Opernband begeistert Zuschauer im ausverkauften PZ

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Die Mezzosopranistin Anne Byrne spielte während des Auftritts die Rolle der Carmen.

Schalksmühle - Ihr Versprechen: mehr Spaß als bei Wagner, vielleicht so viel wie bei Rossini, auf jeden Fall der größte Spaß, den man in der Oper haben kann. Ihr Auftritt: ein Überraschungscoup mit Wow-Effekt. Selbst Opern-Muffel lockte „The Cast – Die Opernband“ am Freitagabend im Pädagogische Zentrum (PZ) Löh mit einem ebenso witzigen wie stimmlich grandiosen Abend aus der Reserve.

Mit stehenden Ovationen feierten die Besucher die Popstars unter den Opernsängern. Sogar die wohlweislich einkalkulierte Zugabe reichte nicht aus, um die Opernlust des begeisterten Publikums zu befriedigen. Es machte einfach Spaß, den sechs Freunden aus Amerika, Chile und (Nord-) Deutschland bei ihrem mitreißenden Sangesfest voller Charme, Witz und Esprit über die Schulter zu schauen. In ihrem chinesischen Pianisten Yu Chen, der jeden Schabernack mitmachte und sich weder von einem „lebensmüden“ Papageno hinter sich auf dem Klavierhocker noch von einer sich lasziv auf dem Klavier räkelnden Carmen aus der Ruhe bringen ließ, fanden Allen Boxer (Bariton), Guillermo Valdez (Tenor), Till Bleckwedel (Bariton), Carrie Anne Winter (Sopran), Anne Byrne (Mezzosopran) und Bryn Vertesi (Sopran) einen kongenialen Begleiter. 

Die Band lieferte ein mitreißenden Sangesfest voller Charme, Witz und Esprit.

Ebenso unbekümmert wie die Sänger befreite Yu Chen die großen Arien, Duette und Chöre aus der Feder von Mozart, Händel, Verdi und Co. von allem Staub der Jahrhunderte und jeglicher Patina. Weder ein aufwendiges Bühnenbild noch opulente Kostümierung brauchten die sechs stimmlich hervorragend ausgebildeten Sänger, um Meisterwerken des Genres neues Leben einzuhauchen und sich selbst immer wieder ironisch und verschmitzt auf die Schippe zu nehmen. 

Alles, was sonst in der Oper ausdrücklich verboten ist, war erlaubt – angefangen beim Fotografieren bis zum Mitschmettern bekannter Lieder. Der Zauber unvergänglicher Opernhits wie „Libiamo ne’ lieti calici“ (La Traviata/Verdi), des „Zigeunerchors“ aus Verdis „Troubadour“ oder der „Habanera“ aus Bizets „Carmen“ ging dabei keineswegs verloren – im Gegenteil. „Hat jeder seinen Amboss mitgebracht?“, scherzte das Ensemble beim „Troubadour“. Statt Amboss schlagender Chorsänger sorgten am Freitag „Händeleute“ und „Fußleute“ aus Reihen des Publikums klatschend und stampfend für den zündenden Rhythmus bei dem feurigen, leidenschaftlichen Chor. 

Indem sie ihre Zuhörer an ihrer Begeisterung für die Musik und prägende Musikerlebnisse teilhaben ließen, gaben die sechs Könner jeder Nummer eine persönliche, unverwechselbare Note. Händels Kleopatra (CarrieAnne Winter) verwandelte sich da in eine starke Frau, die „Muckis“ zeigte. Verzweiflung und Hoffnung lagen in der Callas-Arie „La mamma morta“ aus dem Film „Philadelphia“ – emotional von „The Cast“ Mitbegründerin Bryn Vertesi interpretiert – nur einen Hauch auseinander.

The Cast zu Gast im PZ

Der vorwitzige Papageno (Till Bleckwedel) litt Höllenqualen, als er seine Papagena verloren glaubte. Donna Anna (Anne Byrne) bekam es gleich mit zwei Don Giovannis zu tun. Der Clou: Am Ende lagen sich die Männer in den Armen. Keine Anstrengungen scheute Guillermo Valdez, um Zuschauerin Jessi bei „Dein ist mein ganzes Herz“ zu betören und seine Konkurrenten auszustechen. Mit „Camelot“ machte Allen Boxer beeindruckend für amerikanisches Musiktheater Werbung. Große Stimmen und ein herrlicher Spaß: diese Opernband, die übrigens im September nächsten Jahres nach Halver kommt, überzeugte.

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