Schnelltest vor dem Friseurtermin

Wer schön sein will, muss testen: Corona-Alltag bei den Friseuren

Friseure, Corona-Alltag, Schalksmühle
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Stammkundin Lucy Kij geht trotz Testpflicht zum SG Haarstudio und lässt sich von Lorelana Garufi weiterhin die Haare blondieren.

Wer schön sein will, muss testen. Seit diesem Monat ist der Zutritt zu Friseur-Salons nicht mehr ohne Coronatest erlaubt. Negativ muss er sein und nicht älter als 24 Stunden. Was für mehr Sicherheit bei den Kunden sorgen soll, sorgt wieder einmal für mehr Verzweiflung bei den Friseuren.

Schalksmühle – Die Auftragsbücher bei den Friseuren bleiben überwiegend leer - auch Schalksmühle. Grund dafür sind die Corona-Regeln, die einen negativen Schnelltest vor dem Friseurbesuch vorschreiben.

„In der vergangenen Woche hatten wir nur Absagen. Es gab kaum etwas zu tun“, beschreibt Olga Schäfer, Inhaberin vom Haarstudio Schäfer, die angespannte Lage. Einen Test vor der Tür zu machen, wie das Gesetz es verlangt, dazu seien die meisten Kunden nicht bereit. Es gibt in Schalksmühle auch ein Testzentrum, in dem ganz unproblematisch die benötigte Bescheinigung erhältlich ist, doch „das ist nur von 10 bis 15.30 Uhr geöffnet. Berufstätige haben kaum eine Gelegenheit, sich zu diesen Zeiten dort testen zu lassen“, weist die Coiffeurin auf die Nachteile hin. Ihr wäre ein kompletter Lockdown lieber als ein geöffnetes Geschäft fast ohne Kundschaft.

Selbsttest direkt vor dem Schaufenster?

Nicht viel anders sieht es im SG Haarstudio aus. „Seitdem die Tests von den Kunden gemacht werden müssen, sind die Termine wie abgeschnitten gewesen“, sagt Inhaberin Julia Schmidtke. Die Gründe dafür sind für sie nicht unbedingt nachvollziehbar. „In unserem Testzentrum scheint es ganz unkompliziert und gut zu laufen. Aber es gibt ja auch Berufstätige, die zeitlich nicht so flexibel sind.“

Mit der Vorstellung, einen Test vor Ort machen zu lassen, kann sie sich gar nicht abfinden. Die Kunden direkt vor dem Schaufenster beim Selbsttest zu beobachten, „das geht gar nicht“. Im Salon sei es auch nicht möglich, weil dazu die Maske entfernt werden müsse, und im Falle eines positiven Ergebnisses müsse der komplette Salon geschlossen werden.

Der März war natürlich ungewöhnlich gut. Dass das jetzt wieder abreißt, war schon klar. 

Julia Schmidtke vom SG Haarstudio

Dass die Auftragslage derzeit nicht mehr so rosig ist, wie kurz nach dem Lockdown, das wundert Julia Schmidtke nicht. „Der März war natürlich ungewöhnlich gut. Dass das jetzt wieder abreißt, war schon klar. Aber es kommt jetzt wohl einiges zusammen.“ Die Osterwoche sei bereits so ruhig gewesen, wie noch nie zuvor. Momentan gäbe es auch keinen Anlass, um sich die Haare machen zu lassen. Sogar im privaten Bereich sei man so eingeschränkt, dass dort kaum etwas stattfindet, wofür sich das Haarestylen durch den Profi lohnen würde.

Jennifer Binder (rechts), Leiterin des Salons von Martina Asbeck, frisiert Andrea Thiede. Binder befürchtet, dass dem Salon das Aus droht, wenn die Pandemie noch länger andauert.

Noch in der vergangenen Woche hat sie sich einen kompletten Lockdown gewünscht. In dieser Woche kommen zumindest wieder einige Kunden mehr ins SG Haarstudio. Dabei partizipiert die Inhaberin auch von der Not ihrer Berufskollegen: „Ich habe einige Neukunden, deren Friseur anscheinend nicht mehr existiert.“

Jennifer Binder, Leiterin des Salons von Martina Asbeck, bringt die pandemie-gebeutelte wirtschaftliche Situation des Geschäfts auf den Punkt: „Es ist nicht mehr fünf vor zwölf, es ist schon fünf nach zwölf. Wenn die Kunden das nicht bald so annehmen, ist es hier vorbei. Das kann man nicht alles ewig überbrücken.“ Sollten wegen der Tests die Friseurbesuche weiterhin ausfallen, würde es für den Salon keine Zukunft mehr geben.

Falsche Testergebnisse sorgen für Probleme

Zusätzliche Schwierigkeiten bereiten ihr auch falsche Testergebnisse. „Es waren vier Kunden, die sich im Testzentrum testen ließen, falsch positiv. Der PCR-Test hat dann zwei Tage später doch ein negatives Ergebnis geliefert.“ Der Termin beim Friseur musste deshalb abgesagt werden. Ein neuer Termin ist anschließend nicht ohne nochmaligen Test möglich.

Zumindest ein kleiner Lichtblick ist am Horizont zu erkennen. „Seit dieser Woche kommen wieder ein paar mehr Kunden. Sie haben Angst, dass es noch einen Lockdown gibt und alles wieder geschlossen wird.“ Tests für den Friseurbesuch hat Jennifer Binder vorrätig. Die Kunden erhalten ihn, wie bei fast allen anderen Friseuren, zum Selbstkostenpreis.

Getestet werden muss draußen vor dem Fenster, um Manipulationen vorzubeugen. Was allerdings passieren muss, wenn ein Test positiv ausfällt, das wurde den Friseurinnen nicht gesagt. „Wir haben nicht einmal eine Information bekommen, wie wir uns verhalten sollen, wenn ein Kunde positiv ist. Ich weiß nicht, ob wir das melden müssen, ihn nach Hause oder zu einem Arzt schicken sollen.“

Das sei bisher zwar noch nicht vorgekommen, doch die Friseurin weiß sich zu helfen: „Wir haben den Vorteil, dass direkt gegenüber eine Arztpraxis ist. Da würde ich mich im Falle eines positiven Tests sofort melden.“ Die Möglichkeit eines Selbsttests würde aber ohnehin nicht wahrgenommen. Alle Kunden kämen direkt vom Testzentrum zum Salon.

Ab dem 1. April hat sich die Kundenzahl halbiert.

Valentina Sperling von Valentinas Creativ Friseur

„Ab dem 1. April hat sich die Kundenzahl halbiert“, klagt auch Valentina Sperling, Inhaberin von Valentinas Creativ Friseur. Doch nicht nur die Quantität der Kunden bereitet ihr Probleme: „Viele Ärzte sagen anscheinend, dass kein Test mehr notwendig ist, wenn man geimpft ist. Ich habe gerade nochmals mit der Handwerkskammer gesprochen. Auch die haben mir gesagt, dass trotz Impfung noch die Möglichkeit besteht, andere anzustecken. Ein Test ist also immer erforderlich.“ Viel Zeit verbringt die Friseurin deshalb damit, ihren Kunden zu erklären, dass sie trotz Impfung nicht ohne Test kommen dürfen.

Nicht alle wollen kostenpflichtigen Test nutzen

Den kostenpflichtigen Selbsttest möchten nur wenige nutzen, weil sich der Friseurbesuch dadurch verteuert. „Nicht alle schaffen es aber zum Testzentrum, besonders wenn sie berufstätig sind, und ein Arztbesuch kostet viel Zeit.“ Aufgrund dieser Hürden kämen derzeit auch gar keine Kinder zu ihr, sagt sie. Momentan müssen auch in ihrem Salon die Mitarbeiterinnen mit Kurzarbeit leben.

Einen kompletten Lockdown fände Valentina Sperling allerdings noch schlimmer: „Dann hätten wir vorher wieder einen riesigen Andrang und auch nach dem Lockdown. Das ist organisatorisch ein großes Chaos, kostet uns viele Nerven und viel Kraft. Dann arbeiten wir lieber mit Tests und Kurzarbeit.“ Außerdem würde das die Schwarzarbeit fördern, ist sie sicher.

Wesentlich weniger Kunden.

Frank Schmidt vom gleichnamigen Haarstudio

„Wesentlich weniger Kunden“ hat auch Frank Schmidt vom gleichnamigen Haarstudio. „Wir hatten einen super März. Als das dann mit dem Testen anfing, ging es deutlich zurück.“ Tests habe er auch gekauft. Von älteren Kunden würde diese Möglichkeit auch relativ gut angenommen. Er sei froh, dass er zumindest öffnen kann. „Es dauert eine Zeit, bis sich die Kunden daran gewöhnen. Viele lassen die Haare wohl auch lieber dran, bevor sie neben dem Haarschnitt auch noch den Test bezahlen müssen.“

Zweieinhalb Monate musste auch sein Salon geschlossen werden. „Für diese Zeit haben wir keine Unterstützung bekommen“, sagt Frank Schmidt. „Das war schon im wahrsten Sinne des Wortes haarig und wir standen kurz vorm Existenzminimum.“ Lediglich eine finanzielle Unterstützung für die Betriebskosten könne er für diese Zeit geltend machen, „und selbst davon werden nur ein paar Prozent erstattet. Da verzichte ich lieber drauf, bevor ich es wieder zurückzahlen muss“.

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