Bücher sind bei Kindern weiterhin gefragt

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Diplom-Pädagoge Matthias Pröll berichtete, dass Bücher weiterhin einen hohen Stellenwert bei Kindern haben.

Schalksmühle - Kinder werden heute mehr denn je mit Medien unterschiedlichster Art konfrontiert. Standen den Erwachsenen von heute in ihrer Kindheit höchstens Bücher, Radio und Fernseher zur Verfügung, wächst ihr Nachwuchs mit Computer, Internet, Spielekonsolen, Smartphones sowie anderen Errungenschaften der modernen Technik auf.

„Medienerziehung ist kein Kinderspiel“ lautete am Dienstag der Titel eines Elternabends mit dem Diplom-Pädagogen, Medienpädagogen und Systemischen Therapeuten Matthias Pröll im Familienzentrum am Wansbeckplatz. Der Abend wurde von der Landesanstalt für Medien initiiert und finanziert.

Mehr noch als Erwachsene finden Kinder heute ihre Vorbilder und Identifikationsfiguren in den Medien, wobei es sich oft nicht unbedingt um jene Vorbilder handelt, die sich Eltern für ihre Kinder vorstellen. „Dabei ist es nicht immer angebracht, Kindern den Konsum der Medienangebote mit diesen Vorbildern gleich zu verbieten“, so der Referent. Vielmehr sei es wichtig, herauszufinden, warum Kinder Figuren wie Spongebob Schwammkopf gut finden. „Auf diese Weise können Sie sehr viel über ihr Kind und seine Bedürfnisse erfahren“, betonte Matthias Pröll. „Anschließend können Eltern dann immer noch entscheiden, ob sie ihrem Kind den Konsum in Maßen erlauben oder eben nicht.“

Trotz des großen Angebotes an elektronischen Medien hätten heute Bücher und Bilderbücher für Kinder entgegen vieler Prognosen nach wie vor einen sehr großen Stellenwert. „Das Vorlesen ist eine der wesentlichsten Medienerfahrungen für Kinder, denn es geht hier darum, dass ein Medium mit Sinn und Zweck genutzt wird“, erklärte der Medienpädagoge. Das Lesen findet eben nicht nebenbei statt, sondern der Fokus konzentriert sich ausschließlich darauf. Deshalb sei es sinnvoll, dass Eltern in Bezug auf dieses Thema einen Schwerpunkt setzen.

Als problematisch bewertete Pröll den Umstand, dass heute rund 35 Prozent aller Kinder zwischen 6 und 13 Jahren einen eigenen Fernseher auf ihrem Zimmer haben. „Wenn dies der Fall ist, haben Eltern kaum noch eine Kontrolle über den Fernsehkonsum ihrer Kinder.“ Das gelte sowohl für die Art des Programms als auch für die Länge des Konsums. „Kinder sind nun einmal nicht in der Lage, das Fernsehen zeitnah zu beenden“, gab der Medienpädagoge zu bedenken. Ferner sei bedenkenswert, aus welchen Gründen Kinder Fernsehen schauen – eine Untersuchung ergab, dass dies oft aus Langeweile, Einsamkeit oder ähnlichen Gründen geschieht, bei denen die Eltern aufgefordert sind, alternative Angebote für ihren Nachwuchs zu schaffen.

Ein weiteres wichtiges Thema des Abends waren schließlich die Alterskennzeichnungen bei Filmen sowie Konsolen- und Computerspielen. „Hier ist es für die Eltern sinnvoll, sich die Medien vorher anzuschauen und zu entscheiden, ob diese speziell für ihr Kind geeignet sind oder nicht“, erklärte der Referent. Denn die Altersfreigaben stellen lediglich eine Beurteilung dar, ob das jeweilige Medium „geeignet ist, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen.“ Das sei, so der Medienpädagoge, eine sehr hohe Messlatte, denn ein Medium sei sicher nur sehr selten in der Lage, die Entwicklung eines Kindes nachhaltig zu stören. Ob ein Film einem Kind dagegen konkret Angst machen könne, sei eine ganz andere Frage.

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