Chance für Primus-Schule groß

SCHALKSMÜHLE -  Der Reigen an Informationsveranstaltungen zur „Neuen Schule Schalksmühle“ ging am Mittwochabend im Pädagogischen Zentrum (PZ) Löh in die nächste Runde. Angesprochen waren diesmal alle Eltern von Kindergartenkindern und Grundschülern, die von der Einladung regen Gebrauch machten.

Neben Schulplaner Joachim Körbitz standen der Dezernent der Bezirksregierung Arnsberg, Thomas Müller, zuständig für die Genehmigung und Aufsicht der Primus-Schule, sowie Sabine Stahl, Schulaufsichtsbeamtin des Märkischen Kreises, den mehr als 150 Eltern und Interessenten Rede und Antwort. Bürgermeister Jörg Schönenberg bekräftigte im Rahmen seiner Begrüßung noch einmal die Notwendigkeit und die Richtigkeit der Entscheidung, Politik, Verwaltung, Eltern und Lehrkräfte gleichermaßen mit ins Boot zu holen.

Im Anschluss stellte Thomas Müller das Modell der für Schalksmühle favorisierten Schulform, der Primus-Schule, im Detail vor. Bei der Primus-Schule handelt es sich um ein Modellprojekt, das in Nordrhein-Westfalen insgesamt 15 Mal realisiert werden soll. Ziel ist die Erprobung des Zusammenschlusses von Grundschulen mit Schulen der Sekundarstufe zu einer einheitlichen Schule.

Die Chancen, dass Schalksmühle bei Erfüllung aller Kriterien den Zuschlag erhalte, sei groß, betonte Müller, denn bislang seien noch nicht so viele Bewerbungen eingegangen, dass diese die Zahl der geplanten Primus-Schulen übersteige. Die Ziele des Modellprojektes sind vielfältig.

So erhoffen sich die Initiatoren unter anderem positive Auswirkungen des längeren gemeinsamen Lernens auf das Lernverhalten, die Leistungsentwicklung und das Sozialverhalten der Schüler, eine intensive Bindung der Grundschüler an die Schule in der Sekundarstufe 1 sowie die Einbeziehung der Arbeit der Primarstufe in die der weiterführenden, allgemeinbildenden Schulen.

Die Bestandteile der Primus-Schule sind vielfältig und unterscheiden sich in nicht unerheblichem Maße vom gewohnten Schulsystem. Sie beinhalten unter anderem alternative Formen der Leistungsbewertung mit einem Verzicht auf die Ziffernnoten bis Klasse acht. Die konventionelle Benotung wird dabei durch pädagogische Entwicklungsberichte ersetzt, die stärkenorientiert verfasst werden, gleichzeitig jedoch aufzeigen, welche Schwächen des Schülers abgearbeitet werden müssen.

Der „Frontalunterricht“ wird auf ein Minimum reduziert, stattdessen lernen die Schülerinnen und Schüler in jahrgangsübergreifenden und jahrgangsbezogenen Lerngruppen mit fächerübergreifendem Unterricht. Dabei findet ein schulstufenübergreifender Einsatz sowie eine Zusammenarbeit der Lehrkräfte mit unterschiedlichen Lehrämtern statt.

Abschließend erläuterte Thomas Müller die Art der konkreten Umsetzung dieser Bestandteile. „In der Primarstufe wird das Modell des offenen Ganztags, spätestens ab der fünften Klasse der gebundene Ganztag umgesetzt“, so der Referent. Bei Errichtung der Schule müssen in der Regel drei Parallelklassen zu je 25 Schülern zusammenkommen. In Ausnahmefällen – und das wäre auch für Schalksmühle zutreffend – ist auch eine Zweizügigkeit möglich.

Das heißt, dass Schalksmühle für den Start der Primus-Schule jeweils 50 Anmeldungen von Schalksmühler Kinder in den Eingangsklassen eins und fünf benötigt. Im weiteren Verlauf ist eine Bandbreite von 18 bis 30 Schülern pro Klasse möglich. Der Klassenfrequenzrichtwert liegt bei 24. Die Schulleitung übernimmt nicht ein einzelner Lehrer, sondern ein Gremium aus insgesamt fünf Lehrkräften.

Schulplaner Joachim Körbitz erläuterte im Anschluss die bisherigen Ergebnisse der Pädagogischen Arbeitsgruppe, die jedoch zunächst nur einen vorläufigen Charakter haben, bis sie endgültig von den politischen Gremien auf den Weg gebracht werden. Auch im Bezug auf das Verfahren, wie genau die Einbindung der räumlich weit voneinander entfernten Grundschulen Spormecke und Löh in die Primus-Schule erfolgen wird, konnten lediglich unterschiedliche Möglichkeiten erörtert werden, da nicht zuletzt das Lehrerkollegium der Grundschule Spormecke, diederzeit ohne Schulleitung arbeitet, noch konkrete Entscheidungen treffen muss. Abschließend mahnte Körbitz neben der Förderung schwächerer Schüler auch die der hochbegabten Kinder und Jugendlichen an, deren Potential durch das derzeitige Schulsystem nicht ausreichend nutzbar gemacht werde. „Dies wird auch eine Aufgabe der Primus-Schule sein“, erklärte der Schulentwickler. - bot

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