Kuhlenhagen

Bordell: Gütetermin am Gericht

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Um die Zunft des "Golden House" geht es am 28. August am Landgericht Hagen.

SCHALKSMÜHLE - Ende August beschäftigt sich das Landgericht Hagen mit dem Rechtsstreit um das Bordell-Gebäude „Golden House“ in Kuhlenhagen. Der Immobilienbesitzer Manfred Berker klagt auf Räumung. Die Erotikclub-Betreiberin Mariana Simion will bleiben.

Das Landgericht hat für den 28. August einen Gütetermin angesetzt. Dazu sind die beiden Kläger Manfred Berker und Monique Junker sowie Simion persönlich geladen worden.

„Die Anordnung erfolgt zum Zwecke eines Güteversuchs und zur Aufklärung des Sachverhalts“, heißt es in der Ladung des Landgerichtes. „Das Gesetz sieht prinzipiell vor, dass Güteverhandlungen in solchen Angelegenheiten stattfinden. Ziel ist es, den Rechtsstreit so beizulegen“, erklärte der Landgerichtssprecher Jan Schulte das Prozedere. Es sei möglich, direkt von einem Gütetermin in die eigentliche Verhandlung zu wechseln.

Der Werdohler Anwalt Karsten Clever hat im Namen der Immobilienbesitzer Manfred Berker und Monique Junker die Klage beim Landgericht Hagen eingereicht. Die Forderung lautet, dass Mariana Simion das Gaststättengebäude Kuhlenhagen Nr. 1 ebenso wie die vier dazugehörenden Garagen räumt.

Bisher keine Auffälligkeiten

Die Kläger räumen ein, einen Pachtvertrag geschlossen zu haben und diesen „spätestens bis zum 15. Dezember 2012 durch einen Immobilienkaufvertrag“ ersetzen zu wollen. „Hintergrund dieser Bestimmung war der Wunsch der Beklagten, das Gebäude für den Betrieb eines Erotikclubs käuflich zu erwerben, womit die Kläger grundsätzlich einverstanden waren“, heißt es in der Klage. Die öffentliche Diskussion und das Herantreten von Lokalpolitikern an Manfred Berker nennt der Anwalt als Grund dafür, dass es nicht zum Verkauf gekommen ist. „Das von der Beklagten in den verpachteten Räumen betriebene Gewerbe war auf erheblichen Widerstand in der Öffentlichkeit gestoßen. Das war in dieser Form nicht voraussehbar gewesen.“

Als weiteren Grund nannte Karsten Clever den Bau eines neuen Kunstrasenplatzes. „Wegen der Nähe des Gewerbebetriebes der Beklagten befürchtete man Unzuträglichkeiten. Nach reichlicher Überlegung sind deshalb die Kläger zu dem Entschluss gekommen, der Beklagten das Objekt nicht zu verkaufen, sondern an einen Interessenten, der eine andere Form der Nutzung beabsichtigt.“

Mieten, kaufen, räumen?

- Am 15. November schlossen die Besitzer der Immobilie Kuhlenhagen 1 mit Mariana Simion einen Pachtvertrag – dieser sollte spätestens bis zum 15. Dezember durch einen Kaufvertrag ersetzt werden.

- Proteste und zahlreiche Anträge wie der Antrag auf Errichtung eines Sperrbezirks für die Volmegemeinde folgten auf die Veröffentlichung, dass das Bordell den Betrieb aufnimmt. J Doch einen Kaufvertrag legten die Eigentümer nicht vor. Stattdessen kam die Kündigung – zum 30. April.

- In der Zwischenzeit schlossen sich finanzkräftige Schalksmühler zusammen, um die ehemalige Steinbeisser-Immobilie zu kaufen.

- Mariana Simion blieb. Für den 28. August ist nun der Gütetermin am Gericht angesetzt worden.

Inzwischen ist es um das Bordell ruhig geworden. Öffentliche Proteste von Anwohnern, Siedlern oder der eigens ins Leben gerufenen Initiative gibt es keine mehr. Auch die Lokalpolitik beschäftigt sich mit dem Thema öffentlich nicht. Die anfänglich befürchtete Zunahme von Kriminalität in Kuhlenhagen hat es nach Auskunft von Polizei und Gemeindeverwaltung bisher nicht gegeben. Ordnungsrechtliche Anzeigen sind Bürgermeister Jörg Schönenberg nicht bekannt. Das bestätigt auch Torsten Hecker, Leiter der zuständigen Polizeiwache in Halver: „Bisher ist alles vollkommen unauffällig. Wir hatten dort bisher keinen Einsatz und keine Beschwerde von Bürgern.“

 Anwalt: „Wir sind guten Mutes“

„Die Wogen schlugen nur am Anfang hoch, jetzt hat sich die Situation beruhigt“, meint Christoph Brüggemann. Der Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht vertritt die Bordellbetreiberin. Da es ruhig geworden ist und Berker dennoch nicht an Mariana Simion verkaufen will, spricht Brüggemann eine Vermutung aus: „Ich habe das Gefühl, dass die Kläger es bewusst auf diese Konstellation ankommen ließen.“

Manfred Berker habe schriftlich zugesagt, das Gebäude an Simion zu verkaufen. Außerdem sei der Besitzer des Gebäudes selbst mit der Verwaltung in Kontakt getreten, damit die Konzession erteilt wird. „Erst ist alles unterstützt worden und dann gesagt worden, wer mir Summe X mehr bezahlt, kann das Gebäude kaufen.“ Der Anwalt kommt zu dem Schluss, dass es „zumindest gute Gründe für einen langen Pachtvertrag“ gebe.

Derzeit formuliert Brüggemann die Klageerwiderung. „Wir sind durchaus guten Mutes, was den Termin vor dem Landgericht angeht.“ Um das ehemalige Restaurant in ein Bordell umzubauen, waren einige Maßnahmen nötig. Dafür hat die Bordellbetreiberin Mariana Simion nach eigenen Angaben eine fünfstellige Summe investiert. „Die Kläger bestreiten das“, heißt es hingegen in dem Schreiben von Berkers Anwalt an das Landgericht Hagen. Simion will kämpfen. „Da ich mir hier eine Existenz aufgebaut habe, möchte ich hier bleiben.“ Und nicht nur das: Am liebsten will sie das Gebäude umfassend renovieren und draußen einen Pool bauen. „Ich möchte einen sauberen und seriösen Club führen.“

„Das aber kommt für die Kläger auf keinen Fall in Betracht. Die Kläger haben das Objekt inzwischen anderweitig verkauft“, heißt es in der Klage. Die Umschreibung des Eigentums auf den Käufer sei noch nicht erfolgt. Denn: Der Käufer wünscht, dass das Objekt in geräumten Zustand übergeben wird. Weder Immobilienbesitzer Manfred Berker noch sein Anwalt waren gestern telefonisch erreichbar.

Unabhängig von der eingegangenen Klage will Mariana Simion am Samstag den Tag der offenen Tür veranstalten. In der Zeit von 14 bis 18 Uhr können sich Frauen und Männer das Bordell anschauen und mit Prostituierten über ihren Job reden. Eintritt frei. - Matthias Clever

Lesen Sie hier alles zur Auseinandersetzung um das "Golden House"

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