Brüder wollen ein Barrel Blut spenden

Der Garten hält fit: Jährlich kochen die Zwillingsbrüder Hermann (links) und Adolf Tesche rund 500 Gläser Obst und Gemüse aus dem heimischen Beet in Everinghausen ein.

SCHALKSMÜHLE ▪ Ein Barrel oder anders gesagt 159 Liter wollen Adolf und Hermann Tesche vollkriegen. „Soviel Blut wollen wir zusammen spenden“, erklärt Adolf Tesche das ehrgeizige Ziel der Zwillingsbrüder.

Adolf war es, der am 4. Mai 1960 zum ersten Mal Blutspenden ging und damit eine Leidenschaft loslöste. Bis heute, 50 Jahre später, spendete der 71-Jährige 154 Mal den Lebenssaft. Hermann zog am 13. Januar 1961 nach – bisher lag er 145 Mal auf der Pritsche. Zusammen gaben sie also 299 Mal Blut ab. Jeweils einen halben Liter. „Macht 149,5 Liter“, rechnet Hermann Tesche vor.

Dieses Engagement zeichnet nun das Deutsche Rote Kreuz aus. Im Rahmen des Weltblutspendertages sollen sie in Berlin geehrt werden. Einladen sind dazu Bürger aus dem ganzen Bundesgebiet, die sich als ehrenamtliche Helfer oder Blutspender besonders für das Blutspendewesen engagieren. Nur 13 Blutspender aus Nordrhein-Westfalen werden ausgezeichnet – darunter die Zwillingsbrüder Tesche. „Das ist schon eine große Ehre“, meint Adolf Tesche.

Wichtiger für ihn ist aber das Erreichen seines großen Zieles – mit seinem Bruder ein Barrel Blut zu spenden. Um dies zu erreichen, müssen sie sich zusammen noch 19 Mal piksen lassen. Und danach? „Dann hören wir auf. Schließlich wollen wir auch noch Reisen unternehmen“, meint Adolf. Denn: Reisen nach Afrika oder Südamerika sind mit Sperrfristen – von bis zu einem Jahr – für die Blutabgabe versehen. Daher sind Reisen in betroffene Länder derzeit „tabu“. Eine Konsequenz, die sich durch das Leben der Zwillinge zieht. Jeden Tag eine Strecke von rund 14 Kilometern laufen, seit 50 Jahren ausschließlich Opel zu fahren, jedes Jahr rund 500 Gläser Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten einkochen oder (so gut wie) keine Anrufe tätigen gehören ebenso dazu. „Wir sind vom alten Schlag. Wenn ich jemanden zum Geburtstag gratulieren will, fahre ich dahin und rufe nicht an – auch wenn die Person in Ost- oder Süddeutschland wohnt“, sagt Hermann Tesche.

Nach dem Berlin-Aufenthalt mit Stadtrundfahrt, Schiffsfahrt, Besichtigung des Schlosses Charlottenburg sowie einer Führung durch das ZDF-Hauptstadtstudio geht's ab ins Beet – dann steht die Erdbeerernte an. Denn: Einmal angefangen, ist Garten ebenso wie Blutspenden für die 71-Jährigen eine Pflicht, die erfüllt werden muss. Und wenn diese im Herbst 2011 erfüllt sind – das Barrel voll ist und die Gartensaison zu Ende ist – wollen sie gemeinsam den „Nil runter schippern.“ Oder doch noch das 175 Mal Blut spenden– Adolf Tesche: „Man muss sich ja immer neue Ziele setzen...“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare