Netzwerk Flüchtlingshilfe

Flüchtlingshilfe in Corona-Zeiten: Es fehlt das soziale Miteinander

Westfälischer Hof, Netzwerk Flüchtlinghilfe, Corona
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Durch die Corona-Krise fallen viele Angebote im Westfälischen Hof, die das soziale Miteinander fördern, aus.

Geflüchteten Menschen eine erste Orientierung in der Gemeinde geben, sie mit Möbeln und Bekleidung ausstatten, sie bei Behördengängen unterstützen und vor allem den Austausch mit anderen fördern, diesen Aufgaben geht normalerweise das Netzwerk Flüchtlingshilfe nach. Corona bringt allerdings deutliche Einschnitte bei diesen Hilfsleistungen.

Schalksmühle – Noch bis November laufen im Begegnungszentrum Westfälischer Hof, dem Dreh- und Angelpunkt der Flüchtlingshilfe an der Hälverstraße, Sprachkurse für Menschen, die aus ihren Heimatländern fliehen mussten und sich in Schalksmühle integrieren wollen. Und das, obwohl die Pandemie auch die Arbeit der Ehrenamtlichen dort fest im Griff hat.

Möglich sei dies aber nur, weil es nur noch wenige Menschen sind, die dieses Angebot wahrnehmen, erklärt Irmtraud Quenzel, eine der zentralen Figuren in der Integrationsarbeit in der Gemeinde. „Durch Corona ist alles durcheinander gekommen. So fanden viele Integrationskurse in Lüdenscheid überhaupt nicht oder verspätet statt. Das war alles nicht so geplant.“

Vor gut einer Woche haben die Verantwortlichen des Netzwerks beschlossen, die Türen des Begegnungszentrums zu schließen – als Vorsichtsmaßnahme, wie Irmtraud Quenzel betont. „Die Familien sind sehr vorsichtig und unsicher geworden. Sie wollen sich schützen. Zudem haben wir auch aus Selbstschutz für die Helfer geschlossen.“

Das Begegnungszentrum Westfälischer Hof an der Hälverstraße ist die Anlaufstelle für Flüchtlinge in Schalksmühle. Durch Corona sind die Türen aber geschlossen.

Es seien nicht mehr viele Menschen, die auf die Hilfe des Netzwerks angewiesen sind. „Viele von denen, die in 2015/16 nach Schalksmühle kamen, sind mittlerweile angekommen. Sie haben unsere Unterstützung sehr gut angenommen und wursteln sich jetzt selbst durchs Leben. Sie haben Freunde gefunden und können sich so auch gegenseitig helfen.“ Viele hätten mittlerweile eine Arbeit oder einen Ausbildungsplatz. Neue Zuweisungen seien nicht angekündigt. Dennoch brauchen die Flüchtlinge bei manchen Belangen auch weiterhin noch die Tatkraft von Irmtraud Quenzel und ihren Mitstreitern. Das Ausfüllen von Formularen, etwa für das Jobcenter, werde entweder kurzerhand bei einem schnellen Termin im Westfälischen Hof oder auch auf digitalem Weg erledigt. „Die Flüchtlinge fotografieren die Papiere ab und schicken uns die Bilder. Herr Dulas von der Gemeinde oder ich telefonieren dann teilweise mit den Behörden. So muss man sich nicht persönlich treffen.“

Die Familien sind sehr vorsichtig und unsicher geworden.

Irmtraud Quenzel Netzwerk Flüchtlingshilfe

Trotz aller Bemühungen, während der Corona-Krise den Menschen weiter unter die Arme greifen zu können, bleibt vor allem eine wichtige Sache auf der Strecke. „Das soziale Miteinander fehlt“, bedauert die Ehrenamtliche. Nicht nur im Begegnungszentrum, wo Irmtraud Quenzel und die weiteren Helfer regelmäßig etwa zu Kochabenden einluden. Auch unter den Familien ist der Kontakt sehr eingeschränkt. „Viele halten sich zurück. Die Menschen kennen die Covid-Zahlen aus ihren Heimatländern. Es gibt weniger Treffen, weniger Einkäufe.“ Für die Einschränkungen durch die Corona-Schutzverordnungen haben die Geflüchteten „vollstes Veständnis“, weiß Irmtraud Quenzel. Mit Blick auf die Ansteckungsgefahr habe sogar der Westfälische Hof, der die Menschen sonst mit kleinen Besonderheiten angelockt hat, an Reiz eingebüßt. „Es gibt wenig Interesse, dort hinzugehen.“ Gerade die jungen Familien – es gab insgesamt sieben Geburten in der Vergangenheit – versuchen, sich zu schützen. „Zum Glück sind wir nicht total isoliert, wie vor dem Sommer“, versucht die Helferin einen kleinen Lichtblick zu geben.

Kreativität in der Flüchtlingshilfe beweisen

Corona hat viele Dinge verändert. Die Zeiten ändern sich und auch das Netzwerk müsse regelmäßig etwas Neues finden, um die Menschen an das Begegnungszentrum zu binden. „Wir müssen Kreativität beweisen und uns an die Situation anpassen.“

Bis Ende Oktober bleibt der Westfälische Hof geschlossen. Für die Herbstferien wurde ein Sportcamp für zwölf Flüchtlingskinder bei den SGSH Dragons organisiert. Wie es dann weitergeht, dass weiß die Helferin nicht.

Zahl der Flüchtlinge in Schalksmühle

Insgesamt leben 87 Menschen in der Gemeinde, die Unterstützungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) erhalten. 

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