2-Ampeln verfolgt.

Verwaltung behält die Ruhe

Aber man habe noch keine belastbaren Stellungnahmen von Gutachtern zu diesem Thema. Man fühle sich vom NRW-Schulministerium gut informiert. Der Verwaltungschef versicherte aber, dass man „am Ball“ sei. „Wenn solche Maßnahmen gesundheitlich förderlich sind und empfohlen werden sowie auch die finanziellen Mittel dafür bereitstehen, dann werden wir auch handeln. Wir werden dann sehen, ob wir zum Beispiel in jeder Klasse Lüftungsgeräte aufstellen.“

Ratsherr Bernd Müller (UWG) schlug in der Sitzung vor, bereits jetzt eigene Messungen durchzuführen. Entsprechende Geräte seien preisgünstig zu bekommen. Er verwies damit auf ein Projekt, das in der Nachbarkommune Halver initiiert wurde. Dort sind bereits erste CO2-Ampeln am Anne-Frank-Gymnasium (AFG) im Einsatz, die darauf aufmerksam machen, wann wieder gelüftet werden muss. Sie geben also über den Zustand der Luft in den Klassenräumen Auskunft. Geplant ist, dass jede Schule mit solchen Geräten ausgestattet werden soll.

Bürgermeister Jörg Schönenberg dazu: „Wenn wir etwas machen, dann muss es auch fundiert sein. Wir sind ja keine Experten. Es ist wichtig, Spielregeln aufzustellen. Auch mit Blick auf den kommenden Winter sollten wir uns Zeit lassen und erst einmal Grundkenntnisse zu dem Thema erlangen. Ich übernehme die Verantwortung.“

Klaus Nelius (UWG) ergänzte diesen Aspekt, in dem er auf „explodierende Heizkosten“ bei falschem Belüften ansprach.

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