Kommunalwahl 2020

Bürgermeisterwahl in Schalksmühle: Jörg Schönenberg (parteilos) im Interview

Jörg Schönenberg Bürgermeister Schalksmühle Kommunalwahl 2020
+
Jörg Schönenberg stellt sich als amtierender Bürgermeister als einziger Kandidat in Schalksmühle erneut zur Wahl.

Am 13. September stellt sich Jörg Schönenberg als Amtsinhaber in Schalksmühle erneut zur Wahl des Bürgermeisters – ohne Gegenkandidaten.

Schalksmühle - An Motivation fehlt es dem 62-jährigen Jörg Schönenberg nicht. Im Interview mit Redakteur Martin Meyer spricht er unter anderem über seine Zeile, die medizinische Versorgung in der Gemeinde, den heimischen Wald, alternative Energien und Mobilität.

Wie motivieren Sie sich ohne einen Gegenkandidaten für die Wahl?
Die Frage der Motivation stellt man sich, bevor man antritt. Habe ich Visionen? Was sind meine Ziele? Brenne ich für die Aufgabe? Und diese Fragen kann ich mit einem klaren Ja beantworten. Ich bin hier groß geworden, ich lebe in Schalksmühle und werde meinen Lebensabend höchstwahrscheinlich hier verbringen. Ich liebe den Ort. Ich bin dankbar und glücklich, dass ich mich für ihn einsetzen kann. Und dann auch noch ohne Parteibuch und an einer Position, an der ich die Möglichkeit habe, mitgestalten zu dürfen. Die zweite Motivation ist, Projekte zu haben, mit denen man sich identifizieren und bei denen man die Ergebnisse sehen kann. Das alles ist Motivation genug. Ich fände es schade, wenn die Motivation nur parteipolitisch geprägt oder mit der Frage verbunden wäre, ob man einen Gegenkandidaten hat oder nicht.
Ist der Wahlkampf in Schalksmühle langweilig und würden Sie sich nicht etwas mehr Feuer wie in Halver wünschen?
Ich will es mal anders herum formulieren. Ich habe nichts dagegen, einen Wahlkampf zu führen mit vielen Argumenten. Was ich mir aber nicht wünsche, ist ein Wahlkampf unter der Gürtellinie. Wir leben alle in diesem Ort. Wer sich zur Wahl stellt, der muss damit rechnen, zu verlieren. Ich bin immer ein Freund davon gewesen, zusammen zu führen, zu moderieren und Kompromisse zu finden. Ich bin kein Freund des Polarisierens. Wenn Parteien sich streiten, ist die Art des Streitens ganz wichtig. Feuer unterm Dach ist nicht schlecht, nur die Frage ist, wie die Debatte dann geführt wird. Wir sollten zusehen, dass die Gemeinde keinen Schaden nimmt. Wahlkampf heißt, mit seinen Argumenten zu überzeugen und nicht sein Gegenüber zu verletzen.
Mangelt es in Schalksmühle an Hausärzten? Wäre ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) eine Alternative?
Ein Bürgermeister ist nicht in erster Linie für dieses Thema verantwortlich. Er beteiligt sich erst dann, wenn es Probleme gibt. Aber natürlich haben wir das Problem früh erkannt und auch im Hintergrund gearbeitet sowie mit den Ärzten in der Gemeinde Gespräche geführt. Und ich glaube, dass es in Schalksmühle eine positive Entwicklung in der hausärztlichen Versorgung gibt. In der Ärztelandschaft ist erfreulicherweise viel in Eigenregie geschehen. Wenn Sie die Arztpraxis in Dahlerbrück nehmen, dort ist ein neuer Arzt dazu gekommen. Der Arzt an der Mühlenstraße hat seine Tochter mit in die Praxis geholt. Für die Arztpraxis an der Hälverstraße über der Apotheke scheint auch eine Nachfolgeregelung gefunden worden zu sein. Oben in Heedfeld haben wir die erfreuliche Situation, dass der dort ansässige Arzt weiter praktizieren möchte. Bei unserer hausärztlichen Versorgung haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht. Wir sind insgesamt bei dem Thema gar nicht mal so schlecht aufgestellt. Dennoch dürfen wir uns nicht zurücklegen. Die öffentliche Diskussion um die Arztpraxis an der oberen Hälverstraße zeigt, dass Entwicklungen nicht immer geradlinig verlaufen. Von daher bleibt für mich die Ärzteversorgung ein ganz wichtiges Dauerthema. Für die erwähnte Arztpraxis wünsche ich mir natürlich schnellstmöglich klare Verhältnisse und dass alle Beteiligten keinen Schaden nehmen. Bei den speziellen Fachärzten haben wir das Glück, dass wir in Heedfeld eine Kinderärztin haben. Orthopäden und Augenärzte haben sich noch nie in Schalksmühle niedergelassen. Meist sind sie in Gemeinschaftspraxen in den Mittelzentren ansässig. Solche Fachärzte zu bekommen ist schwierig, selbst wenn man ein MVZ hätte. In einer Kommune mit 10 500 Einwohnern ist die Erreichbarkeit, sprich Mobilität und Barrierefreiheit, sehr wichtig. Neben der Standortfrage ist für den Erfolg eines MVZ aber auch die Frage nach den Ärzten wichtig, die sich in einem MVZ ansiedeln möchten. Zurzeit sehe ich die Frage nach einem MVZ allerdings nicht, da wir dezentrale Lösungen gefunden haben. Von daher bin ich der Meinung, dass wir die vorhandene Entwicklung auch unterstützen sollten und wir froh um jeden Arzt sein sollten, der sich hier in Schalksmühle niederlässt. Und man muss ehrlich sein: Unsere Versorgung mit speziellen Fachkräften ist auch eng mit dem Standort der Nachbarkommunen zu sehen. Von daher müssen wir auch hier auf eine gute und funktionierende verkehrliche Anbindung für unsere Bürger Wert legen. Ein MVZ ist meines Erachtens also nicht die Lösung aller Probleme. Die Zukunft wird zeigen, ob wir ein MVZ brauchen.
Wo kann der Bürgermeister ansetzen, um den heimischen Wald zu retten?
Der Wald ist als Rohstofflieferant eine wichtige Einnahmequelle für manche Waldbauern. Wir müssen natürlich auch über eine Unterstützung der Waldbauern sprechen, damit diese auch Aufgaben für die Allgemeinheit übernehmen können. Viele von ihnen sind am Rande der Wirtschaftlichkeit. Wir haben aber, auch wenn wir Mitglied der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) sind, eine weitergehende Aufgabe. Neben der Naherholung liegt uns die Gesundheit unserer Bürger am Herzen. Der Wald ist unsere grüne Oase und Lunge. Das Motto Schalksmühles lautet ja „Wohnen und Arbeiten im Grünen“. Wir müssen dafür etwas tun. Nichts zu tun, kann keine Lösung sein. Die Gemeinde hat eine Vorbildfunktion und muss vorweg marschieren. Wir werden Laubmischwald anlegen und vielleicht auch mal auf Flächen experimentieren. Wir haben da kein Patentrezept und wir müssen hier auf die Meinungen und Empfehlungen der Fachleute zurückgreifen. Vielleicht gibt es ja sogar noch ganz andere Ansätze.
Wo kann die Gemeinde in der nächsten Zeit beim Thema alternative Energien ansetzen?
Für mich sind Anstrengungen zu diesem Punkt eine Selbstverständlichkeit. Wir stellen zusammen mit dem Kreis für die Gemeinde CO2-Bilanzen auf. Das war eine Grundvoraussetzung für unser Klimaschutzkonzept, das wir bis zum Ende des Jahres vom Rat verabschieden lassen wollen. Für mich heißt das aber auch, dass wir mit dem oberen Volmetal zusammenarbeiten werden und einen gemeinsamen Klimaschutzbeauftragten einsetzen. Themen wie Solaranlagen auf öffentlichen Gebäuden, wie sie auf der neuen Kindertagesstätte am Löh errichten werden, oder Wärmepumpen und Dachbegrünung werden wir angehen. Wir befinden uns in dem Netzwerk „Kern“ mit der Enervie, in dem es um Energieressourcen von kommunalen Gebäuden und deren Optimierung geht. Wir führen zum Beispiel mit dem Unternehmen Gespräche, um E-Mobilität und Ladestationen voranzubringen. Ich glaube auch an den Wasserstoff, doch dabei müssen wir uns überregional aufstellen. Wir sollten nicht so tun, als könnten wir in Schalksmühle einen eigenen Weg gehen. Alles muss in ein Gesamtkonzept eingebunden werden. Ich glaube auch, dass es ohne Windkraft nicht geht, auch wenn diese kritisch gesehen wird und wir in der Gemeinde gerade eine Diskussion über Vorrangzonen führen. Klimaschutz ist generell nicht das Thema der Jugend, sondern wichtig für unsere gemeinsame Zukunft. Die Folgen eines vernachlässigten Klimaschutzes spüren wir bereits heute. Den Einstieg haben wir, aber man kann und muss immer noch einen Schritt mehr tun und diesen Weg weitergehen.
Wie kann die Digitalisierung an den Schulen weiter vorangetrieben werden?
Das digitale Lernen ist notwendig. Es stecken unendlich viele Potenziale darin. Wer digital lernen will, braucht zuhause aber auch schnelles Internet. Die Haushalte müssen es wollen. Man muss aber auch dort wohnen, wo es geht. Und da sind wir als Gemeinde mittlerweile gut unterwegs, einen flächendeckenden Breitbandausbau auch hinzubekommen. Und ich wünsche mir, dass das digitale Lernen auch ein Schwerpunkt im Studium der Lehrkräfte wird. Die Motivation der Lehrerschaft halte ich für eine wichtige Voraussetzung. Der Übergang zum digitalen Lernen muss von allen gesellschaftlichen Gruppen unterstützt werden. Bei den Schülern sehe ich dann ein Problem für eine Förderung bei Endgeräten, wenn zuhause jegliche Voraussetzungen, wie Internet oder ein eigenes Zimmer, fehlen. Wir müssen diesen Kindern in den Schulen Plätze vorhalten, um sie nicht zu benachteiligen. Digitales Lernen ist leider nicht in jedem Haushalt so möglich, wie es für die Schüler optimal wäre.
Wo wird die Gemeinde in den kommenden Jahren beim Thema Mobilität aktiv?
Mobilität beschäftigt uns derzeit etwa in Form des Verkehrsentwicklungsplans (VEP), der die unterschiedlichen berechtigten Begehrlichkeiten aufzeigen und bestimmte Dinge fördern soll – etwa beim Autoverkehr, bei Fahrradwegen oder dem Öffentlichen Personennahverkehr. Der VEP ist wichtig, er geht auch einher mit dem Klimaschutzkonzept. Mobilität muss aber auch bezahlbar sein. Selbstfahrende Busse können die Zukunft sein. Es gibt so viele Möglichkeiten wie Carsharing oder Mitfahrerzentralen, über die man sich Gedanken machen kann. Ob das aber alles im ländlichen Bereich eins zu eins funktioniert, dahinter steht ein großes Fragezeichen. Aber jede Idee, die zur Verbesserung der Mobilität beiträgt, ist eine gute Idee. Wir werden immer Bündelungen haben müssen, da wir uns nicht mit Großstädten wie Berlin vergleichen können. Wenn wir junge Leute und Familien vor Ort binden wollen, dann ist die Mobilität eine große Herausforderung. Sie ist für uns lebensnotwendig. Daran müssen wir arbeiten, auch wenn mir die Finanzierbarkeit schon Kopfzerbrechen bereitet. Mobilität heißt aber auch, die Sicherheit auf den Straßen zu verbessern. Und dies bedeutet auch, dass wir zum Beispiel Einschränkungen für Autofahrer, etwa durch Geschwindigkeitsreduzierungen, akzeptieren müssen.
Was sind ihre Kernpunkte bei einer Wiederwahl?
Es wird wichtige Themen geben, wie Breitband oder Digitalisierung an den Schulen. Als Bürgermeister muss man aber auch die einzelnen Altersphasen im Auge behalten. Das fängt im Kindergarten an, wo wir entsprechende Betreuungsplätze anbieten müssen. Die Primusschule ist gut aufgestellt, aber wir müssen in Sachen Ganztagsbetrieb an der Grundschule die richtigen Entscheidungen treffen. Wir wollen natürlich auch die Primusschule aus dem Schulversuch heraus etablieren. Eine Verbesserung des Freizeitangebotes sollte ein Ziel sein. Die Maßnahmen im Ortskern sind ein weiterer Punkt. Die Leader- und Regionale-Prozesse oder der Glörpark sowie die Kreuzkirche sind Dauerthemen. Auch die Stärkung des Ehrenamtes, aber auch der hauptamtlichen Kräfte ist wichtig. Wir müssen auch den Wirtschaftsstandort Schalksmühle stärken, zum Beispiel durch Ausweisung weiterer Gewerbeflächen. Das Angebot weiterer Wohnflächen muss mit Augenmaß verfolgt werden. Die gesellschaftliche Teilhabe der älteren Bevölkerung sowie gute Angebote in den verschiedensten Bereichen, wie etwa die Nahversorgung oder die Kultur, sind mir gerade in diesen Corona-Zeiten ein besonderes Anliegen. Ich möchte zudem die Sportstätten modernisieren, Angebote für Wanderer und Radfahrer schaffen sowie die Weiterentwicklung des Naherholungs- und Freizeitschwerpunktes Glörtalsperre zur Stärkung des Tourismus forcieren. Letztendlich möchte ich daran arbeiten, dass die Verwaltung ein moderner, familienfreundlicher Dienstleister ist. Wir werden uns mit Themen wie Homeoffice viel stärker beschäftigen müssen. Wir müssen unseren Ortskern stärken und die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass Einzelhandel und Gastronomie wirtschaftlich arbeiten können. Dafür ist eine Erhöhung der Aufenthaltsqualität notwendig. Wir sind noch weit davon entfernt zu sagen: „Das passt alles.“ Aber mit dem neuen Platz zum Beispiel, der gerade an der Bahnhofstraße entsteht, haben wir vielleicht die Möglichkeit, einen gastronomischen Betreiber zu finden, sodass unser Ortskern wieder belebter wird. Viele Dinge gehen aber nur, wenn wir vernünftige Rahmenbedingungen haben und mit einer soliden Finanzwirtschaft aufwarten können. Man kann manche Träume nur angehen, wenn man auch die Ressourcen wirtschaftlicher Art dafür hat sowie eine fachkundige und innovative Verwaltung. Der Bürgermeister muss mit der heimischen Politik Prioritäten setzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare