Mit dem Ordnungsamt auf Streife

Nächtliche Corona-Kontrollen: Mehr Katzen als Menschen

Corona Ausgangssperre Schalksmühle Ordnungsamt
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Start zur nächtlichen Kontrolle der Ausgangssperre in Schalksmühle: Ordnungsamtsleiterin Silvia Gonzalez Algaba und ihr Kollege Mike Dulas auf dem menschenleeren Rathausplatz.

Schalksmühle - Die „Bundesnotbremse“ greift auch in Schalksmühle. Zwischen 22 und 5 Uhr darf sich nur noch draußen aufhalten, wer einen triftigen Grund hat. Wir haben die Corona-Streife des Ordnungsamtes bei ihren nächtlichen Kontrollen begleitet.

Der Tag war sonnig. Die Nacht wird klar. Sechs Grad Außentemperatur zeigt das Display im Auto beim Einbiegen in die Bahnhofstraße. Es ist kurz vor 22 Uhr und der Schalksmühler Ortskern schon jetzt menschenleer. Eines jener 45-km/h-Gefährte, die man schon mit 16 Jahren fahren darf, knattert vorbei. Zügig unterwegs, die Autovorstufe. Mit lauter Musik, die nach Apache 207 und Kollegen klingt. Dann ist die Ruhe zurück, die bezeichnend wird für die nächsten Stunden.

Das Display der Märkischen Verkehrsgesellschaft zeigt flackernd die letzten beiden öffentlichen Transportmöglichkeiten raus aus der Gemeinde an. Um 22.07 Uhr wird die Bus-Linie 87 zum Lüdenscheider Sauerfeld erwartet. Die Regionalbahn RB52 nach Lüdenscheid startet um 22.36 Uhr ab Gleis 1 in Richtung Bergstadt. Das war’s dann.

Zunächst kommt die Ermahnung

Im Schalksmühler Rathaus indes brennt noch Licht. Ordnungsamtsleiterin Silvia Gonzalez Algaba und ihr Kollege Mike Dulas bereiten sich vor auf die spätabendliche Streife durch das Gemeindegebiet. Zunächst zu Fuß, später dann per Auto in die Außenbezirke. Dass das Duo in offizieller Mission unterwegs ist, ist nicht zu übersehen. Neongelb und neonorange leuchten die Jacken. Auf dem Rücken der Schriftzug „Ordnungsamt“. Das sieht bei Weitem nicht so martialisch aus, wie jene häufig schwarz gekleideten Uniformierten in Großstädten. Das soll es auch nicht. „Als erstes kommt immer die Ermahnung“, sagt Silvia Gonzalez Algaba. Egal, ob es um das Tragen des Mund-Nase-Schutzes oder – wie heute – die Einhaltung der Ausgangssperre geht.

Die Runde durchs Dorf beginnt. Die Bahnhofstraße liegt da wie ausgestorben. Keine fahrenden Autos. Keine Menschen. Dann ein weißer Wagen. „Pizza-Lieferdienst“, weiß Mike Dulas. Letztlich ist es aber unerheblich, wer an den beiden Gemeindemitarbeitern vorbeifährt. Denn: Den fließenden Verkehr darf das Ordnungsamt nicht kontrollieren. Das ist Sache der Polizei.

Auf der Hälverstraße herrscht durchaus reger Pkw-Verkehr. „Schichtwechsel in den Firmen“, sagt Mike Dulas. Feierabend statt Schichtwechsel heißt es am Volmepark-Grill. Die Mitarbeiter putzen und bringen den Müll raus. Man grüßt sich freundlich. Kein Grund zur Beanstandung seitens der Kontrolleure.

Das Kiepenlisettken hat den Ortskern im Auge. Zusätzlich kontrolliert das Ordnungsamt täglich zu unterschiedlichen Zeiten die Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen.

Ohnehin ist Schalksmühle nicht vergleichbar mit großen Nachbarkommunen wie Hagen oder Lüdenscheid. „Natürlich gibt es Stellen, wo man sich trifft“, sagt Silvia Gonzalez Algaba, „die kennen wir und dort kontrollieren wir auch.“ Unterwegs auf den Straßen der Gemeinde sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Fachbereichen. Das Ordnungsamt alleine ist nicht groß genug, um alle Kontrollgänge zu besetzen. Wie beurteilen die Experten die Stimmung in der Bevölkerung zu den Schutzmaßnahmen? „Die Leute sind schneller genervt, das kann man klar erkennen“, schätzt Gonzalez Algaba die Lage ein. Einmal, allerdings noch zu Beginn der Pandemie, sei es bei einem ihrer Kontrollgänge zu einer mehr als nur unangenehmen Situation gekommen. „Das war dann schon bedrohlich, aber die Polizei war schnell vor Ort.“

Über Mühlenstraße und Kirchgasse geht es Richtung Bahnhof. Zwei junge Männer begegnen der Streife. „Guten Abend, Ordnungsamt. Sie wissen, dass es eine Ausgangsbeschränkung gibt?“ Silvia Gonzalez Algaba ist freundlich, verbindlich im Ton. Die Männer tragen Arbeitskleidung, kommen gerade aus der Firma. Beide haben eine Bescheinigung des Arbeitgebers dabei. Vorgeschrieben ist das nicht. Aber es vereinfacht die Kontrollarbeit. Der Weg von und zur Arbeit ist von den Beschränkungen ausgenommen. Wird dieser Grund angeführt, lassen sich die Gemeindemitarbeiter in der Regel die Anschrift des Arbeitgebers geben und arbeiten tags darauf nach. Das ist in diesem Fall nicht notwendig.

Weiter geht’s zum Bahnhof. Unterführung. Rewe-Markt. Alles ruhig, keine besonderen Vorkommnisse. Tagsüber ist der Volmepark ein Zentrum der Kontrollen. Viele Menschen erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Regelverstößen. Momentan ist der Park noch geöffnet. „Eine Schließung wäre das letzte Mittel“, sagt die Ordnungsamtschefin, „dafür müssten sich entweder viele Leute nicht an die Regeln halten oder die Zahlen müssten weiter nach oben gehen.“ An diesem Abend ist der Park menschenleer. Mike Dulas befestigt ein auf dem Boden liegendes Schild, das auf die Schutzmaßnahmen hinweist, mit Kabelbindern an einem Laternenmast.

Alle Bolz- und Sportplätze sind gesperrt

Teil zwei der Tour findet größtenteils im Auto statt. Der weiße Mercedes Vito der Gemeinde fährt einen Schlenker über den Parkplatz des Netto-Marktes und dann weiter zur Grundschule Spormecke. Der Vollmond hängt satt über dem Höhengebiet. Zehn, 15 Grad mehr – und die Spormecke wäre jetzt ein Hotspot. Jugendliche treffen sich häufig hier. Heute nicht. Eine fröstelnde Runde um die Schule wird gedreht. Der Bolzplatz ist gesperrt. Wie alle anderen Bolz- und Sportplätze im Gemeindegebiet auch. Zwar erlaubt die Bundesnotbremse das kontaktlose Training mit maximal fünf Kindern bis 14 Jahren. Der Trainer muss dazu einen tagesaktuellen, negativen Test vorlegen. „Fußball kontaktlos – das geht eigentlich gar nicht“, sagt Silvia Gonzalez Algaba, „um etwaigen Diskussionen vorzubeugen, haben wir die Plätze heute dicht gemacht.“

Das gilt auch für den Platz unterhalb des Aldi-Marktes in Heedfeld. „Alles bleibt besser“, verspricht der Discounter via Werbeplakat. Eine Katze jagt eine Maus über den Parkplatz. Ohnehin huschen deutlich mehr Vier- als Zweibeiner über die Straßen in dieser Nacht.

Industriegebiet Ramsloh, Sportplatz Kuhlenhagen, Stallhaus, Flaßkamp, B54. Überall dasselbe Bild. Die Gemeinde schläft inzwischen. Vor fast jeder Garage parkt ein Auto. Letzter Kontrollpunkt ist die Primusschule. Es geht auf Mitternacht zu. Zeit für ein kleines Fazit. Schalksmühle ist zu Hause geblieben in dieser Nacht. „Die Frage ist, ob das anders wäre, wenn keine Ausgangsbeschränkung gilt“, bringt es Mike Dulas auf den Punkt. Für ihn und Silvia Gonzalez Algaba geht es zurück zum Rathaus. Später Feierabend. Morgen ist ein neuer Tag. Mit neuen Kontrollen. Verbunden mit der Hoffnung, dass der Pandemieverlauf in absehbarer Zeit eine Lockerung der Maßnahmen hergibt. Denn, so formuliert es Silvia Gonzalez Algaba: „Eine Ausgangsbeschränkung ist und bleibt eine scharfe Einschränkung.“

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