Coaching aus der Ferne

Auf der großen Modemesse „Peru Moda“ präsentierte sich die Strickerei Qilliy 2013 bereits erfolgreich. Christian Cordt (Mitte) wird die Frauen im April beim zweiten Messeauftritt unterstützen.

SCHALKSMÜHLE/AREQUIPA - Fast drei Jahre verbrachte Familie Cordt aus Schalksmühle in Arequipa in Peru und leistete dort Entwicklungshilfe im Rahmen eines Projektes des peruanischen CVJM (ACJ). Seit Juli 2013 sind Christian und Katja Cordt mit ihren Töchtern Jordana und Catalina nun zurück in der Volmegemeinde.

Ein halbes Jahr ist seit ihrer Rückkehr vergangen. Die Familie hat sich langsam wieder eingewöhnt in Deutschland. Aber das Fernweh bleibt. Genauso wie der Kontakt nach Arequipa und die Anteilnahme an den dort angestoßenen Projekten in Horacio, einem Armenviertel vor den Toren der zweitgrößten Stadt Perus.

Die kleine Strickerei Qilliy liegt Christian Cordt, Diplombetriebswirt und Lehrer, besonders am Herzen. Während der vergangenen drei Jahre hat er eine Gruppe von größtenteils alleinerziehenden Müttern aus Horacio dabei unterstützt, sich mit dem kleinen Unternehmen selbstständig zu machen. Heute arbeiten dort regelmäßig 18 Frauen plus fünf Springerinnen. Die wenigsten sind jedoch festangestellt. Das bedeutet, nur wenn ständig ausreichend Aufträge da sind, bekommen auch alle genug Gehalt.

Keine Nachfolge für Projekt

Die Frauen produzieren Alpaka-Strickwaren für drei größere Kunden in Arequipa. Darüber hinaus versuchen sie, ihre eigene Alpaka-Strickkollektion zu vermarkten. Aber gerade das gestaltet sich nach dem Weggang der Familie Cordt schwierig. Denn Verhandlungen und Kundenakquise sind für die meisten Frauen bei Qilliy Neuland. Und einen Nachfolger für Christian Cordt gibt es in Arequipa nicht.

„Aber auch von Schalksmühle aus bin ich regelmäßig in Kontakt mit den Frauen aus der Strickerei“, erzählt Cordt. Ob per E-Mail, via Skype oder am Telefon – er versucht, das junge Unternehmen so gut wie möglich aus der Ferne zu unterstützen. „Die Frauen schaffen es, aber es gibt immer wieder Dinge, die sie zurückwerfen. Sie leiden zum Beispiel immer noch darunter, dass ihre frühere Buchhalterin sie um viel Geld betrogen hat“, erzählt Cordt.

Umso wichtiger ist es aus Sicht des Entwicklungshelfers, dass sich das junge Unternehmen ein zweites Mal auf der großen Modemesse „Peru Moda“ in der Hauptstadt Lima mit seiner Kollektion präsentiert. „Nach unserem Auftritt dort im April 2013, könnten wir so zeigen, dass das Projekt keine Eintagsfliege ist“, sagt Cordt.

Unternehmen ist auf Spenden angewiesen

Prom Peru, die staatliche Förderungskommission für Export und Tourismus, und die Schmitz-Stiftungen in Düsseldorf unterstützen Qilliy. Dennoch ist das kleine Unternehmen, vor allem für einen erfolgreichen Messeauftritt, weiter auf Spenden angewiesen. Denn noch gibt es viel vorzubereiten. Christian Cordt will dabei nicht nur aus der Ferne coachen, sondern sich im April auf eigenen Kosten selbst noch einmal auf den Weg nach Peru machen, um das kleine Unternehmen auf der „Peru Moda“ zu verstärken.

„Wir wollen die guten Kontakte, die beim letzten Mal entstanden sind, weiter ausbauen“, erklärt der Schalksmühler. Er ist sich sicher, dass die Frauen von Qilliy dabei eine gute Chance haben. Als eines der ganz wenigen Unternehmen in Arequipa haben sie das „Fair Trade Label“ zuerkannt bekommen. „Das ist vor allem wichtig für ausländische Kunden“, erklärt Cordt.

Qilliy – das heißt auf Quechua „Zusammenkommen“. „Das ist auch die Idee des Projektes. Es geht nicht nur um wirtschaftlichen Erfolg, sondern darum, die Gemeinschaft der Menschen von Horacio zu stärken“, sagt Christian Cordt.

Trotz der großen Entfernung zu der Stadt in den Anden ist die Familie Cordt immer noch sehr eng mit der alten Wahlheimat verbunden. Am liebsten würden alle vier im April in den Flieger steigen, um ihre Freunde dort zu besuchen.

Spenden mit Spendenbescheinigung für die Arbeit von Qilliy: Ev. Kirchengemeinde Brügge, Kto. 562, Sparkasse Lüdenscheid, BLZ 45850005, Vermerk: Spende Familie Cordt, ACJ Peru. Mehr Infos zu der Strickerei und ihren Zielen gibt es auch auf der Webseite des Unternehmens www.qilliy.com.

Von Marit Schulte

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