Zukunft sichern

Friedhof Wippekühl: Ideen der Bürger gefragt

Das Ziel: Die Bürger sollen den Friedhof Wippekühl mitgestalten.

Schalksmühle - Der Friedhof Wippekühl soll auf lange Sicht den Bedürfnissen seiner Nutzer und Besucher angepasst und zukunftssicher gemacht werden. 

Zu diesem Zweck arbeitet die Gemeinde Schalksmühle mit dem Unternehmen Weiher – Friedhofsexperten aus Freiburg – zusammen. 

In den letzten Monaten hat das Team Weiher gemeinsam mit Vertretern der Gemeinde das Gelände in Augenschein genommen und aufgrund detaillierter Analysen ein Friedhofskonzept erstellt, das am Dienstag im Rahmen einer Bürgerinfoveranstaltung ausführlich vorgestellt wurde. 

Ziel der Veranstaltung in der Friedhofskapelle Wippekühl war es zudem, Anregungen, Wünsche oder Änderungsvorschläge der Bürger aufzunehmen und in das Konzept einfließen zu lassen. Moderiert wurde die Veranstaltung, bei der auch Bürgermeister Jörg Schönenberg zugegen war, von Tobias Weiher, Geschäftsführer von Weiher, Elke Chmella-Emrich (Leitung der Abteilung Architektur in der Firma Weiher) sowie Friedhofsexperte Stephan Göttlich. „Wir möchten bei der Friedhofsgestaltung, soweit es geht, alle Beteiligten, also die Bürger, Politiker, Verwaltungen und die Vertreter von Glaubensgemeinschaften mit ihren unterschiedlichen Interessen zufriedenstellen und dafür sorgen, dass alle ein gutes Gefühl bei diesem Thema haben“, erklärte Tobias Weiher einleitend.

Belastung für Angehörige

Eine Umfrage von Aeternitas, einer Verbraucherinitiative für Bestattungskultur, habe ergeben, dass 44 Prozent aller Deutschen die Grabpflege als Belastung empfinden und sich 47 Prozent eine pflegefreie Bestattungsart für ihre Angehörigen wünschen. Rund 32 Prozent würden sich gar für eine Bestattungsform außerhalb des Friedhofes entscheiden, wenn denn der Friedhofszwang eines Tages auch für Deutschland als eines der letzten Länder auf der Welt, in denen es ihn noch gibt, fallen würde. „Selbst wenn das geschieht, sehe ich den Friedhof aber auf jeden Fall als ein zukunftsfähiges und sicheres Konzept an“, versichert der Friedhofsfachmann. 

Denn selbst in Ländern, in denen kein Friedhofszwang herrsche, entschieden sich viele Menschen, die zum Beispiel die Urne eines Angehörigen mit nach Hause genommen haben, nach kurzer Zeit oft dafür, diese doch auf einem Friedhof bestatten zu lassen. „So können nämlich auch andere den Verstorbenen besuchen und im nahe sein“, erklärte Weiher. Auf dem Friedhof Wippekühl möchte das Unternehmen zum einen auf lange Sicht neben den traditionellen Grabstätten auch pflegefreie und weniger pflegeintensive Beerdigungsformen anbieten und das Gebührensystem, das sich derzeit lediglich nach der Größe einer Grabstätte richtet und damit jene Menschen, die eine traditionelle Beerdigung mit Grabpflege wünschen, gegenüber jenen, die eine pflegefreie Beerdigung auf deutlich kleinerer Fläche wählen, aber zum Beispiel die Gemeinschaftsanlagen in gleicher Weise nutzen, übermäßig finanziell benachteiligt. 

Elke Chmella-Emrich, Leitung Architektur.

Des Weiteren möchte das Unternehmen die Besuchs- und Aufenthaltsqualität auf dem Friedhof Wippekühl nachhaltig verbessern. „Langfristig möchten wir Gräber und Aufenthaltsbereiche, die sich derzeit in Hanglagen befinden, auf ebenere Flächen verlagern und die Hanglagen begrünen“, sagt Weiher. Gräber an Hanglagen, die auslaufen und die die Angehörigen erneut erwerben wollen, sollen nicht mehr verkauft, sondern begrünt werden. 

„Wichtig ist uns aber zu betonen, dass wir die Interessen der jetzigen Grabinhaber ohne Einschränkungen respektieren“, stellt Weiher klar. „Es wird kein bestehendes Grab zugunsten der Umgestaltung gegen den Willen des Eigentümers verlegt, und jeder kann, wenn er will, nach Ablauf der Grabstätte das Grab neu kaufen, wenn es dort bleiben soll“, versicherte der Friedhofsexperte. „Bestehende Grabstätten sind immer verlängerbar!“ 

Tobias Weiher, Geschäftsführer von Weiher.

Barrierefreiheit soll so weit wie möglich hergestellt und Orte zum ungestörten, diskreten Trauern für Hinterbliebene geschaffen werden. Sitzgelegenheiten, die sich derzeit zum Teil direkt neben Behältnissen für Grünabfälle befinden und nicht gerade zum Verweilen einladen, sollen attraktiver gestaltet werden. Darüber hinaus regten die Friedhofsplaner die Anlage eines Pfades der Erinnerung mit daran angrenzenden Gemeinschaftsgrabstätten an, deren Fläche im Ganzen vom Gärtner gepflegt und die Kosten entsprechend geteilt werden.

Gräber im Fokus

Ferner empfahlen die Friedhofsexperten die Anlage von Sternchengräbern (für Säuglinge, die bereits im Mutterleib oder wenige Tage nach der Geburt gestorben sind) und von Kindergrabstätten, wobei vorgeschlagen wurde, diese Bestattungsformen kostenfrei anzubieten. Nach der Informationsveranstaltung und anschließenden Fragen an die Referenten hatten die zahlreich erschienenen Gäste die Möglichkeit, weitere Vorschlage und Anregungen auf ausgelegte Karten zu schreiben und abzugeben. 

Weitere Anregungen können ab sofort auch der Gemeinde Schalksmühle übermittelt werden. Alle Vorschläge der Schalksmühler Bürger sollen dann am Montag, 8. April, in die nächste Sitzung des Friedhofsausschusses eingebracht werden.

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