Fachärzte vor Ort

Bürger beklagen Ärztemangel - Zahlen sind eindeutig 

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Wo sich Ärzte niederlassen, ist letztendlich ihre eigene Entscheidung.

Bürger in dieser Kommune im MK beklagen einen Ärztemangel. Ihnen fehlen vor allem die Fachärzte vor Ort. Wir sind diesem Thema nachgegangen, die Zahlen sind eindeutig.

Schalksmühle – Welche Ärzte und wie viele braucht eine Gemeinde wie Schalksmühle eigentlich? Während sich die Bürger am liebsten nicht nur viele Hausarztpraxen, sondern auch Fachärzte möglichst vieler Disziplinen wünschen würden, sieht das die Kalkulation der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) anders. Da die Redaktion immer wieder Anfragen von Lesern erreichen, die sich beklagen, dass es ihrer Meinung nach zu wenige Ärzte in der Volmegemeinde gibt, haben wir bei der KVWL nachgefragt, wie sich die Lage aus ihrer Sicht darstellt.

Dabei steht an erster Stelle die für manche Schalksmühler unbefriedigende Erkenntnis, dass die Volmegemeinde allein bei der KVWL nicht vorkommt. Für die hausärztliche Versorgung gehört Schalksmühle, ebenso wie Halver und Herscheid, zum Mittelbereich Lüdenscheid. Und dort beträgt der Versorgungsgrad mit 60,5 Hausärzten und Hausärztinnen derzeit 91,4 Prozent. Gerechnet wird dabei der Stellenumfang. Damit sei die Versorgung noch stabil, sagt KVWL-Sprecherin Vanessa Pudlo. Aber sechs weitere hausärztliche Niederlassungen wären noch möglich. Bei einem Versorgungsgrad von mehr als 100 Prozent wird ein Planungsbereich für die hausärztliche Versorgung gemäß der aktuellen Bedarfsplanungs-Richtlinie für weitere Niederlassungen gesperrt.

Fünf Hausarztpraxen in Schalksmühle

In dieser Richtlinie der KVWL ist ein Hausarzt beziehungsweise eine Hausärztin pro 1609 Einwohner vorgesehen. Nicht festgelegt ist allerdings, wo innerhalb eines Bereichs sich Ärzte konkret niederlassen. Das heißt, bei rund 10 300 Einwohnern entfallen auf Schalksmühles Köpfe rechnerisch 6,4 Hausärzte, von denen aber keiner seine Praxis unmittelbar in Schalksmühle haben müsste. Insofern ist die Volmegemeinde mit derzeit fünf Praxen gut aufgestellt.

Zumal gleich in mehreren Praxen Nachfolgeregelungen gefunden sind, wie sich Bürgermeister Jörg Schönenberg freut. Auch das ist nicht unwichtig, denn im Mittelbereich Lüdenscheid sind derzeit etwa 52,4 Prozent der Hausärzte und -ärztinnen älter als 60 Jahre, teilt Vanessa Pudlo mit. Im gesamten Bereich Westfalen-Lippe sind im Moment lediglich rund 40 Prozent der Hausärzte in diesem Alter. Auch wenn man sich derzeit keine Sorgen machen müsse, habe die Gemeinde die Ärzteversorgung im Blick, betont Schönenberg. Unmittelbar beeinflussen könne man die Niederlassung von Ärzten zwar nicht, aber Unterstützung, wenn es beispielsweise um die Suche nach geeigneten Räumen gehe, könne geleistet werden.

Keine Unterversorgung in Sicht

Wie Vanessa Pudlo außerdem erklärt, waren sowohl Schalksmühle als auch Halver zeitweise auf dem KVWL-Förderverzeichnis gelistet, um einer drohenden Unterversorgung frühzeitig entgegenzuwirken, Lüdenscheid wird dort derzeit noch gelistet. Insgesamt seien bisher elf Förderungen im Bereich des Mittelbereichs Lüdenscheid genehmigt worden, um die hausärztliche Versorgung zu stabilisieren, heißt es weiter in den Erläuterungen.

Dieses Förderverzeichnis bezeichnet die KVWL als eine Art Frühwarnsystem, mit dem aufgezeigt wird, in welchen Gemeinden sich in naher Zukunft Probleme bei der ärztlichen Versorgung entwickeln könnten. Wichtige Indikatoren dafür seien die Altersstruktur und der Versorgungsgrad der Mediziner vor Ort. Ärzte, „die sich in den auf dem Förderverzeichnis geführten Städten und Gemeinden niederlassen möchten, können beim Vorstand der KVWL einen Antrag auf vor allem finanzielle Unterstützungsmaßnahmen stellen. Hierzu zählen beispielsweise die Übernahme von Kosten (Umzugs- und Einrichtungskosten, Kooperationskosten) und die Gewährung von Darlehen zum Praxisaufbau oder zur Praxisübernahme. Mit dieser Maßnahme soll eine mögliche Unterversorgung frühzeitig vermieden, die Altersstruktur verbessert und der Versorgungsgrad in den betroffenen Gebieten erhöht werden“, erklärt die KVWL dazu. Im Märkischen Kreis sind bei den Hausärzten derzeit neben Lüdenscheid nur noch Menden und Werdohl gelistet.

Bürgermeister Jörg Schönenberg.

Mit einem noch größeren Bereich kalkuliert die KVWL bei der sogenannten allgemeinen fachärztlichen Versorgung. Dazu gehören neun Arztgruppen: Gynäkologie, Augenmedizin, Pädiatrie, Chirurgen und Orthopäden, Hautärzte, HNO-Ärzte, Nervenärzte, Psychotherapeuten und Urologen. Dabei gilt der gesamte Märkische Kreis als ein Versorgungsbereich.

Stabiler Versorgungsgrad

Und in diesen Grenzen ist der Versorgungsgrad über alle Fachrichtungen hinweg im Moment stabil. Lediglich bei den Kinderärzten (107,2), Nervenärzten (104) und Psychotherapeuten (109,7) gibt es derzeit noch freie Niederlassungsmöglichkeiten. Im Gegensatz zu den Hausärzten wird ein Planungsbereich erst bei einem Niederlassungsgrad von 110 Prozent geschlossen.

Bei all diesen Berechnungen liegen gesetzliche Vorgaben zugrunde. Wenn die Relation zwischen Ärzten und Psychotherapeuten und Patienten in einer Region mit dieser Vorgabe übereinstimmt, geht man von einem Versorgungsgrad von 100 Prozent aus. Ab einem Versorgungsgrad von 75 Prozent bei der hausärztlichen Versorgung beziehungsweise 50 Prozent bei der fachärztlichen Versorgung inklusive Psychotherapie gilt eine Region als unterversorgt. Davon sind, nach den vorliegenden Zahlen, die Bereiche, zu denen Schalksmühle gehört, noch weit entfernt.

Ein Plus, das die Gemeinde hat, gerade mit Blick auf die Erreichbarkeit von Fachärzten, die keine Praxis in der Volmegemeinde haben, ist seine gute Verkehrsanbindung, sagt Bürgermeister Jörg Schönenberg. Mit dem Auto ist der Weg gerade nach Lüdenscheid nicht weit, aber auch mit Bus und Bahn sind regelmäßige Verbindungen möglich.

Stellenkontingent der Praxis Maicher offiziell an KVWL zurückgegeben

Bei den Zahlen, die den Berechnungen der KVWL zugrunde liegen, handelt es sich um Daten, die im Mai erhoben wurden. Daher geht Sprecherin Vanessa Pudlo davon aus, dass der Wegfall der Praxis von Michael Maicher an der Hälverstraße in Schalksmühle bereits berücksichtigt wurde. Laut Angaben der KVWL wurde zu Beginn des Jahres das Kontingent einer Praxis in Schalksmühle abgegeben.

Zu diesem Zeitpunkt wurde die Praxis, die Maicher von Dr. Jürgen Killburger übernommen hatte, geschlossen. Die Schließung war – trotz mehrfach geäußerter Kritik an der Praxisführung – für die Schalksmühler überraschend gekommen. Eine Entscheidung, die auch Bürgermeister Jörg Schönenberg bedauert, zumal Michael Maicher auch für Gespräche nicht zu erreichen gewesen sei. Schönenberg betont aber auch, dass es sich dabei um eine rein private Entscheidung des Arztes handele. Da habe die Gemeinde keinen Einfluss. Seitens der Verwaltung könne man interessierte Ärzte lediglich bei gewissen Rahmenbedingungen unterstützen und zum Beispiel Kontakte vermitteln oder bei der Suche nach Räumen helfen.

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