Die Buschtrommel: Pointen und Gesichtsakrobatik

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Das Duo „Die Buschtrommel“ überzeugte die Zuschauer im PZ Löh. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Die Welt ist nicht gerecht. Vorstandsvorsitzende beziehen Millionengehälter, die gewählten „Problemlöser“ in Berlin bereichern sich gleich mit und die heutige Jugend ist so verdummt, dass wenig Hoffnung auf Besserung besteht. So die düsteren Aussichten des Kabarett-Duos „Die Buschtrommel“, das am Wochenende im Pädagogischen Zentrum Löh auf der Bühne stand.

Zynisch-humorvoll beackerten Andreas Breiing und Ludger Wilhelm in ihrem Programm „Tunnel am Ende des Lichts“ die Auswüchse in der deutschen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Am Ende ist alles eine Frage der Darstellung. Das zeigte sich zum Beispiel bei einem fiktiven Bewerbungsgespräch um den Posten des Regierungssprechers der Kanzlerin, in dem ein gesprengter Strommast bei Vattenfall als Akt des Terrors tituliert wurde, die gleiche Situation im Iran als Aufstand demokratisch ausgerichteter Rebellen.

Andreas Breiing gab als Willi Prollschewski im Jogginganzug aus „Sateng“ und mit Goldkette einen stark überzeichneten Proleten, der zum beschränkten Kundenkreis seines Bankberaters zählte. Mit einem kräftigen Zug und unglaublicher Gesichtsakrobatik stellte Ludger Wilhelm die erste Wahlkampfrede eines Politikers dar. Nach der dritten Flasche Bier, jeweils dem großen Vorsitzenden Franz-Josef Strauss gewidmet, wurde diese zu einem Plädoyer für deutsches Bier.

Gemeinsam glänzte das Duo aus dem Münsterland, wobei es nicht müde wurde zu betonen, Breiing stamme ursprünglich aus dem sauerländischen Meschede, mit seiner Münsterlandhymne. Genauso überzeugten die Kabarettisten als alternde Konservative, die sich vor einer Regierung der Grünen mit Tempo 30 auf der Autobahn und dem kleinen grünen Kaktus als biologisch abbaubarer Waffe fürchten. Oder als verpönte fleischeslustige Besucher eines Restaurants, die ihr Steak nur im Freien verzehren dürfen.

Es gab viele starke Momente in dem vielseitigen neunten Politikprogramm des Duos, immer wieder griffen sie aber auch auf überholte Pointen zurück und brachten beispielsweise bekannte Tiraden über die FDP. Dennoch brachte „Die Blechtrommel“ das Publikum in beste Stimmung. In der Pause sorgte anstelle des Fördervereins der Ganztagsschule erstmals das Team von Marianne Höhle für Getränke und Snacks. So gingen die zahlreichen Besucher gestärkt in die zweite Hälfte, die viel Abwechslung zu bieten hatte. ▪ rit

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