Jörg Weber über seine Bürgermeister-Kandidatur

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Jörg Weber (47) sieht reelle Chancen als Bürgermeister gewählt zu werden. Er sieht Schalksmühle finanziell am Abgrund und fordert ein ganzheitliches Entwicklungskonzept für die Gemeinde.

SCHALKSMÜHLE -  Drei Kandidaten werden im Mai für das Bürgermeisteramt kandidieren. Neben Bürgermeister Jörg Schönenberg, der von FDP und UWG unterstützt wird, treten Michael Siol für die SPD und Jörg Weber für die CDU an. Lokalredakteurin Alisa Kannapin sprach mit dem Kandidaten Jörg Weber über seine Pläne und seine Angst um Schalksmühle.

Warum sind Sie mit der derzeitigen Politik in Schalksmühle unzufrieden, dass ein Wechsel an der Spitze der Verwaltung notwendig ist?

Weber: Ich habe das Gefühl, dass in weiten Teilen der Bevölkerung eine Unzufriedenheit herrscht und ein Wechsel herbeigesehnt wird. Viele sagen, dass sich zu wenig bewegt in Schalksmühle. Es wird nur reagiert, anstatt zu agieren. Entscheidungsprozesse laufen viel zu langsam. Wir sehen es momentan wieder an den leidvollen Diskussionen um die Bruchsteinmauer an der Volme oder beim Kunstrasenplatz. Es ist ein allgemeines Gefühl, dass hier zu viel verhandelt und zu wenig gehandelt wird.

Was sind konkrete Handlungsfelder, wo Ihrer Meinung nach dringend etwas passieren muss?

Zur Person: Jörg Weber

- Der 47-jährige Jörg Weber ist seit 2009 Mitglied der CDU und seit 2011 Vorsitzender der Schalksmühler Partei.

- Seit 27 Jahren arbeitet er hauptberuflich im öffentlichen Dienst bei der Feuerwehr Lüdenscheid.

- Als Sachkundiger Bürger sitzt Weber derzeit im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen und Umwelt.

- Privat ist der dreifache Familienvater Vorsitzender des Siedlerbundes Linscheid.

Weber: Man muss das Ganze in einem Gesamtkonzept sehen. Sicherlich sind solche Maßnahmen wie der Kunstrasenplatz oder die Primus-Schule als Mosaiksteinchen zu sehen. Aber das Ganze muss in ein gesamtschlüssiges Einwicklungskonzept eingebaut werden. Das sind sicherlich gute Ansätze, die wir momentan haben, aber man muss auch mal weiter denken. Man muss manchmal auch den Kopf frei machen und über den Horizont hinaus denken. Letztlich kommt es auch darauf an, wie man die Schalksmühler Bürger mitnehmen und sie einbinden kann. Und es kommt darauf an, wie wir die Gemeinde zukunftssicher machen können. Denn der demografische Wandel ist da und wir müssen zusehen, dass wir junge Familien nach Schalksmühle bekommen. Um damit auch einem drohenden Fachkräftemangel entgegenwirken zu können. Wir müssen Schalksmühle attraktiv genug machen, in den Bereichen Einkaufsmöglichkeiten und sportlichen sowie gesellschaftlichen Aktivitäten. Das muss mal in einem Gesamtplan dargestellt werden. Auch in Anbetracht der finanziellen Situation der Gemeinde.

Was sind denn nun genau Themen, die sie im Wahlkampf bearbeiten möchten?

Weber:Neben dem Thema Sicherheit, welches wir bereits im vergangenen Jahr angestoßen haben, wird das vorrangige Thema das Gefühl sein, dass Schalksmühle derzeit finanziell am Abgrund steht. Wir müssen versuchen, uns von diesem Abgrund wegzubewegen. Die Solidarumlage ist eine Geschichte, bei der wir jetzt schauen müssen, was die eingebrachten Klagen bringen werden und ob das Gemeindefinanzierungsgesetz tatsächlich verfassungskonform ist. Da stirbt die Hoffnung zuletzt. Dass wir nun weniger zahlen müssen, ist noch nicht mal als Etappensieg zu sehen. Solche Einflüsse, die sich von außen letztlich auf unsere Gemeindekasse auswirken, genauso wie die Kreisumlage, bringen uns in die Zwickmühle, dass wir auf der einen Seite in die Zukunft investieren müssen, und uns das Geld auf der anderen Seite von extern genommen wird. Meine Hoffnung ist, dass uns das, was jetzt im Koalitionsvertrag des Bundes verankert worden ist, insbesondere die Grundsicherungsübernahme, uns ein bisschen aus der Bredouille rausholen kann. Dass wir zumindest fiktiv einen einigermaßen ausgeglichenen Haushalt hinkriegen. Das wird eine große Herausforderung für die kommenden Jahre sein. Auch das gehört zu den Gesamtüberlegungen, die man künftig angehen muss. Und mein Wahlkampfthema an sich ist, dass ich Angst um Schalksmühle habe.

Können Sie diese Angst näher erläutern?

Weber:In dem Moment, in dem Schalksmühle in Bereichen wie Vereinsleben, sportliche Aktivitäten und Freizeitmöglichkeiten sparen muss, wird die Gemeinde unattraktiv. Und damit wird sich der demografische Wandel, die Veralterung der Gesellschaft, deutlicher auswirken. Wir müssen aufpassen, dass wir da die richtige Balance halten.

Meinen Sie, dass in den Köpfen der Schalksmühler wirklich angekommen ist, dass es derzeit finanziell eng wird?

Weber:Ich glaube schon, dass es in einigen Bereichen klar geworden ist, dass es eng wird. Auch wenn wir natürlich weit davon entfernt sind, wie viele Nachbarkommunen in die Schuldenfalle zu tappen.

Ist Ihrer Meinung nach in der Vergangenheit zu wenig der Dialog mit den Bürger gesucht worden?

Weber:Das ist das auf jeden Fall ein Punkt, der optimierungsfähig ist. Das ist zum einen prinzipiell der Informationsfluss von Seiten der Verwaltung, der auf der Internetseite zwar da ist, aber viel zu kompliziert zu suchen ist. Hier muss eine Anpassung stattfinden. Und was den Dialog mit den Bürgern angeht, schweben mir ganz konkret Bürgermeistersprechstunden oder die Begrüßung von Neubürgern vor. Um wirklich regelmäßig in Kontakt mit den Bürgern zu kommen. Denn wenn man zuhört, kann man ein Gespür dafür bekommen, wohin wir wollen.

Um auf Ihre derzeitige Arbeit zu sprechen zu kommen: Unterscheidet sich die Verwaltung einer Gemeinde nicht stark von der Arbeit bei der Feuerwehr?

Weber:So unterschiedlich ist das gar nicht. Es verkennen viele, was für ein Verwaltungsaufwand innerhalb einer hauptberuflichen Feuerwehr aufkommt. Durch meinen Aufstieg in den gehobenen Dienst habe ich auch Verwaltungslehrgänge besucht. Von daher kenne ich die Grundstrukturen einer Verwaltung, inbesondere die Belange des öffentlichen Rechts. Das ist für mich nichts Unbekanntes. Führungsverantwortung habe ich auch bereits jetzt bei der Feuerwehr. Und wir haben in der Verwaltung äußerst kompetente Mitarbeiter. Das sind alles Potenziale, die ja durch eine Neuwahl nicht verschwinden werden.

Es gibt Stimmen, die sagen, dass sie politisch noch zu unbekannt in der Gemeinde sind. Wie sehen Sie das?

Weber:Ich mache mir da nichts vor, dass der Bekanntheitsgrad eines Amtsinhabers nicht in fünf Monaten kompensiert werden kann. Trotzdem glaube ich, dass ich durch meine parteipoltische Arbeit und mein Engagement im Siedlerbund oder in Vereinen ausreichend Muliplikatoren habe. Ich hätte mich nicht zur Wahl gestellt, wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass ich reelle Chancen habe, auch gewählt zu werden.

Was für Wahlkampfveranstaltungen planen Sie?

Weber:Es wird Bürgergespräche geben und sicherlich öffentliche Mitgliederversammlungen. Wir sind momentan mit einem kleinen Team dabei, den Wahlkampf zu organisieren. Ich bin zuversichtlich, dass wir bis Mai eine solide Basis aufbauen können. Wir werden uns auch regelmäßig auf dem Wochenmarkt präsentieren. Mit den Wahlbezirkskandidaten werden wir auch Wahlkampf an den Haustüren machen. Denn es ist ja nicht nur die Wahl eines Bürgermeisters, sondern auch eines komplett neuen Gemeinderates. Und wir wollen versuchen, im Rat mehr Einfluss für die CDU zu gewinnen. Diese Schalksmühler-Kuschelpolitik muss ein Ende haben.

Was meinen Sie mit Kuschelpolitik?

Weber:Dass viel zu lange über Sachverhalte diskutiert wird, Dinge zerredet werden. Dass bereits im Hintergrund Strippen gezogen und dem Rat nur noch weichgekochte Themen zur Entscheidung vorgelegt werden. Dinge, wo die Weichen schon vorgestellt worden sind und wo man sich nur Feinde machen kann, wenn man nicht dafür ist. Ich wünsche mir da eine stringentere Führung des Rates. Als Bürgermeister hat man gewisse Steuerungsmöglichkeiten, die ich derzeit vermisse.

 

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