Corinna Dietz arbeitet seit Herbst als Tagesmutter

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Nach dem Mittagessen wird gemalt. Damit die Kinder mehr Platz haben, plant Tagesmutter Corinna Dietz, im Untergeschoss ihres Hauses ein Spielzimmer einzurichten. „Ansonsten halten wir uns im Wohnzimmer, in der Küche und im Schlafzimmer auf“, erklärt Dietz.

SCHALKSMÜHLE - Einträchtig sitzen sich Ronja und Felina am Küchentisch gegenüber, teilen schwesterlich die Mandarinenscheiben. Plötzlich ist Schluss mit der Harmonie: Das letzte Stück Obst will Felina dann doch nicht hergeben. „Das Teilen müssen wir noch lernen“, sagt Corinna Dietz und streicht ihrer Tochter über den Kopf. „Vor allem aber das Mama-Teilen.“

Denn seit einigen Wochen teilt die eineinhalbjährige Felina ihre Mutter mit der gleichaltrigen Ronja und dem dreijährigen Zwillingspaar Franziska und Leon – denn Corinna Dietz ist Tagesmutter. Bis zu fünf Kinder kann sie nun zuhause bei sich aufnehmen. Auch wenn das tägliche Miteinander noch neu für die Kinder ist, klappt das Zusammensein sehr gut.

Die Betreuungszeiten des „Zwergenaufstands“ sind von 7 bis 18 Uhr. „Nach Absprache kann ich ein Kind aber auch mal länger betreuen“, sagt Corinna Dietz. Die Urlaubszeiten sind klar geregelt: Eine Woche für Ostern, drei Wochen in den Sommerferien und in der Zeit zwischen Weihnachten und Silvester.

Wer sich für einen Betreuungsplatz interessiert, kann sich unter Tel. 02355/8889889 an die Schalksmühlerin wenden. Bei der Awo Hagen-MK steht Daniela Wall unter Tel. 02351/381897 zur Verfügung.

Die Idee, sich zur Tagesmutter weiterbilden zu lassen, hatte die gelernte Industriekauffrau schon länger. Nach der Geburt von Felina wurden die Überlegungen konkret, die Schalksmühlerin meldete sich für die Schulung des Jugendamtes an. Die Abendkurse fanden zwei Mal die Woche über ein halbes Jahr verteilt statt. Gleichzeitig wurde das Zuhause von Familie Dietz überprüft. „Die Mitarbeiterin schaute, ob die Räume passen. Ob es Platz für die Kinderbetten gibt oder ob die Kinder die Möglichkeit haben, draußen zu spielen“, erklärt die 37-Jährige. Nach erfolgreicher Prüfung erhielt sie die Pflegeerlaubnis durch das Jugendamt.

Auch wenn die Planung feststand, war die Umstellung zunächst groß. Das Wohnzimmer musste kindersicher gemacht, Steckdosen verschlossen und Türgitter angebracht werden. Doch auch wenn Familie Dietz ihr Zuhause nun mit anderen Kindern teilt, bleiben einige Räume privat. „Das Zimmer meiner älteren Tochter ist für die Kleinkinder tabu. Mir ist wichtig, dass ihre Privatsphäre gewahrt bleibt, auch wenn andere Kinder im Haus betreut werden.“

Für Corinna Dietz selbst war die neue Tätigkeit auch zunächst ungewohnt. „Ich arbeite nun Vollzeit, aber das in meinem eigenen Haus. Da ist eine Abgrenzung wichtig.“ Dazu gehöre auch, am Abend die Spielsachen wegzupacken und den eigenen Lebensraum sozusagen zurückzuerobern.

Der Tagesablauf ist unter der Woche nun durchgeplant. Morgens wird Ronja um 8.30 Uhr zu Corinna Dietz gebracht, dann wird gemeinsam gefrühstückt. „Viele denken, dass die Betreuung durch eine Tagesmutter teurer sei. Dabei zahlen die Eltern denselben Betrag wie für einen Kindergartenplatz. Und der hängt vom Einkommen der Familie ab“, sagt Dietz. Die Verpflegung, also Frühstück, Mittagessen und gesunde Snacks zwischendurch werden extra berechnet. „Ich koche jeden Tag frisch und hänge montags einen Speiseplan auf, damit die Eltern sehen können, was angeboten wird.“

Flexibel auf Bedürfnisse eingehen

Die Kinder sind von der Küche ins Wohnzimmer umgezogen. Auf dem Teppich ist eine große Kiste umgekippt, die beiden Kleinen hängen sich und ihren Puppen bunte Perlenketten um. „Sie spielen wie Freundinnen“, sagt Corinna Dietz, die die Kinder fest im Blick hat. Der große Vorteil gegenüber der Betreuung in einer Kita sei, dass die Tagesmutter mehr Zeit für die einzelnen Kinder habe. „Ich kann flexibel auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen. Gleichzeitig ist die Atmosphäre hier sehr familiär und die Kleinen haben eine feste Bezugsperson.“ Bevor Corinna Dietz ein Kind bei sich aufnimmt, findet ein Kennenlernen statt. „Es ist wichtig, dass die Chemie zwischen Eltern und Tagesmutter stimmt. Denn schließlich geben sie das Wichtigste in ihrem Leben in fremde Obhut.“

Für die nächsten Monate hat Corinna Dietz bereits Pläne, wie sie die Betreuung weiter optimieren kann. Dazu gehören auch Umbaumaßnahmen. „Wir möchten zum Beispiel im Untergeschoss einen Spielraum gestalten, der etwas unempfindlicher ist.“

Generell sei ihre neue Tätigkeit als Tagesmutter eine Bereicherung für ihre Töchter. „Meine ältere Tochter Leonie freut sich, dass ich jetzt zuhause bin, wenn sie aus der Schule kommt. Und auch wenn Felina anfangs geschafft vom Alltag war, ist das für ihre Entwicklung förderlich. In diesem Alter zu lernen, dass Teilen zum Leben dazu gehört, ist nicht einfach. Und jetzt lernt Felina außerdem, dass es durchaus okay ist, auch seine Mama mal zu teilen.“

Alisa Kannapin

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