Erinnerung an Carl Benscheidt

Der spendable "Weihnachtsmann" - Erinnerung an eine Persönlichkeit

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Reiner Rutenbeck sieht im 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum guten Grund, an seinen Großonkel Carl Benscheidt, einen gebürtigen Halveraner, zu erinnern.

Schalksmühle - Der Schalksmühler Reiner Rutenbeck erinnert an Carl Benscheidt, der auch als spendabler "Weihnachtsmann" in Erinnerung behalten wird. 

"Zu Weihnachten gab es immer eine rote Postanweisung von Onkel Carl für alle Kinder der Sippschaft.“ Mit seinem Großonkel Carl Benscheidt (1858-1947), der aus Othmaringhausen in Halver stammte und als Gründer des Fagus-Werks in Alfeld (Leine) in die Geschichte einging, verbindet Reiner Rutenbeck vom Verein für Geschichte und Heimatpflege in Schalksmühle manch schöne Erinnerung. 

„Er war ein Bruder meiner Großmutter“, erzählt der Schalksmühler, der den erfolgreichen Schuhleistenfabrikanten, für den Bauhausgründer Walter Gropius 1911 ein innovatives Fabrikgebäude errichtete, als spendablen „Weihnachtsmann“ in Erinnerung behalten hat. „Die weihnachtlichen fünf Mark waren damals eine Menge Geld.“ Mehr als 20 Kinder beschenkte Benscheidt auf diese Weise. 

Benscheidts Fabrik wird in die Weltkulturerbeliste aufgenommen

Benscheidts Fabrik – Gropius‘ Erstlingswerk als Architekt – wurde 2011 vom Unesco-Welterbekomitee in die Weltkulturerbeliste aufgenommen. Kein Name fällt häufiger als der des Fagus-Werks, wenn es um die Ursprünge moderner Industriearchitektur geht. Angeregt durch das 100. Gründungsjubiläum des Bauhauses, mit dem Walter Gropius ein Neudenken in Kunst, Architektur, Design und Pädagogik in Gang setzte, kam Reiner Rutenbeck der Gedanke, an Carl Benscheidt und seine Zusammenarbeit mit dem Bauhausgründer zu erinnern. 

Carl Benscheidt selbst hat sein Leben in der Autobiografie „Aus meinem Leben“, von der der Schalksmühler ein Exemplar besitzt, niedergeschrieben. Überdies ist in dem reich bebilderten Buch „Fagus – Industriekultur zwischen Werkbund und Bauhaus“ von Annemarie Jaeggi Spannendes über den Unternehmer, seine innovativen Ideen und das Werk zu lesen. Wie sie schreibt, war Carl Benscheidt das älteste von zwölf Kindern. Gesundheitlich von schwächlicher Konstitution, kam er als Hoferbe nicht in Betracht. 

Durch gesunde Lebensweise und Naturheilverfahren verbesserte sich sein Gesundheitszustand. Auf die Schuhleisten, die er später in seiner eigenen Firma produzierte, wurde er in den Naturheilanstalten von Arnold Rikli in Veldes aufmerksam. „Dieser befasste sich mit den Ursachen der Fußleiden vieler Patienten, die er auf die unphysiologische Form der Schuhe zurückführt“, schreibt Jaeggi. „Bis dahin wurden Schuhe rechts und links identisch hergestellt“, bestätigt Reiner Rutenbeck. Schuhe mussten „eingelaufen“ werden, auch wenn dies den Fuß schädigte. Rikli ließ fußgerechte Schuhe mit Leisten, die er aus der Schweiz einführte, herstellen. 

Differenzen mit den Erben

In seinem ersten eigenen Unternehmen, mit dem er sich in Hannover selbstständig machte, griff Carl Benscheidt Riklis Ideen auf. 1887 folgte er dem Ruf des Schuhleistenfabrikanten Carl Behrens und ging als technischer Betriebsführer nach Alfeld. Nach dessen Tod kam es zu Differenzen mit den Erben, sodass er sich noch einmal an die Gründung eines eigenen Unternehmens wagte und in Walter Gropius und seinem Mitarbeiter Adolf Meyer die idealen Partner für den Bau seines Fagus-Werks fand. 

Wie Reiner Rutenbeck erzählt, war Gropius der Schwiegersohn des damaligen Landrats von Alfeld. Den Vorentwurf für das Fabrikgebäude fertigte der Architekt Eduard Werner an. Die Mehrkosten von Gropius‘ Entwurf gegenüber Werners Planung sah Benscheidt bei einer Gesamtsumme von 400 000 Reichsmark als vertretbar an. Der Bau mit seiner Konstruktion aus Glas und Stahl, werde „für mich eine gute Reklame sein“, bemerkte er in weiser Voraussicht – und behielt recht. Schon während der Bauphase und später erregte das Gebäude großes Aufsehen. Seine Wurzeln im Sauerland vergaß der Unternehmer nie. „Er kam hin und wieder und machte mit Frau und Kindern eine Verwandtenrundreise“, erinnert sich Reiner Rutenbeck. „Hinterher gab es dann ein Album mit Fotos.“

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