Überraschende Wende

Bleibt das Bordell nun doch in Kuhlenhagen?

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Das Objekt der Begierde liegt inmitten von Feldern und Wiesen. Der Streit um die ehemalige Steinbeißer-Immobilie in Kuhlenhagen könnte nun für die Bordellbetreiberin positiv enden: Es sollen nun doch Gespräch über den Verkauf geführt werden.

SCHALKSMÜHLE/HAGEN - Nach dem ersten Termin am Hagener Landgericht im Rechtsstreit zwischen der Bordell-Betreiberin Mariana Simion und ihren Vermietern zeichnet sich nun doch eine Einigung ab.

Von Constanze Raidt und Matthias Clever

„Beide Parteien beantragen, das Verfahren für außergerichtliche Vergleichsverhandlungen ruhen zu lassen,“ stellte Richter Wolfgang Rathsack am Mittwoch bereits nach einer halben Stunde fest. Diese Gespräche könnten auf einen Kaufvertrag hinauslaufen.

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Manfred Berker und Monique Junker hatten eine Räumungsklage gegen die Betreiberin des Golden House eingereicht. am Mittwoch bot ihr Anwalt Karsten Clever Mariana Simion dann doch an, die ehemalige Steinbeißer-Immobilie zu kaufen. In diesem Fall müsse sie aber die Restaurant-Küche mit übernehmen und eine Anzahlung leisten. Andernfalls solle sie bis zum 3. September ausziehen. Eine Abfindung in Höhe von 25.000 Euro boten die Kläger dafür an.

„Wir sind gar nicht so weit auseinander“, zeigte sich auch Simions Anwalt Christoph Brüggemann kompromissbereit. „Wir haben den Rahmen für weitere Gespräche schon abgesteckt.“

Bordellchefin Mariana Simion (links) im Gespräch mit Besuchern am Tag der offenen Tür am 25. August.

Richter Wolfgang Rathsack machte deutlich, dass es durchaus im Sinne beider Seiten sei, sich außergerichtlich zu einigen. Denn der ursprüngliche Pachtvertrag, der den späteren Verkauf des Gebäudes vorsah, könnte genau deshalb nichtig sein. „Ein Kaufvertrag braucht eine notarielle Beglaubigung“, sagte Rathsack. Dass diese nicht vorlag, könnte zur Nichtigkeit des gesamten Pachtvertrages führen.

„Sie befinden sich also in einem vertragslosen Zustand und müssten ausziehen, sofern Sie keine andere Einigung erzielen“, wandte er sich an Simion. Auch einen Anspruch auf Schadenersatz habe sie nicht: Die „Erregung in der Öffentlichkeit“, die das Bordell hervorgerufen habe, reiche Berker als Grund aus, die Verhandlungen über den Kaufvertrag abzubrechen.

Auch die Kläger wies Rathsack auf juristische Schwierigkeiten hin. Denn nicht die Berker und Junker GbR hatte die Räumungsklage eingereicht, sondern die Grundstückseigentümer als Privatpersonen (wir berichteten). Sollten Manfred Berker und Mariana Simion keinen Kaufvertrag abschließen, wird das Verfahren vor Gericht fortgesetzt.

„Wir sind mit dem Verlauf sehr zufrieden“, sagte Anwalt Christoph Brüggemann im Anschluss an den Termin. In den kommenden Tagen wolle er die ersten Gespräche über den Kauf führen.

Auch seine Mandantin Mariana Simion zeigte sich glücklich und erleichtert: „Es hat sich gelohnt, zu kämpfen und nicht direkt aus dem Haus auszuziehen. Ich bin froh, dass alles so gelaufen ist.“ Sie hoffe, dass der Kauf und somit die Diskussion um das Bordell bald beendet seien.

Das juristische Vorspiel - Chronologie:

- Am 15. November 2012 schlossen die Besitzer der Immobilie Kuhlenhagen 1 (die Berker und Junker GbR) mit Mariana Simion einen Pachtvertrag – dieser sollte spätestens bis zum 15. Dezember durch einen Kaufvertrag ersetzt werden.

- Das Bordell eröffnete am 1. Dezember.

- Proteste und Anträge wie der Antrag auf Errichtung eines Sperrbezirks für die Volmegemeinde folgten auf die Veröffentlichung, dass das Bordell den Betrieb aufnimmt.

- Einen Kaufvertrag legten die Eigentümer nicht vor. Stattdessen kam die Kündigung.

- In der Zwischenzeit schlossen sich finanzkräftige Schalksmühler zusammen, um die ehemalige Steinbeisser-Immobilie zu kaufen.

- Manfred Berker und Monique Junker reichten Räumungsklage gegen Mariana Simion sowie die zwei andere Bewohner des Hauses ein.

- Nach dem gestrigen Termin am Landgericht ruht das Verfahren.

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