Herberge an der Glör

Corona-Krise bedroht Jugendherberge im MK in ihrer Existenz

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Wegen der Corona-Krise ist die Zukunft der Jugendherberge am Glörsee ungewiss. Wohin der Weg nach der Pandemie führt, können die Verantwortlichen nicht einschätzen.

Die Corona-Krise bringt nicht nur große Wirtschaftsunternehmen in Schwierigkeiten. Auch viele Jugendherbergen stehen vor dem Aus - wie diese im MK.

Breckerfeld/Schalksmühle - Betroffen davon ist auch die Einrichtung am Glörsee, wie Maike Braun, Sprecherin des Landesverbands Westfalen-Lippe im Deutschen Jugendherbergswerk (DJH), auf Anfrage unserer Zeitung betont. „Aktuell sind leider alle Jugendherbergen des Landesverbandes aufgrund der Corona-Pandemie in ihrer Existenz bedroht.“ 

Durch die Schließungen der Herbergen und das Verbot von Klassenfahrten sei der Umsatz quasi über Nacht auf null gesunken, heißt es in einer offiziellen Mitteilung des Landesverbandes. Bis zu den Sommerferien seien nahezu alle Buchungen storniert worden. Aktuell erlebe man eine zweite Stornowelle, die sich auf Buchungen für den Sommer und darüber hinaus bezieht. 

„Wir setzen alles daran, das Netz unserer 29 Jugendherbergen und Jugendgästehäuser in Westfalen-Lippe zu erhalten“, sagt die Pressesprecherin. „Leider können wir aktuell nicht abschließend einschätzen, ob die ergriffenen Maßnahmen ausreichen werden, um unsere Standorte in jetziger Form auch zukünftig weiter betreiben zu können. Das hängt entscheidend davon ab, inwieweit auch für uns ein Rettungsschirm aufgespannt wird und wie dieser konkret ausgestaltet ist.“ Diesen hatte bereits vor einigen Tagen DJH-Hauptgeschäftsführer Julian Schmitz und auch Wolfgang Büttner, Geschäftsführer des Landesverband Westfalen-Lippe, gefordert. Ohne Hilfe werde man die Krise nicht überstehen, heißt es. 

Kredite helfen nur kurzfristig

„Die Jugendherbergen als gemeinnützige Unternehmen oder Vereine sind im Rettungsschirm von Bund und Ländern nicht explizit eingeschlossen. Wir können deshalb keine Mittel daraus abrufen. Wir appellieren dringend an die NRW-Landesregierung und die Bundesregierung, hier sehr zügig nachzubessern“, erklärt Maike Braun. Wünschenswert wären Zuschüsse. Bürgschaften zur Absicherung von Krediten würden zwar auch helfen, aber nur kurzfristig. Sie würden das Problem in die Zukunft verlagern. 

Gerade für die Jugendherberge am Glörsee ist die Pandemie ein Schlag ins Gesicht. So teilte das DJH vor der Krise mit, dass die Buchungszahlen das Hauses 2019 einen Aufschwung aufzeigten. Während es im Vorjahr, als die Glör wegen Wartungsarbeiten an der Staumauer kein Wasser führte, 8467 Übernachtungen und 4021 Gäste gezählt wurden, stieg in 2019 die Belegung um 18 Prozent an – 9962 Übernachtungen und 4811 Gäste. Damit belegte die Herberge hinter Burg Altena, Biggesee, Burg Bilstein und Briloneinen den fünften Platz in der Top Ten der Häuser im Sauerland. 

Coronavirus in Schalksmühle: Mitarbeiter der Jugendherberge in Kurzarbeit

Die Freude hielt nicht lange an. „Die Jugendherberge Glörsee ist wie alle anderen Herbergen unseres Landesverbandes seit dem 17. März geschlossen. Grundlage der Schließung ist der Erlass des NRW-Gesundheitsministeriums vom 15. März, der die Schließung bis zum 19. April anordnet“, erklärt Maike Braun. Für die 600 Mitarbeiter in den Jugendherbergen und der Hagener Zentrale gilt seit dem 1. April Kurzarbeit. 

Die Arbeit am Glörsee geht für Hausleiter David Emde allerdings weiter. Wenn auch anders als sonst. „Er kann tatsächlich ganz hervorragend von zu Hause aus arbeiten, da er mit seiner Familie direkt an der Jugendherberge wohnt. Im Rahmen der Kurzarbeit arbeitet er einige Stunden in der Woche und schaut zum Beispiel täglich nach dem Rechten oder kümmert sich um E-Mails und Anrufe von Gästen.“ 

Im Zuge der Krise hat man sich auch dazu entschlossen, alle Investitionen in die Häuser zu stoppen. Für die Einrichtung am Glörsee ist zumindest dieser Punkt nicht ganz so schmerzlich. „Nachdem wir in den vergangenen Jahren beispielsweise in das Außengelände sowie die Aufwertung der Gästezimmer und Tagungsräume investiert haben, war für dieses Jahr nichts Größeres am Glörsee geplant“, weiß die Sprecherin. Dafür seien allerdings auch alle Marketing-Aktivitäten, also Online-Marketing, Newsletter oder Anzeigenschaltungen, die der Landesverband für alle Jugendherbergen steuert, bis auf Weiteres eingestellt.

Die aktuelle Coronavirus-Lage im Märkischen Kreis behalten wir in unserem Newsticker im Blick.

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