Nach BVB-Sieg gegen Schalke

Derby endet in handfestem Streit: BVB-Anhänger vor Gericht

Ein K.o.-Schlag gegen einen Bayern-Fan kommt einem Schalksmühler BVB-Anhänger teuer zu stehen.
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Ein K.o.-Schlag gegen einen Bayern-Fan kommt einem Schalksmühler BVB-Anhänger teuer zu stehen.

Es war eines der vorläufig letzten Derbys zwischen Schalke und Dortmund, das der BVB am 8. Dezember 2018 gewann. In der – auch durch viel Alkohol – beschwingten Atmosphäre in der Kneipe „Onkel Willi“ an der Friedrichstraße in Lüdenscheid standen sich an jenem Tag indes Anhänger des BVB und der Bayern gegenüber.

Schalksmühle - „Wir haben gewonnen“, erklärte ein BVB-Anhänger im Amtsgericht Lüdenscheid, wo sich der Schalksmühler (47) wegen einer Körperverletzung verantworten musste. Denn auf den hitzigen Wortwechsel folgte ein heftiger Schlag ins Gesicht eines 60-jährigen Zeugen aus Lüdenscheid, der sich als Bayern-Fan zu erkennen gegeben hatte. Zunächst habe man sich einfach nur über Fußball unterhalten. Doch dann sei das Ganze aus dem Ruder geraten, erinnerte sich der Zeuge an jenen Tag.

Der Angeklagte habe sich sogar dazu verstiegen, sich die Wiederauferstehung des größten Kriegsverbrechers aller Zeiten zu wünschen, damit dieser seine menschenverachtenden Wahnideen an den „Bayern“ austoben könne. Solchen Schwachsinn hätte man dem Alkohol zuschreiben und möglichst bald vergessen können. Nicht aber jenen Schlag ins Gesicht, dem die Zahnbrücke des Zeugen zum Opfer fiel. Er erlitt eine Prellung des Unterkiefers und litt zwei Wochen lang an Schmerzen.

„Das war ein richtiger K.o.-Schlag“

„Das war ein richtiger K.o.-Schlag. Dann lag ich auf dem Boden.“ Er sprach von einem völlig unbescholtenen Leben ohne Polizei, Gerichte und mit nur einem Knöllchen wegen eines Parkverstoßes. Ein rundes Dutzend Anläufe, bis die Verhandlung im Amtsgericht stattfand, hatten ihn stark belastet: „Jedes Mal, wenn das verschoben wurde, war ich nervös.“

Eine Videoaufnahme, die eine Überwachungskamera vom Geschehen gemacht hatte, erleichterte die Beweisaufnahme. Richter Andreas Lyra zeigte sich deshalb skeptisch gegenüber der Behauptung des Angeklagten, er habe sich in einer Notwehrsituation befunden. Ein Zeuge wollte beobachtet haben, wie der Schalksmühler vorm Verlassen des Lokals das auf dem Boden liegende Opfer noch getreten habe. Daran erinnerte sich der 60-Jährige aber nicht. Möglicherweise war der Angeklagte nur über den am Boden Liegenden hinweg aus dem Lokal gelaufen. Im Gericht entschuldigte er sich beim 60-Jährigen: „Mir tut es unsagbar leid. Das hätte so nie passieren dürfen.“ Für den Angeklagten war es offenbar eine Ausnahmesituation: „Er ist eigentlich ein Ruhiger – so kenne ich ihn gar nicht“, erklärte eine Zeugin.

Schmerzensgeld fällig

Letztlich zeigte auch der Geschädigte kein gesteigertes Interesse an einer förmlichen Verurteilung des Angeklagten. Ganz ungeschoren kam der Schalksmühler aber nicht davon: Er erklärte sich bereit, 2500 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zu zahlen. Außerdem trägt er die Gerichtskosten und leistet Schadensersatz – unter anderem für die Reparatur der Zahnbrücke, die mit 280 Euro zu Buche schlug. Im Gegenzug soll das Strafverfahren endgültig eingestellt werden.

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