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Corona im MK: Stundenlanges Warten am Impfbus

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Von: Thomas Machatzke

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Impfbus in Schalksmühle
Ein Schlange rundherum um den Rathausplatz und weiter bis zum Dönerladen von Harry Kutlu: Der Impfbus lockte am Mittwochnachmittag so viele Menschen in Dorf wie schon lange keine Veranstaltung mehr. © Thomas Machatzke

Eine Schlage bis zum Dönerladen an der Bahnhofstraße, wartende Menschen im Regen auf dem gesamten Rathausplatz: Der Impfbus des Märkischen Kreises und sein Gastspiel auf dem Schalksmühler Rathausplatz am Mittwochnachmittag.

Schalksmühle – Als um kurz vor 13 Uhr die Gemeinde am Rathausplatz die Pavillons an der Einstiegsseite der Impfbusse aufbaut, ist Bernd Michels schon da. „Zehn vor eins“, sagt der Lüdenscheider, der sich am Samstag das Treiben rund um den Impfbus am Lüdenscheider Rosengarten angeschaut hat. Er ist einer von denen, die damit gerechnet haben, dass es so werden würde, wie es nun gekommen ist.

Im Café über dem Rathausplatz sitzt André Piotrowski. Doppelt geimpft, trinkt er einen Kaffee. Es sind nun noch 15 Minuten bis zur Öffnung des Impfbusses. Er erzählt von einer Bekannten, die dort auch ansteht, noch gar nicht geimpft ist. „Hätte sie einfacher haben können“, sagt er mit Blick auf die lange Schlange, die sich vom Bus bis zum Ende des Platzes schlängelt, dann weiter an der Volksbank, am Blumenladen und der Eisdiele vorbei bis zum Dönerladen von Harry Kutlu. Teilweise vier bis fünf Personen nebeneinander. „So voll war es in Schalksmühle schon lange nicht mehr“, sagt Piotrowski und lacht.

Als die Uhr kurz nach 14 Uhr zeigt, steht Bernd Michels quasi in erster Reihe mit seinen Schützlingen vom inab, dem Bildungsdienstleister. Drei Jungen, die in den Bildungsstätten am Wendelpfad und an der Sedanstraße auf ihr Berufsleben vorbereitet werden. Sie kommen aus dem gesamten Kreisgebiet, einer von ihnen aus Plettenberg. Michels betreut sie. „Ich habe die Drei überzeugen können, sich impfen zu lassen“, sagt Michels, während das Trio gerade die Formulare ausfüllt, die für den Piks nötig sind. „Weil ich schon mal dabei bin, lasse ich mich auch direkt boostern“, sagt Michels. Für ihn wird der Impfausflug bald zu Ende sein.

Corona im MK: Stundenlanges Warten am Impfbus

Andere müssen länger warten. Weit vorne in der Schlange hält Detlef Preuß den Schirm für sich und seine Lebensgefährtin. Es hat angefangen zu regnen. Novemberwetter. „Ich bin schon geboostert“, sagt der Rotthausener, „aber meine Lebensgefährtin noch nicht.“ Preuß schauf auf den Platz, dann sagt er: „Jetzt ist der Druck so groß, jetzt kommen alle. Na klar, sie wollen ja auch noch am Leben teilnehmen. Das geht ja sonst nicht mehr.“

Impfbus in Schalksmühle
Bernd Michels und drei seiner inab-Schützlinge: Bereit für Impfung im Impfbus des Märkischen Kreises. © Thomas Machatzke

Es ist der Mittwoch vor dem MPK-Donnerstag. Die letzten dieser Treffen in Berlin liegen noch nicht so lange zurück, dass allein ihre Ankündigung nicht für bange Gespanntheit sorgt. Die Menschen treten in Vorleistung. Die Corona-Sorgen sind zurück. Auch Altbürgermeisterin Heide Bachmann will sich ihre Drittimpfung abholen.

Eigentlich war die Heedfelderin früh im Dorf. „Viel zu früh, habe ich gedacht, und bin noch einkaufen gegangen“, sagt die Frau, die in den 90er-Jahren die Nachfolgerin von Conny Mühlen im Bürgermeisteramt des Ortes war. Als der Einkauf eingetütet war, war die Schlange so lang, dass sich Bachmann nun auf die Bank vorm Rathaus gesetzt hat. So langes Stehen geht nicht mehr. Aber sie wartet geduldig ab.

Impfbus in Schalksmühle
Auch Altbürgermeisterin Heide Bachmann (rechts) wartete auf der Rathausbank auf ihre Drittimpfung. © Thomas Machatzke

Geduld braucht Sigrid Götz nicht. Auch sie ist mit Ehemann Helge ins Dorf gekommen, um sich boostern zu lassen. „Zehn Tage fehlen mir“, sagt die Seniorin, die als Gesundheitsbeauftragte im Turngau durchaus eine besondere Affinität zu Gesundheitsthemen hat. Ihre Zweitimpfung liegt noch nicht lange genug zurück. Beim Warten hat dies bereits ein Helfer abgefragt. Ehemann Helge dürfte sich schon impfen lassen – aber jetzt verschieben es beide um diese zehn Tage. „Auf jeden Fall will ich nicht erst im Februar die Drittimpfung bekommen“, sagt Sigrid Götz, „beim Hausarzt komme ich aber vorher nicht dran.“

Auf jeden Fall will ich nicht erst im Februar die Drittimpfung bekommen. Beim Hausarzt komme ich aber vorher nicht dran!

Sigrid Götz

Das Ehepaar Götz und Bernd Michels sind gegen 15 Uhr wohl schon wieder auf dem Heimweg oder zu Hause angekommen. Doch die Schlange ist auch nach einer Stunde noch beeindruckend lang, geht noch immer bis zur Eisdiele, einmal rundherum um den Platz. Der Regen begleitet sie wie ein treuer Diener. Doch am Ende des Nachmittags werden viele trotzdem zufrieden aufs Sofa fallen. Erstgeimpft oder drittgeimpft, auf jeden Fall einen Schritt weiter im Kampf gegen das Virus – und für ein relativ normales Leben.

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