Sauerland pur (Teil 11 unserer Serie)

Corona-Runde: Rund um Hülscheid und Altenhülscheid

Corona-Runde, rund um Hülscheid, Altenhülscheid, Schalksmühle
+
Im Schalksmühler Höhengebiet hat in diesen Tagen der Frühling Einzug gehalten.

Kontaktbeschränkungen, Verbot von Sport im Verein oder im Fitnessstudio – die Corona-Krise trifft uns alle. Aber: Keine Bewegung ist auch keine Lösung. Schon eine halbe Stunde Spazieren gehen oder Joggen an der frischen Luft tun gut. Hier finden Sie kleine, gut erreichbare Rundwege in und um Halver, die wir unter die Füße genommen haben. Heute geht‘s einmal rund um Hülscheid und Altenhülscheid.

Schalksmühle – Die Corona-Runde goes Schalksmühle. Ins Höhengebiet der Volme-Gemeinde. Aus gutem Grund – der weiß, flauschig und einfach nur herzallerliebst ist.

Dies ist die Geschichte von Hedwig. Unsere Wege kreuzen sich im Oktober 2019. Hedwig (in Anlehnung an die Schnee-Eule aus den Harry-Potter-Romanen) heißt damals noch Schneewittchen und ist gerade ins Katzenhaus des Tierheims Dornbusch eingezogen. Ausgesetzt. Irgendwo in Lüdenscheid. Von jetzt auf gleich. Nach zehn Jahren. Warum, darüber lässt sich nur spekulieren.

Wahrscheinlich wird es die Nierenkrankheit sein, an der Hedi, wie wir sie nennen, leidet. Sie ist eine Katze der Rasse „Scottish Fold“, was so viel wie „Schottische Faltohrkatze“ bedeutet. Ihre kleinen Ohren knicken aufgrund einer vererbbaren Mutation nach vorne ab. In Großbritannien wurde dieser Gendefekt zur Zucht einer eigenen Rasse genutzt. Tierschützer sehen die Zucht von Scottish Folds als tierschutzwidrig an. Ich teile diese Argumentation. Die Rasse ist anfällig für Krankheiten. Wie Hedis Nierenprobleme, die unheilbar sind. Aber doch behandelbar. Medikamente und Tierarztbesuche kosten indes Geld. Mitunter viel Geld. Wir wissen darum und nehmen es in Kauf. Weil es Liebe auf den ersten Blick ist.

Ausgesetzt und via Tierheim Dornbusch jetzt in Halver heimisch: Samtpfote Hedwig.

Zwei Wochen später zieht sie um nach Halver. Zu einem altersmilden Kater ohne Schwanz, auch aus dem Tierheim. Und zu den Broholmer-Hündinnen Gaia und Themis. Tag eins verbringt die kleine Schnee-Eule auf vier Pfoten noch freiwillig in der Waschküche. An Tag zwei erkundet sie Indoor-Terrain und Bewohner. Ab Tag drei ist sie uneingeschränkte Chefin im Haus. Bis heute. Hedi hört besser als jeder Hund, lässt sich von Gaia die Knickohren lecken, bis der Kugelkopf pitsche-patsche nass ist. Ihre Zeit bei uns ist endlich. Aber bis dahin soll sie jeden Tag genießen. Diese Corona-Runde, die auch am Tierheim Dornbusch (www.tierheim-dornbusch.de) vorbeiführt, ist daher Hedi und all’ jenen Tieren gewidmet, die von Tierheim-Leiterin Anna-Lena Pieper und ihrem tollen Team an Für-immer-Familien vermittelt wurden oder es in Zukunft noch werden.

Start/Ziel: Parkplatz Schule Spormecke (grüner Punkt) Länge: 8,4 Kilometer Höhenmeter: 166 Meter Wege: gut ausgebaute Wald-/Wiesenwege; Straße

Die Anfahrt

Theoretisch könnte man die Runde auch am Tierheim beginnen. Doch der Parkplatz oberhalb ist kein Wanderparkplatz, sondern nur für Tierheimbesucher gedacht. Deshalb starten wir in inzwischen bewährter 4er-Besetzung an der Grundschule Spormecke. Von Halver kommend, fährt man die Straße Klagebach fast bis zum Ende. Kurz bevor die Klagebach auf die Heedfelder Straße trifft, liegt rechts die Schule mit großem, kostenlosem Parkplatz. Ein idealer Startpunkt.

Die Streckenführung

Ein Großteil unserer Strecke ist vom SGV (www.sgv.de) mit einem Dreieck gekennzeichnet. Los geht’s. Vom Spormecke-Parkplatz aus queren wir die Klagebach, halten uns auf der Heedfelder Straße links. Nur ein paar Meter bleiben wir auf der Hauptstraße und biegen dann rechts in die Straße Berkey ein. Von jetzt auf gleich beginnt die Ruhe. Es ist ein gemächlicher Auftakt, denn die Höhenmeter dieser Runde verteilen sich ungleich. Knapp drei Kilometer geht es zunächst bergab. Für meine Gattin ist das zu viel Information. „Dann müssen wir das alles wieder hoch?“ – Ja, das liegt bei einer Runde in der Natur der Sache. So schlimm wird’s aber nicht.

Obwohl der Weg zunächst noch über Asphalt führt, ist es idyllisch hier. Mesewinkel und Mummeshohl heißen die Ortslagen. In Mummeshohl ein kurzer Stopp. Aus einer alten Kaffeekanne wurde dort ein Nistkasten für Vögel gebaut. Wir stellen uns vor, wie das so läuft bei Familie Kohlmeise, wenn sich der kleine Meisenmann aufplustert und den Nachbars-Sperling überheblich fragt: „Na, Kollege, wohnst Du immer noch in einer Holzbaracke? Ich hab’ ein Penthouse aus Keramik!“ Herrlich...

Nach Asphalt kommt Waldweg

Hinter Mummeshohl löst ein Waldweg den Asphalt ab. Der Weg macht einen scharfen Linksknick. Die Hunde kennen das, waren schon häufiger hier. Wen sie nicht kennen, ist der große, orangene Lkw, der kurze Zeit später mitten im Nirwana steht. Die Gemeinde Schalksmühle bessert die Zuwegung zur Hoflage Haue aus, das letzte Haus, bevor es endgültig in den Wald geht. Das feinsinnige Wortspiel, dass es hier gleich Haue gibt, spare ich mir, zumal es keinen Grund für körperliche Züchtigung gibt. Die Tiere gehen wunderbar „Fuß“. Haue lassen wir links liegen, dafür begleitet uns rechts inzwischen die Hilmecke.

Der kleine Bach plätschert hier noch sehr frisch vor sich hin. Die Hilmecke entspringt nahe Hülscheid, speist in der Nähe einen Fischteich, um im Ster-becker Tal in die Sterbecke zu münden. Kurz nachdem wir den Bach überquert haben, vollführt der Weg eine Spitzkehre. Es ist eine Art Wendepunkt der Strecke, denn von nun an geht es bergauf. Allerdings gemäßigt. Kurze Zeit später gibt es für die Broholmer Ladies die erste und einzige Hundebegegnung der gesamten Runde. Einem Mag-yar Vizsla, das ist ein wunderschöner ungarischer Vorstehhund, wollen Gaia und Themis partout „Hallo“ sagen. Bevor ihre Begeisterung vollends ausufert, geht’s aber weiter. Etwa bei Kilometer 4,5 gabelt sich der Weg, wir halten uns scharf links und erreichen kurz darauf die Hofschaft Kamp.

Der BUND hat an seiner Streuobstwiese unterhalb des evangelischen Friedhofs in Heedfeld eine Totholzhecke (Benjeshecke) angelegt, die als Nistmöglichkeit für Vögel und Unterschlupf für viele andere Tierarten dient.

Wunderbar ist hier oben die Fernsicht in Richtung Everinghausen. Von Kamp aus treffen wir auf die Straße Reineberge und halten uns dort rechts. Der Blick schweift bis zur A45, die man deutlich hört hier oben. Nicht laut, aber gleichmäßig. Der Blick übers Sauerland entschädigt für den leisen Lärmteppich. Die großen braunen Flächen weisen darauf hin, dass das Fichtensterben unsere schöne Landschaft in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nachhaltig verändern wird.

Der dörfliche Charme spiegelt sich in vielen kleinen Details wider: Eine alte Kaffeekanne wird zum Nistkasten umgebaut.

Das Sträßchen, auf dem wir zwei inzwischen deutlich energiereduzierte Tiere an der Leine führen, würde uns jetzt auf direktem Wege immer geradeaus zurück zum Ausgangspunkt bringen. Das ist dann aber doch etwas zu viel Straße auf einmal. So bedrohen wir die Hunde an der Abzweigung zum Tierheim Dornbusch kurz, was passiert, wenn man nicht brav ist und biegen kurz darauf in Altenhülscheid links ab. Über einen schönen Wiesenweg (auf der Kuppe rechts halten), geht es vorbei am Bolzplatz und am Aldi-Markt nach Heedfeld.

Viel zu entdecken

Der Duft von gegrillten Hähnchen zieht durch die Luft, als wir die Heedfelder Straße queren und uns direkt vor dem evangelischen Friedhof links halten. Die Ruhestätte liegt nun immer rechter Hand, der gut gangbare Feldweg führt uns direkt an der nächsten Wiese vorbei. Der BUND Schalksmühle unterhält linkerhand eine Streuobstwiese und legt als Abgrenzung eine sogenannte Totholzhecke (oder Benjeshecke, benannt nach Hermann Benjes) an. Zwischen zwei Reihen aus Holzpfählen wird Strauch- und Astschnitt gestapelt. So entstehen Nistmöglichkeiten für Vögel und Unterschlupf für viele andere Tierarten. Das wäre auch was für unseren Garten.

Svenja und Axel Meyrich sowie Gaia und Themis.

Der Weg führt nun längs eines kleinen Wäldchens, ein schmalerer Pfad biegt schließlich rechts ab in Richtung Spormecke. Unter weißblauem Sauerland-Himmel liegt das historische Gebäude da. Unser Blick geht weiter nach links, hinüber zur Westhöhe. Wäre jetzt Wochenende und keine Pandemie, würden wir dort bei guten Freunden einkehren. Stattdessen wartet das Auto – und der letzte Lacher der Runde, als die Gattin statt der Hundeleinen mit Elan die Autoschlüssel auf die Rückbank wirft. 8,4 Kilometer und 166 Höhenmeter fordern eben in Sachen Koordinationsfähigkeit ihren Tribut.

Corona-Runden in Halver und Umgebung - unsere Serie:

Der Läufer- und Wandertreff an der Büchermühle ist ein charmanter Alleskönner. (Teil 1)
Die Flugplatz-Route befindet sich am Rande der „Wilden Ennepe“. (Teil 2)
Der Trimm-Dich-Pfad an der Herpine lädt zu Fitnessübungen ein. (Teil3)
Die Leyer-Sonnenschein-Runde sorgt für Nostalgie. (Teil 4)
Die verkürzte Oberbrügger Crosslauf-Strecke. (Teil 5)
Von Rotthausen bis zur Glör. (Teil 6)
Das ehemalige Munitionsdepot in Schwenke. (Teil 7)
Der Volmeschatz-Weg rund um den Bollberg. (Teil 8)
Kleine, aber feine Tour an der Heesfelder Mühle. (Teil 9)
Über Schulten Hedfeld entlang der Wilden Ennepe. (Teil 10)
Rund um Hülscheid und Altenhülscheid. (Teil 11)
Der V-Weg rund um Heinken-Hedfeld, Vorst und Anschlag. (Teil 12)
Vom Kreisch über den Rundwanderweg A6. (Teil 13)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare