Geschäftsleben in Schalksmühle

Ein Leerstand mehr: Blumengeschäft Rössler schließt

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Ende einer Tradition: Über Jahrzehnte war das Geschäft „Blumen von Rössler“ an der Bahnhofstraße und zuletzt zehn Jahre am Rathausplatz ansässig.

Schalksmühle - Jahrzehntelang waren „Blumen von Rössler“ eine Institution in der Bahnhofstraße, doch Ende Oktober schließt das Blumengeschäft.

Über drei Generationen führte die Familie eine Gärtnerei und ein Blumengeschäft, wenn auch an unterschiedlichen Standorten. „Mein Großvater ist nach dem Krieg nach Schalksmühle gekommen, weil man ihm hier eine Gärtnerei angeboten hat“, erzählt Klaus Rössler. In der Nachkriegszeit habe man mehr Nutzpflanzen angebaut und verkauft, aber auch Tabak. Die Gärtnerei habe dann sein Vater übernommen und später eine andere Gärtnerei in Carthausen eröffnet. 

1970 zog die Gärtnerei dann nach Reeswinkel, ab 1986 übernahmen Klaus und Monika Rössler die Gärtnerei und das dazugehörige Blumengeschäft. Ein Laden gehörte immer zur Gärtnerei dazu, sagt Klaus Rössler. Sein Großvater habe ein kleines Geschäft im Wohnhaus gehabt, ab etwa 1950 gab es dann ein Ladenlokal an der Bahnhofsstraße 5, später folgte dann der Umzug in ein doppelt so großes Geschäft in der Hausnummer 7. Vor zehn Jahren zog das Blumengeschäft in die noch einmal deutlich größeren Räume am Rathausplatz 2 um. 

„Das Verhältnis hat sich immer mehr von der Gärtnerei hin zum Blumengeschäft entwickelt“, sagt Klaus Rössler. Die Gärtnerei habe er schon im vorigen Jahr aufgegeben und nichts Neues mehr kultiviert, Ende Oktober soll nun auch mit dem Blumengeschäft Schluss sein. 

Rückzug aus Altersgründen und wegen der Gesundheit

Der Rückzug hat Altersgründe – Klaus und Monika Rössler sind 62 und 55 Jahre alt –, aber vor allem gesundheitliche. „Ich bin gegen meine Pflanzen allergisch geworden“, sagt Monika Rössler. „Das ist eine Katastrophe für mich – Blumen sind meine Leidenschaft.“ Insbesondere gegen Korbblütler, aber auch gegen andere Pflanzen habe sie eine Allergie entwickelt, die sich bis hin zu Asthma verschlimmerte. „Man kann den Kontakt mit den Pflanzen bei der Arbeit nicht vermeiden, und Handschuhe anziehen reicht nicht mehr.“ 

Das Blumengeschäft von Klaus und Monika Rössler, hier mit Mitarbeiterin Viktoria Enes (links), schließt Ende Oktober.

Da Klaus Rössler wie schon sein Vater und Großvater auf die Gärtnerei fokussiert war, war für ihn der Gedanke an den Abschied nicht so schwer wie für Monika Rössler, deren Tätigkeitsbereich das Blumengeschäft war. „Meine Kunden werde ich vermissen, das menschliche Miteinander, aber man ist ja nicht aus der Welt und wird sich immer noch in der Gemeinde treffen“, sagt Monika Rössler. Im Blumengeschäft sei sie nicht nur Ansprechpartnerin für floristische Fragen gewesen. Auch nach anderen Auskünften und Tipps hätten ihre Kunden sie gefragt. „So ein Laden ist auch eine kommunikative Zentrale, man wusste immer, was passiert.“

Viele Veränderungen miterlebt

Im Laufe der vielen Jahre im Geschäft haben die Rösslers einige Veränderungen miterlebt. Die Vielfalt sei unendlich größer geworden, insbesondere bei Rosen und anderen Schnittblumen, daher sei Fachwissen gefragt, um noch den Überblick zu behalten, sagt Klaus Rössler. „Ich achte darauf, dass die Pflanzen in der Saison sind und möglichst natürlich angebaut wurden“, sagt Monika Rössler. Gefärbte Pflanzen kämen ihr aber nicht in den Laden. „Blaue Rosen oder Orchideen in Regenbogenfarben finde ich ganz schrecklich.“ 

Die Saisonalität lässt sich nicht komplett einhalten, denn Rosen etwa werden ganzjährig nachgefragt und würden aus Kenia nach Deutschland transportiert. Hierbei achte man aber auf fairen Handel, betont Monika Rössler. Dass der Transport viel CO2 verursacht, ist ihr bewusst. Andererseits seien die Blumen in der Sonne gereift statt unter Kunstlicht wie Rosen aus Holland – das erzeuge schließlich auch eine Menge CO2. Das Kaufverhalten der Kunden habe sich insgesamt verändert. 

Online-Handel war keine Belastung

Die Veränderungen durch den Online-Handel hätten das Geschäft allerdings nicht belastet, sondern sich eher positiv ausgewirkt. „Da wir Fleurop angeschlossen sind, bekommen wir darüber auch Aufträge“, sagt Klaus Rössler. Wenn Kunden im Laden etwas kaufen, dann seien sie bereit, auch mehr zu bezahlen, sagt Monika Rössler. „Das Wochenendsträußchen wie früher, das verkaufen wir nicht mehr.“ Solche Bundware würden viele Kunden inzwischen einfach an der Supermarktkasse mitnehmen. „Aber wenn die Leute etwas verschenken oder für sich etwas Schönes haben wollen, dann kommt es auf den Euro nicht an und sie kommen zu uns.“ 

Mit manchen Artikeln habe das Geschäft auch unerwartete Volltreffer gelandet, etwa mit den Blumentörtchen, sagt die Floristin. Die Törtchen seien vor Jahren auf einem Seminar entstanden und dann im Schalksmühler Geschäft weiterentwickelt worden. „Und das haben wir verkauft wie geschnitten Brot.“ Eine andere Überraschung seien die Dekofiguren von Willow Tree gewesen, die sich zu einem Renner entwickelt hätten. „Ich hätte nie gedacht, dass wir so viele Engelfiguren verkaufen“, sagt Klaus Rössler. Man könne aber auch ganz schön daneben liegen, sodass Blumen und andere Artikel, die einem selbst gefallen, bei den Kunden gar nicht ankämen. 

Deswegen ist das Ehepaar Rössler auch froh, mit Gärtnerei und Blumengeschäft die damit verbundenen Verpflichtungen abzugeben, etwa die richtigen Einkaufsentscheidungen zu treffen, von denen das Geschäft und die Mitarbeiter abhängen. „Ich bin froh, dass ich das nicht mehr machen muss“, sagt Monika Rössler. Sie und ihr Mann freuen sich darauf, dann mehr reisen oder spontane Tagesausflüge machen zu können, wofür es im laufenden Betrieb kaum Zeit gab. 

Pläne für die Gärtnerei 

Auch für die 1250 Quadratmeter große Fläche der inzwischen abgerissenen Gärtnerei gibt es schon Pläne. Dort soll eine große Blumenwiese entstehen. „Wenn man nichts macht, verwildert es schnell“, sagt Klaus Rössler. Man wolle eine Blumenmischung nehmen, bei der ganzjährig etwas blüht und bei der sich die Pflanzen selbst versamen. Nur mähen müsste man einmal im Jahr, sagt Monika Rössler: „Und wenn dann Bienen und Schmetterlinge dort herumfliegen, fände ich das sehr schön.“

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